Die Krönung eines jeden Fotografen soll ja die Entwicklung einer eigenen Bildsprache sein, die eine zweifelsfreie Zuordnung zum Schöpfenden zulässt und eine klare Abgrenzung zur fotografierenden Masse darstellt. Von “wir basteln jedes Bild irgendwie in Pastellfarben” zu “ich fotografiere ausschließlich nackte Frauen mit Hundehalsband” ist schätzungsweise jeder Zwischenton existent.
Vermutlich denken ja Tausende um Anerkennung und wirtschaftlichen Erfolg bemühte Fotografen krampfhaft darüber nach, wie sie ein möglichst originelles Alleinstellungsmerkmal erfinden können, um sich dann mit dem Prädikat der eigenen Bildsprache schmücken zu können. Ohne je einen gelesen zu haben möchte ich auch wetten, dass es jede Menge schlauer Ratgeberbücher sogenannter Coaches dazu gibt, die Patentrezepte auf der Reise zum nächsten Newton, Avedon oder Adams an die Hand geben. Kapitel 13: Entwickle Deine eigene Bildsprache!
Ohne Wikipedia bemühen zu wollen: bedeutet Bildsprache nicht einen Sachverhalt, eine Botschaft oder eine Emotion mittels eines Bildes zu verstärken oder zu unterstreichen? Wenn ich mir überlege wie viele Bilder so überhaupt keine Botschaft an mich übermitteln, da hilft es auch nicht sie in zarten Pastelltönen zu halten. Sie bleiben nämlich nicht hängen und sind bestenfalls ganz nett oder hübsch anzusehen (was natürlich ausreichen kann, ich will keine Diskussion über einen Qualitätsanspruch der Fotografie anzetteln). Außerdem ist die Formulierung ja auch irgendwie paradox, wenn das Bild Botschaft und Bildsprache gleichzeitig sein soll.
Was man doch mit Sicherheit sagen kann ist, dass jeder bestimmte ästhetische Vorlieben in Darstellung, Raumaufteilung o.ä. hat und diese seinen Bildern möglicherweise einen gewissen Wiedererkennungswert bescheren. Oder man hat ein bestimmtes Thema, dass mehr ist als ein simples Wiedererkennungslabel und dann ist sie doch schon da, die berühmte Bildsprache, oder?
Ob mit oder ohne erkennbarer individuellen Bildsprache wäre doch schon viel gewonnen, wenn sich die Leute weniger Gedanken über ein möglichst außergewöhnliches Gimmick machen würden und mehr über das eigentliche Bild. Der Rest kommt dann von selber.


