Altersweise, altersmilde oder auch altersstarrsinnig sind gängige Vokabeln, die die sich verändernden oder auch manifestierenden Eigenschaften mit fortschreitenden Lebensjahren beschreiben. Gibt es das Wort “Altersgeschmack”? Abgesehen davon, dass ich glaube erkennen zu können, dass ich etwas klüger und ruhiger geworden bin – zu der Abteilung Starrsinn schweige ich mich aus, nehme ich viele “geschmacklichen” Dinge mittlerweile verändert war. Mir geht es hier nicht um Essen und die Tatsache, dass ich Leckereien wie Käse und Spargel mit zunehmendem Vergnügen esse und sie mir vor einigen Jahren nicht auf den Teller gekommen wären. O.k. – französischer Weichkäse gehört immer noch nicht zu meinen Favoriten, aber ich schweife mal wieder ab. Nein, ich rede von meiner veränderten Wahrnehmung von Bildern.
Wenn ich mir früher einen Fotobildband wie “The Americans” von Robert Frank angesehen habe, dann fand ich ihn mehrheitlich langweilig und konnte mit den Bildern gar nichts anfangen. Nach meiner Meinung gefragt, hätte ich mich wahrscheinlich zu einer Aussagen à la “irgendwelche Gesichter im Café, an der Strasse oder im vorbeifahrenden Bus kann ich auch fotografieren, was ist da schon dabei” hinreissen lassen. Autsch! Gott sei Dank hat mich niemand gefragt, denn weit gefehlt. Diese Bilder erzählen Geschichten, sie vermitteln Emotionen – wenn man sich darauf einlässt.


