Jede Szene hat ihre Schickeria. Da macht die Internet- und Bloglandschaft keine Ausnahme. Sehen und gesehen werden, oder besser Lesen und gelesen werden heißt das Motto.
Immer wieder beeindruckend wie unreflektiert da Aussagen der Meinungsmacher repetiert werden: “XY hat Google+ für gut befunden, also muß es gut sein”. Eigene Meinung unwichtig, das strengt ja nur an. Außerdem bleibt ja das Hintertürchen irgendwann zu sagen “war ja nicht meine Meinung, ich hab das nur wiederholt…”
XY lässt sich dabei beliebig austauschen, mit dem gerade angesagten Hochzeitsfotografen, Analoggott, Bildbearbeitungsguru, Mac-/App-/was-auch-immer-Hipster. Wenn man das Hintertürchen des potentiellen Verpissens nicht nutzen will, weil man sich auf der sicheren Seite wähnt, reiht man sich gerne ein, um ebenfalls “profunde Sachkenntnis” (à la: find ich total gut…) zu demonstrieren. Schon mal aufgefallen? Kaum lässt einer der Szenegurus einen Kommentarpups zu einem Beitrag / Bild schwillt der Strom der Kommentierenden merklich an. Ein neues Knipsersternchen am Himmel wird zum vermeintlichen Talent geadelt – Explosion der Freundschaftsanfragen auf der nächstbesten Sozialmedienplattform.
Ganz nebenbei verstehen sich Begeisterungsstürme bei selbstfabrizierten Content der Schickeria natürlich von selbst. Vielleicht wird man ja wahrgenommen und bekommt seine Streicheleinheit.
Ja klar, die sogenannte Schickeria hat sich ihren Nimbus erarbeitet. Man kann im Regelfall was, und hat das bewiesen. Da ist das Internet zumindest ein Stückchen ehrlicher als das Kohlenstoffleben. Taler erben und wichtig sein funktioniert hier nicht. Aber trotzdem Leute: ständig nur Zaungast zu sein und mit dem Pöbel nicken ist doch erbärmlich. Finger verbrennen, zu weit aus dem Fenster lehnen und Fehler machen gehört doch dazu, nur so kann man ebenfalls in die Schickeria aufsteigen und Schampus saufen.
Übrigens sollte man bei all dem Anhimmeln nicht vergessen: Nichts ist umsont. Stellt mal einigen der oberen 10.000 eine Frage, da trennt sich ganz schnell die Spreu vom Weizen, denn Insiderwissen gibt es nur beim bekannten Anbieter von Reiseführern
Ich kann mich in meinem spärlichen Netzwerk nicht beschweren, wenn auch mein persönlicher sozialer Aufstieg gerade noch auf sich warten lässt. Zumindest in Sachen G+ halt ich´s momentan noch mit der Spyder Murphy Gang:
“Ja in Schwabing gibt’s a Kneipn,
de muaß ganz was bsonders sei,
da laßn’s solche Leit wie di
und mi erst gar ned nei.
in d’Schickeria, in d’Schickeria
Jeder spuilt an Spuerstar,
Und sauft an Schampus an der Bar,
In da Schickeria!


