Jedes Jahr das gleiche Spiel: man kürt die berühmt berüchtigten Wörter und Unwörter des Jahres. Wörter, die besonders kennzeichnend für Diskussionen und Geschehnisse des entsprechenden Jahres waren. “Stresstest” hat es zum Wort des Jahres 2011 geschafft, das Unwort wurde, soweit ich weiß, noch nicht bestimmt.
Nun, was der Gesellschaft für deutsche Sprache Recht ist, kann mir nur billig sein und somit schwinge ich mich auf, mein fotografisches Wort und Unwort des Jahres 2011 zu küren. *Trommelwirbel*
Für das fotografische Wort des Jahres 2011 musste ich nicht lange überlegen. Ungeschlagen an der Spitze steht der “optische Tinnitus”. Ein charmant universell einsetzbare Wortkombination, die sowohl treffend das Dilemma von immer gleich dargebotenem Bildmaterial beschreibt (z.B. Streetmonotonismus), als auch zur überspitzenden Wertung ausgesprochen schlechter Ergebnisse herangezogen werden kann.
Ginge es um das Unwort des vorangegangenen Jahres hätte ich auch nicht lange überlegen müssen und die leidige “Entschleunigung” genannt, für dieses Jahr fällt meine Wahl nach längerem Überlegen aber nochmals auf eine Wortkombination und zwar das “kostenlose ebook”. Es gibt einen alten Spruch, der angeblich auf Einstein zurückzuführen ist (hatte der nicht auch die Schweizer Bürgerschaft?): was nichts kostet ist nichts wert. Das stimmt sicherlich nicht in allen Fällen, ist aber auf viele der kostenlosen ebook Angebote zutreffend.
Vermutlich spielt Wertigkeit überhaupt keine Rolle, denn wie wir wissen – auch schlechte Werbung ist Werbung. Im Gespräch zu sein ist wichtig, in der unübersichtlichen und überlaufenen Fotografen-Community, und wie ich erst gestern wieder gelesen und gelernt habe: man muss ein Produkt oder eine Marke emotionalisieren, damit es/sie funktioniert. Das gelingt einigen besser und einigen schlechter.


