Ich bin ein Held

Kein Zynismus, kein fishing for compliments, ich fühle mich heut einfach heldenhaft!

Rückblende: der treue Leser mag sich erinnern. Ich hatte einiges Pech mit dem Macbook unibody der besten Ehefrau von allen, traf auf ein Unternehmen, für das Kulanz ein Fremdwort ist und eine Servicestelle, die meinte sie könne mich für dumm verkaufen.

Da mir 700,- Franken für einen LCD Tausch zu viel waren, das Gerät aber ansonsten tadellos funktioniert, wurde am Wochenende der Plan des “LCD-DIY-Tauschs” in die Tat umgesetzt. Freund Internet wusste mal wieder Bescheid und so wurde dank des entsprechenden Reparatur-Tutorials vorab ein Glasheber samt 2 Kunststoffwerkzeugen, doppelseitiges Klebeband und natürlich ein LCD Ersatzdisplay geordert. Kostenpunkt in Summe ca. 210,- Franken.

Der Display Tausch stellt einen im wesentlichen vor 2 Herausforderungen: das Glaspanel unbeschadet zu entfernen und den LCD-Connector vom Display zu entfernen und wieder zu montieren. Klar hatte ich schwitzige Hände und einen leicht erhöhten Pulsschlag, aber der dritte Durchgang mit der Heissluftpistole löste das Glasdisplay an der Unterseite und liess es zu, eine Kreditkarte (der Kenner nennt die “Apple-Access-Tool”) unter zu schieben, und das Glas komplett zu lösen. Danach wurden 6 Display Schrauben gelöst und der LCD-Connector entfernt. Hier muss man ein wenig aufpassen, um den Silberbügel, der das Kabel befestigt nicht zu verbiegen oder zu beschädigen. In meinem Fall ist das Kabel auch ausgesprochen kurz ausgefallen aber nach 2 Minuten war der Spuk vorbei und das Display demontiert. Problem eins gelöst.

Teil 2 der Operation war für den gestrigen Tag vorgesehen. Einsetzen des Ersatzdisplays. Wenn ich dachte den harten Part hinter mir zu haben, wurde ich eines Besseren belehrt. Diese hundsgemeine LCD Kabel wieder an das Display zu bekommen ist eine Geduldsarbeit und hat mich schlappe 2 Stunden gekostet. Das Problem an der Sache ist ja, das man sich nich auskennt und nichts kaputt machen will. Nach knappen 2 Stunden wurde ich etwas mutiger, zog ein wenig fester am Kabel und konnte so ein paar Millimeter Spielraum gewinnen, was schliesslich in der entsprechenden Verbindung von Kabel und LCD mündete. Danach hiess es nur noch Display verschrauben, Scheibe mit doppelseitigem Montageband wieder aufkleben, Probelauf – und voilà…

Knappe 500,- Franken Einsparung bei den Reparaturkosten können sich doch sehen lassen und es ist einfach ein gutes Gefühl das geschafft zu haben. Ich bin ein Held!

Wenn der Wurm im Apfel ist

Die Diskussion ob Mac oder WIN PC ist für mich genauso uninteressant wie das analog vs. digital bashing. Fakt ist, ich hab mich für die Mac-Rechner entschieden und sie gefallen mir. In Sachen Service musste ich allerdings gehörig Lehrgeld bezahlen.

Beim Macbook, das ich der besten Ehefrau von allen zum Geburtstag geschenkt hatte, ist nach Ablauf der regulären Garantiefrist das Display im Eimer. Ein ca. 5cm breiter Streifen auf der linken Seite, der anfangs nur kurz, mittlerweile beständig das Bild stört und sich weiter ausbreitet. Der Kenner erahnt, ich habe die Garantieerweiterung, Apple nennt das Care & Protection und verlangt ein Schweinegeld dafür, nicht abgeschlossen. Murphy’s Law. Mein Versuch beim freundlichen Händler um die Ecke auf Tränendrüse und Kulanz zu machen wurde abgeschmettert mit dem Hinweis “da gibt uns Apple keine Chance, das müssen Sie selber probieren”. Daraufhin ein Anruf bei der benannten Servicenummer, bei dem mir eine sehr freundliche Dame erklärte, dass sie telefonische keine Kulanz bestätigen könnte, dafür wäre der Kauf schon zu lange her (1,5 Jahre) und ich solle doch beim Händler mal einen Kostenvoranschlag machen lassen. “Durchmessen” nannte sie das, um die genaue Fehlerursache zu ermitteln und dann über den Händler die Kulanz beantragen, das sei chancenreicher.

Nun gut, ein Gerät für 1.600 Franken will man nicht gerade in die Tonne kicken, also zurück zum Händler. Nach guten 2 Wochen ohne Meldung hakte ich mal nach, um am Telefon wieder zu hören, “sorry – ist das Display, Apple gibt keine Kulanz und der Austausch kostet 550,- Franken Material zzgl. Arbeitsstunden, also rund 700,- Franken, ach ja – und Garantie gibt’s darauf leider nur 3 Monate…”

Na super, die Hälfte vom Neupreis will ich für keine Reparatur zahlen, also muss ein neues Gerät her. Dies erkläre ich auch dem Herrn am anderen Ende des Telefons und frage ihn, ob beim Neukauf die Kosten für den Kostenvoranschlag verrechnet werden, was er bejaht. Also stehe ich ein paar Tage später in seinem Shop, will ein neues Gerät mitnehmen, was aber leider nicht klappt, weil Apple gerade die Generation wechselt. Bei der Gelegenheit lass ich mir nochmals versichern, dass der Kostenvoranschlag bei Neukauf eines Gerätes verrechnet wird. Alles roger meint er.

Vorgestern lag nun ein Abholschein in meinem Briefkasten und ich begebe mich heuer in den Laden, um Alt- und Neugerät abzuholen. Immerhin ist mittlerweile ist der Plan in mir gereift mir das blanke Display zu besorgen und die Reparatur selber vorzunehmen. Nach kurzer Internet Recherche habe ich überschlagen: Werkzeug knappe 40$, neues Display um die 200$ alles frei Haus und die Reparaturanleitung gratis im Internet. Aber zurück in den Laden.

Das Aushilfsjüngelchen ist überfordert als ich ihm meinen Abholschein unter die Nase halte und meine das Altgerät nehme ich mit und der Kostenvoranschlag würde auf den Neupreis angerechnet werden. Stehe ja sogar als Bemerkung auf dem Wisch. Er muss den Chef fragen. Der kommt einige Minuten später und meint, klar wird angerechnet aber dann müsse das Gerät im Laden bleiben und “verschrottet” werden. Ich erkläre dem guten Mann, dass der erste April schon eine Weile rum ist und ich selbstverständlich das Gerät mit nehme. Tja, so ginge das ja nicht, und mit wem wäre das abgesprochen und die Leute von der Technik seien heut auch gar nicht da. Wenn ich das Gerät mitnehmen wolle, müsse ich die Hälfte des Kostenvoranschlags von 176,- Franken zahlen. Meine nunmehr voluminös werdende Stimme, gepaart mit den Begriffen Servicelevel und Zusagen seiner Mitarbeiter scheinen ihm an einem Samstag Nachmittag bei prall gefülltem Laden nicht zuzusagen. Nach dem kurzen Austausch einiger Argumente gibt er sich doch ziemlich schnell geschlagen und mit einem “nix für ungut” gibt er mir die alte Kiste mit und auf die diesmal abgeschlossene Garantieverlängerung gibt’s noch 10% Rabatt.

Ich will nicht wissen, wie viele Leute mit der Methodik abgezogen werden. Mit Hoffnung machen die Leute zum Kostenvoranschlag verleiten, dafür nochmal satt Kohle aus der Tasche ziehen, und bei den verzagten Zeitgenossen ein nettes Exemplar zum Verticken in der Bucht rausschlagen, ach nee das sind ja dann die generalüberholten Mac’s im Store… Saubande!