Glück

Man sollte ja sein Glück nicht überstrapazieren. Die letzte C41 Entwicklung noch in Erinnerung, dachte ich mir “die Chemie ist noch in Ordnung, aber machen wir ruhig einen Testfilm vorab.”

Gesagt, getan, der Junior ist immer wieder ein dankbares Modell und schon hatten wir einen Testfilm im C41 Bad. Wie auch bislang gehandhabt, wurde der Entwickler frisch angesetzt, mit Bleiche, Fixierer und Stabi-Bad sollte ich doch noch hinkommen, und in der Tat kam mir der Testfilm 1a aus der Rolle entgegen.

Dann kann mit den wertvollen Urlaubsfilmen ja nichts mehr schief gehen. Also flugs die Rolle mit zwei Spulen befüllt, und auf ein Neues. Um beim Entnehmen böse von einer grünlich-blauen Trägerschicht überrascht zu werden. Wo bleibt mein sattes Orange? Bitter, wenn sich die Grenzen der Chemieverwertbarkeit gerade in dem Moment einstellen. Waren das demletzt nicht mehr Filme, die ich entwickeln konnte?

Nunja, nach 2 Minuten Gebrüll, weiteren 10 Minuten extrem schlechter Laune komme ich zu dem Schluß: erstens wieder was gelernt. Das nächste mal nicht mehr als 5 Filme. Basta. Zweitens, schauen wir doch mal was bei der Cross-Unfall-Chemiescheisse rumgekommen ist. Demnächst verkaufe ich dann meine Chemieabfälle als Kreativentwickler ;)

Und wenn alle Stricke reißen kann ich die Bilder immer noch schwarz-weiß umwandeln. Gut, jetzt sehe ich halt nicht wie der Fuji Superia wirklich aussehen soll, aber ich hab ja noch ein paar Reserven…

Rodeo

Ja, diese Woche hatte etwas von einem wilden und durchgeknallten Ritt und auch der übliche Abwurf war dabei. Hier in Form eines unverschuldeten Auffahrunfalls der besseren Hälfte auf dem Weg nach Hause. Resultat war ein Totalschaden in Sachen Fahrzeug, mehrere Krankenhausbesuche inkl. MRT, die einen angerissenen Halswirbel beim Lieblingsmenschen zu Tage förderten und eine Unfallgegnerin, die Ihren Führerschein entzogen bekommt. Mahlzeit.

Ich muss am nächsten Tag dann natürlich auf Geschäftsreise nach Spanien. Passt ja prima. Zumal wenn es Zaragoza sein darf, d.h. kein Direktflug. Also per Flieger von Zürich nach Barcelona – natürlich mit zweimal Verspätung sowohl beim Abflug als auch bei Ankunft, Taxi zum Bahnhof, Schnellzug nach Zaragoza (wobei man hier erst mal den Ticketschalter finden muss, um sich dann über Sicherheitskontrollen wie am Flughafen zu wundern), knappe 1,5 Stunden. Taxi zum Hotel, mittlerweile gegen 19.00 Uhr. O.k., wir schaun uns noch eine Runde in der Stadt um. Der Markt ist nett, frisches Obst und Gemüse, Fleisch und phantastischer Fisch in der Auslage, aber ich bin ja nicht zum Kochen da. Ein interessanter Mix aus den üblichen Sakralbauten und teilweise moderne Architektur – ich habe keine Kamera dabei.

Zwischenzeitlich meldet sich doch recht nachdrücklich der kleine Hunger, denn bis auf ein kurzes Frühstück und das spärliche Sandwich vom Bordcatering hatte ich noch Nichts zwischen den Zähnen. Spanien, das heisst doch Tapas, also suchen wir uns eine entsprechende Bar, um hier wiederum festzustellen, dass Englisch in Zaragoza quasi nicht gesprochen wird, man vom dezent untersetzten Barbesitzer aufgrund fehlender Spanischkenntnisse in die Kategorie Schwerverbrecher gesteckt wird, was den übrigen Stammgästen höchstwahrscheinlich auch postwendend mit ordentlich Hohn erzählt wird (ich habe natürlich Nichts verstanden) und der berühmte spanische Stolz kommt bei mir eher als schweineunfreundlich an. Mangels Alternative esse ich trotzdem noch was und kehre dann zurück ins Hotel, das natürlich total überteuert ist, weil gerade irgendeine blöde Messe stattfindet.

Zumindest der Kundenbesuch am nächsten Tag ist gut, ich werde relativ früh fertig und bin zeitnah am Bahnhof, um wieder ein AVE-Ticket zu lösen, allerdings spricht auch am Bahnhof keine Menschenseele englisch. Im irgendeinem Touristenbüro werde ich schließlich fündig, 2 junge weibliche Bahnangestellte verstehen mich, 5 Minuten shakern und mir wird eine aufregende Blondine an die Seite gestellt, die mich an eine verkürzte Warteschlange lotst, das Ticket organisiert und mich an den Bahnsteig geleitet, nicht ohne mir vorher ihre halbe Lebensgeschichte zu erzählen, dass Sie mit einem Amerikaner verheiratet war, jetzt geschieden ist, sich in Zaragoza gar nicht mehr so wohl fühlt, mir geistern Bildideen durch den Kopf… Oh Mann.

Endlich im Zug bin ich immer noch recht früh dran, rufe mein Reisebüro an, um mich auf einen früheren Flug umbuchen zu lassen. 25 Minuten vom Bahnhof zum Flughafen sind grosszügig gerechnet, dann bleibt fast noch eine gute Stunde zum Einchecken, dass muss reichen. Raus aus dem Zug, rein ins Taxi, los Richtung Flughafen, der Fahrer gibt Gummi, denn ich sag ihm vorsichtshalber, dass ich meinem Flug bekommen möchte und 5km vorm Flughafen Stau. Murphys Law – Nichts geht mehr. Panik. Irgendwann sind wir doch da, ich im Laufschritt am Schalter (der Automat will nicht) – ach, Swiss wird hier getrennt und nicht bei Lufthansa betreut – nächster Schalter, sorry Leute ist mir gerade Scheißegal, ob ihr Business, Senator oder was weiß ich seid – ich will in meinen Flieger und nicht erst Nachts daheim ankommen…

Ich habe es schließlich geschafft. Home, sweet home. Ein neues Auto ist seid heute auch in Sicht. Gleiches Modell und Baujahr, 40.000km Laufleistung weniger, super Zustand und erträglicher Aufpreis auf die Versicherungszahlung.

Was für ein Höllenritt.

Euphorie

Wer hoch fliegt kann tief fallen, oder wie war das? In euphorischer Entwicklungslaune kann es dann doch mal zu leichter Fahrlässigkeit kommen, wie gerade erfolgreich exerziert.

Da ist man grad so schön bei der Sache und denkt sich, komm – den dritten Film entwickeln wir auch noch. Dumm nur, wenn man nur eine Dose und zwei Spulen hat, und die natürlich sorgsam abgespülten Spulen leider etwas weniger sorgsam abgetrocknet wurden. An nichts Böses denkend, hantiert man fröhlich im Wechselsack und denkt auf einmal, hey – warum klebt der Film aufeinander? Die langsam aufkeimende Panik ist beim Einfädeln auf die Spule nicht gerade förderlich und das Unheil nimmt seinen Lauf. Ein klumpen Film, den man grob auseinander reissen muss. Das hässliche Geräusch verheisst dabei nichts Gutes.

Herr Trout würde möglicherweise Trost mit den Worten spenden: “zumindest die Einmaligkeit ist gegeben, das hat Potential zur Kunst!” Wie auch immer – so sieht eines der noch halbwegs brauchbaren Ergebnisse aus. Wobei ich jetzt wirklich überlege, in wie weit man das zukünftig im Bildentstehungsprozess einbauen könnte.Im Sinne von Enwicklungs-Aktionskunst. Das wird bloss nix mit kontrollierten Prozessen;)