Unbestrittene Tatsache ist, dass man als Fotograf auch Voyeur ist. Wem der Begriff zu negativ besetzt ist, darf das auch gerne mit Beobachter ersetzen.
Als Beobachter lasse ich mich treiben, betrachte das Leben in meinem direkten Umfeld und in den Unendlichkeiten der digitalen Welt. Spannend dabei ist es Kontraste zu erleben, Veränderungen zu begleiten, um letztlich Inspiration daraus zu ziehen. Nicht immer kann ich alles nachvollziehen, viele Dinge sind mir fremd und werden es auch bleiben aber vielfach werden mir Aha-erlebnisse beschert, Sehnsüchte und Begehrlichkeiten geweckt und es tun sich neue An-/Einsichten und Fragestellungen auf.
Meine Gefühlslage wechselt dabei gerne mal von Realismus zu Melancholie und zurück. So viele Themen, die mich begeistern, so viele Menschen deren Talent oder auch Geschäftssinn meine ehrliche Bewunderung haben und ich weiß genau: das kann ich nicht nachmachen. Das ist einmal begründet in mangelndem Talent, ein anderes mal in meiner Persönlichkeit oder Entscheidungen, die ich für mich getroffen habe. O.k., manchmal würde ich auch gar nicht wollen, aber es geht ja primär um Dinge die mir gefallen.
Es gibt Menschen, die sind begnadete Netzwerker und betreiben das bis an die Grenzen der Selbstverleugnung, es gibt Talente, denen sprudelt die Genialität förmlich aus dem Schreibe-, Zeichen- oder Fotografierfinger – die Facetten sind zahlreich, aber im Regelfall ist ihnen allen eine große Portion Ehrgeiz, Beharrlichkeit und der unerschütterliche Glauben an sich selbst zu eigen. Dabei muß ich eigentlich gar nicht unterscheiden zwischen Dingen, die mir persönlich gefallen und dem berühmten ASGM (aus Scheiße Gold machen). Wenn es funktioniert ist es legitim. Ehre wem Ehre gebührt. Dabei ist es auch vollkommen nebensächlich den Verantwortlichen zu mögen oder nicht. Bewunderung und Anerkennung von Leistungen lässt sich sehr gut von Symphatie trennen, und neben den tollen und netten Kreativen tummeln sich halt auch eine jede Menge begabter Idioten.
Das soll übrigens kein Klagelied sein, überhaupt nicht. Ich habe in meinem Leben bewußt Entscheidungen gefällt, die mich in manchen Bereichen limitieren. Fast keine davon ist unumstößlich, aber mir gefällt die Komfortzone, in der ich mich eingerichtet habe recht gut. Trotzdem muss ich immer wieder über den Tellerrand spähen meine Augen wandern und meine Gedanken kreisen lassen.
Ich wäre vielleicht doch gerne Jazzpianist, Flamenco-Gittarist, Fahrzeugdesigner,…


