Tonung

Gestern hab ich mal ein wenig durch die Gegend getont. Der digital geprägte Fotofreund wird das als Sepia kennen, die Filmfraktion kann vermutlich mit Schwefeltonung etwas anfangen.

Es handelt sich um die vermeintlich einfachste Tonungsmethode, die mit dem betörenden Duft nach faulen Eiern, die jedoch in unterschiedlichsten Facetten daher kommt und je nach Bild, motivunterstützende Farbgebungen jenseits des Kitsch oder des “auf alt getrimmt” ermöglicht.

Ich habe im ersten Ansatz mit unterschiedlich fetten Ansätzen experimentiert, mit Varianten bei denen erst gebleicht und dann getont wird, aber auch direkte Tonungen, die anschliessend gebleicht und nochmals getont werden. Mein Favorit aus der Reihe ist ein Print, der erst gebleicht wurde, anschliessend in stark verdünntem Entwickler nochmals anentwickelt wurde und anschliessend in eine relativ hoch verdünnte Schwefeltonung ging.

Der Scan ist mal wieder armselig und zeigt noch nicht mal die Tonwerte richtig an. Besser geht es halt nicht.

Die Spielwiese ist geradezu grenzenlos. Was alleine mit einem Toner und der Variation des Prozesses möglich ist, erschlägt einen nahezu. Wenn man sich dann überlegt, was für eine Palette von Tonern existiert und welches Möglichkeiten sich aus deren Kombination untereinander ergeben…

Experimentelles

Im letzten Beitrag bereits angekündigt, wollte ich das Portrait “Bust” als VanDyke umsetzen und dabei ausprobieren, ob es eine Möglichkeit gibt, eine Struktur von gerissenem Stein zu simulieren. Wie bei einer in Stein gemeißelten Büste eben, die schon einige Jahre auf dem Buckel hat.

Zuerst habe ich an Folie gedacht. Frischhaltefolie o.ä., möglichst zerknüllen um eine zufällige, nicht wiederholbare Struktur zu erhalten und das unter die Glasscheibe legen. Hat nicht funktioniert, der einzige Effekt war ein Unschärfeschleier auf dem Print. Danach dachte ich an Farbe zwischen 2 Glasplatten. Kennt ihr, oder? Farbe auf Glasplatte verteilen, andere Platte drauf, abziehen und man erhält eine nette, zufällige Struktur. Naja, mit den verfügbaren Wasserfarben (was anderes war nicht im Haus), hat das nicht funktioniert, da braucht es wesentlich zähflüssigeres Material. Dann eben Wasserfarbe auf eine Glasplatte und mit der zusammengeknüllten Folie von vorher eine Art Tupftechnik versuchen. Auf dem Gesicht hat das ebenfalls nicht funktioniert. Um Risse im Material zu simulieren braucht es wesentlich schärfere Linien. Der einzige Effekt, den ich hatte war, das Zeichnung im Gesicht verloren gegangen ist, weil nicht mehr genug UV-Licht auf den Bereich gefallen ist. Was ich allerdings feststellen konnte war, das mit letztgenannter Technik sich ganz nette Hintergrundeffekte bewerkstelligen lassen, insbesondere wenn man einen flächigen, dunklen Hintergrund hat.

Ziel nicht erreicht, aber einiges gelernt. Das war der Auftakt um meine Mikroserie “Apes” (das mit den 3 weisen Affen) umzusetzen. Ach ja, falls jemand eine gute Idee hat um die Ursprungsidee zu realisieren, nur raus damit. Ansonsten habe ich zumindest meine neue “Zaubersuppe” ausprobiert. Ich sag nur Palladiumtoner. Ist genial!

Baum

Kleine Testreihe in Sachen Edeldruck. Cyano und Vandyke sollte es sein. Vorweg: die Cyanos hab ich total versemmelt. Schrottiges Negativ, schlechtes Papier (Hahnemühle 300 rauh – eignet sich so überhaupt nicht…), aber die Vandykes. Ich hatte noch ein Negativ aus der Adox Box, das es mir angetan hat und genau das wollte ich mal austesten. Mir gefallen die Ergebnisse ausgesprochen gut, allerdings wird die Wahl für eine Tonung diesmal schwierig. Sie kommen irgendwie alle gut (allerdings nicht wirklich als Scan).

Müsste ich mich entscheiden, wäre es diesmal wohl die Carbon-Variante. Und ich würde vielleicht darüber nachdenken ggf. 30 sec. weniger zu belichten – aber nur vielleicht.

Edit:
Das Original kann man übrigens hier ansehen.

Denim

Ich bin ja noch den Nachtrag zur Cyano-Tee-Tonung schuldig. Hier also das finale Ergebnis und im Vergleich dazu gleich nochmals das gleiche Motiv als “normales” Cyano. Ich mag den Tonungslook sehr gerne, er hat sowas von ausgewaschener Jeans, deshalb taufe ich ihn hier und jetzt “Denim”.

Wie immer ist der Scan für’s Web nicht mit dem Original zu vergleichen, aber die Richtung stimmt zumindest. Ich bin zufrieden. Mit beiden!

Tea & Coffee

Heute haben sich Erfolg und Misserfolg die Waage gehalten. Die arktischen Temperaturen prüfen auch meine Leidensfähigkeit und somit scheiden zur Zeit Dunkelkammeraktivitäten schlicht und ergreifend aus. Zum Glück haben wir die alternativen Verfahren und hier die gerade angetestete Cyanotypie.

Ein Negativ ist mir schon die ganze Zeit im Kopf herum gespukt. Der “Bad Hair Day” – ein Ergebnis des von mir so hoch geschätzten U125 in Caffenol entwickelt. Farblich hatte ich hier nicht das klassisch Preussisch-blau im Sinn, sondern eine bräunlich getonte Variante unter Verwendung von Tee. Teetonung gibt den Cyanos einen, nach meinen Geschmack, herrlichen Duoton – das blau wird dunkler, etwas dreckiger und das Papier nimmt in den Lichtern einen Tee-Stain an, der zu einigen Motiven ganz ausgezeichnet aussieht. Soweit der Plan.

Es hat fast alles funktioniert, die Färbung ist genau wie ich sie mir vorgestellt habe, wäre da nicht das Negativ, das mich zur Verzweiflung bringt. Der erste Wurf war viel zu dunkel im Gesicht, die jetzige Variante eigentlich perfekt, bis auf den Stirnbereich, der in den Lichtern viel zu stark ausgefressen ist. Für heute musste ich mich allerdings geschlagen geben, da der Drucker sich weigert mit leeren Patronen weiter zu arbeiten. Morgen also auf ein Neues und unten das vorläufige Ergebnis.

Achtet auf den Farbton und ignoriert einfach mal die unperfekten Lichter – ich werd’s nochmals machen…