Gibt es so etwas wie eine “erwachsene Fotografie”? In Zeiten von Jugendwahn und stetigem Adoleszenzdiktat erhalten wir uns natürlich alle unsere jugendliche Neugier, experimentieren auf Teufel komm raus und springen von links nach rechts, um möglichst nichts zu verpassen.
Und doch jammern wir auf der anderen Seite permanent, sind auf der Suche nach der eigenen Handschrift und dem unverkennbaren Stil, weil wir wissen, dass wir zu 90% Beliebigkeit produzieren. Wann fängt also erwachsene Fotografie an? Ist es die Stufe, bei der wir beginnen auf vorrangige Effekte zu verzichten? Wenn wir verstehen, dass matschige Unschärfehintergründe dank Riesenblende nicht Allheilmittel sind, wenn wir mehr kennen als Blende 2.8 für Portrait und 22 für Landschaft, bei der alles so schön scharf ist? Wenn wir verstehen, dass möglichst viel nackte Haut noch kein gelungenes Aktbild ausmacht, wenn wir uns beim Blick durch den Sucher wirklich auf alle Bildelemente einlassen und überlegen, wie sie später wirken und welche Aussage transportiert werden soll?
Ich weiß es nicht. Vermutlich fängt erwachsene Fotografie da an, wo ich mich nicht mehr darum kümmere, was die Community dazu sagen mag…


