Erwachsene Fotografie

Gibt es so etwas wie eine “erwachsene Fotografie”? In Zeiten von Jugendwahn und stetigem Adoleszenzdiktat erhalten wir uns natürlich alle unsere jugendliche Neugier, experimentieren auf Teufel komm raus und springen von links nach rechts, um möglichst nichts zu verpassen.

Und doch jammern wir auf der anderen Seite permanent, sind auf der Suche nach der eigenen Handschrift und dem unverkennbaren Stil, weil wir wissen, dass wir zu 90% Beliebigkeit produzieren. Wann fängt also erwachsene Fotografie an? Ist es die Stufe, bei der wir beginnen auf vorrangige Effekte zu verzichten? Wenn wir verstehen, dass matschige Unschärfehintergründe dank Riesenblende nicht Allheilmittel sind, wenn wir mehr kennen als Blende 2.8 für Portrait und 22 für Landschaft, bei der alles so schön scharf ist? Wenn wir verstehen, dass möglichst viel nackte Haut noch kein gelungenes Aktbild ausmacht, wenn wir uns beim Blick durch den Sucher wirklich auf alle Bildelemente einlassen und überlegen, wie sie später wirken und welche Aussage transportiert werden soll?

Ich weiß es nicht. Vermutlich fängt erwachsene Fotografie da an, wo ich mich nicht mehr darum kümmere, was die Community dazu sagen mag…

Vom Glück ein Amateur zu sein

“Ein Fotograf, der Wiedererkennungswert haben möchte sollte einen eigenen Stil entwickeln.”

Toller Satz, oder? Wahrscheinlich ist dies eine der größten Herausforderungen, der sich ein Künstler stellen kann. Als Hobbyfotograf oder Amateur habe ich es da einfach. Klar wäre es toll wenn ich mal sowas wie eine eigene Bildsprache entwickeln könnte, aber ich bin nicht darauf angewiesen. Ich kann getrost weiter stümperhaft ablichten und hole mir gefälligen Zuspruch aus dem Familienkreis. Der Profi, oder der angehende Profi unterliegt dem Zwang zur Individualität zwar auch nicht unbedingt (hey, Passbildaufnahmen brauchen keinen eigenen Stil ;-) ), für die höheren Weihen der Auftragsfotografie und vor allem um als Fotokünstler aus der Masse hervorzutreten, gestaltet sich die Situation vermutlich schwieriger.

An dieser Stelle kann ich mir nicht vorstellen, dass die Festlegung auf ein bestimmtes Format, wie man schon mal hier und da lesen kann, für den unverwechselbaren Stil ausreicht. Abgesehen davon, dass es vermutlich noch zwei, drei andere geben wird, die auf die gleiche glorreiche “Idee” gekommen sind, limitiere ich mich gleich selbst und als Alleinstellungsmerkmal erscheint mit das ganze etwas “mager”.

Ohne den Anspruch zu haben, einen besonderen Kunst- oder Fotografieverstand zu besitzen, so finde ich mittlerweile eine Vielzahl der aktuellen Fotografien “seelenlos”. Bilder, technisch teilweise makellos, aber gekennzeichnet von purer Effekthascherei und letztlich oft nichtssagend. Insbesondere bei Leuten, die nach eigenem Bekennen anfangen professionell zu arbeiten und sich auch als Künstler sehen und etablieren wollen, erscheint mir das Ganze vielfach zu bemüht auf dem Weg zum eigenen Stil. Zum Verkauf bei Stockagenturen und für die Feld-Wald-Wiesen-Hochzeitsfotografie vielleicht hervorragendes Material, der künstlerische Nährwert aus meiner Sichtweise oft unterirdisch. Für ein Portfolio von massentauglichen Fotos für Wandkalender und Kaffeetassen ist dies vermutlich der richtige Weg, ich persönlich mag mittlerweile andere Bilder.

Gott sei Dank bin ich nur ein blutiger Amateur, der versucht seine eigenen fotografischen Defizite zu erkennen und daran zu arbeiten – und zwar mit Spass an der Sache und ohne den Zwang des Broterwerbs. Definitiv ein Plus …