Eins Zwei Drei im Sauseschritt

eilt die Zeit wir eilen mit. Bekanntermaßen halte ich ja wenig von dem inflationär genutzten Entschleunigungsbegriff und doch hat die Arbeit in der Dunkelkammer eine meditative Komponente – man vergißt schlicht und ergreifend die Zeit. Um 20.00 Uhr dem Junior einen Gute-Nacht-Kuss aufgedrückt und in den Rotlichtbezirk eine Tür weiter zurückgezogen, wundert man sich bei der Rückkehr warum alles dunkel ist und auch die beste Ehefrau von allen schon schlummert. Ein Blick auf die Uhr verrät es ist 01.00 Uhr morgens und man hat eine sehr überschaubare Ausbeute von 3 halbwegs gelungenen Abzügen.

In den fünf Stunden hat der leidlich begabte Photoshopkünstler bereits eine komplette 16GB Karte mit Fotos aus seinem Digitalboliden verschlimmbessert und der Tintenspritzer schreit nach der zweiten Runde Druckertinte. Effizienzmaßstäbe sind also fehl am Platz. Spaß beiseite, der Weg zum gelungenen Abzug ist ganz schön lang. Was ich elektronisch mal eben mit dem Pinsel in Sachen Nachbelichten oder Abwedeln auf den Bildschirm male, muß ich in der Dunkelkammer erst mit realen Werkzeugen und handwerklichem Geschick bewerkstelligen. Fehler lassen sich nicht per Mausklick korrigieren, sondern sie bedeuten zurück auf Los und das Ergebnis sehe ich sowieso erst nach geschlagenen 5-6 Minuten Chemiegepansche. Und was ist man verwöhnt! Wo man digital auf die Schnelle mal eben korrigiert, ist die Welt aus Licht, Papier und Chemie doch gnadenlos. Stichwort Staub: was hab ich gelernt ihn zu hassen.

Ich habe mittlerweile ja einen Quantensprung hingelegt, was die Sauberkeit meiner Negative angeht. Aber da sind noch Trägerbühnen vom Vergrösserer, die permanent irgendwelche Partikel oder Fettschlieren anziehen. Arbeitet man mit Vergrösserungskassetten samt Glasdeckel (meine bevorzugte Variante) gibt es dort ebenfalls nochmals eine Fläche, die sauberzuhalten ist und hat man all das schließlich einigermaßen geputzt, zieht man einen Abzug aus der Wanne, der sich mit einem Newtonring schmückt, obwohl die Negativbühne doch mit Anti-Newton-Glas ausgestattet sein soll. Verzweiflung pur!

Also das obere Glas entfernen, sich mangels Alternative aus Fotokarton einen Rahmen zum Negativfixieren basteln, und schließlich sieht man dann das finale Bild langsam in der Entwicklerwanne erscheinen und ist wieder mit der Welt versöhnt. Es mag das Privileg des Hobbyfotografen sein, in Zeiten von Photoshop & Co und hervorragenden Tintendruckern, sich mit dem unwirtschaftlichen und langwierigen Prozess der Dunkelkammerentwicklung zu beschäftigen. Der Spaß- und Stolzfaktor ist auf jeden Fall sensationell und sehr zu Empfehlen!

Bildwerk alaaf

Wo bleibt der Spaß in der Fotografie? Nennt mich einen notorischen Nörgler, aber angesichts der 5. Jahreszeit die im November beginnt und mit der ich in ihrer organisierten Form herzlich wenig anfangen kann, frage ich mich allen Ernstes – nettes Wortspiel übrigens, aber egal – wo bleibt der Spaß in der Fotografie?

Ja, mir ist es auch ernst mit meinem Hobby und das Streben nach Verbesserung ist ein großartiger und lobenswerter Ansatz. Aber doch nicht so dogmatisch und bierernst. “Du willst Fotografieren lernen? Wir sind deutsch, wir haben einen Plan und wir geben Ratschläge!” Jeder fotografische Mißgriff wird kategorisch unter Verschluß gehalten, kein Augenzwinkern, kein Desaster-Making-Off sondern allenthalben ein Showlaufen der Eitelkeiten. Perfekte Bilder (oder was die Leute darunter verstehen – o.k. hier mag es Raum für Amusement geben), perfekte Werkzeuge und dazugehörige Kaufempfehlungen und natürlich die genormten, sozialverträglichen Kommentare.

Für die, die schon Fotografieren können machen wir dann halt Kunst. Aber auch in aller Ernsthaftigkeit bitteschön!

Ich will nicht immer Lernen, ich will nicht immer produktiv sein, ich würde ab und an einfach mal gerne unterhalten werden und herzlich lachen. Über eine nette Anekdote zu einem beschissenen Bild, von einem Könner, in seinem Blog. Das wär doch mal eine Revolution…