Baum

Kleine Testreihe in Sachen Edeldruck. Cyano und Vandyke sollte es sein. Vorweg: die Cyanos hab ich total versemmelt. Schrottiges Negativ, schlechtes Papier (Hahnemühle 300 rauh – eignet sich so überhaupt nicht…), aber die Vandykes. Ich hatte noch ein Negativ aus der Adox Box, das es mir angetan hat und genau das wollte ich mal austesten. Mir gefallen die Ergebnisse ausgesprochen gut, allerdings wird die Wahl für eine Tonung diesmal schwierig. Sie kommen irgendwie alle gut (allerdings nicht wirklich als Scan).

Müsste ich mich entscheiden, wäre es diesmal wohl die Carbon-Variante. Und ich würde vielleicht darüber nachdenken ggf. 30 sec. weniger zu belichten – aber nur vielleicht.

Edit:
Das Original kann man übrigens hier ansehen.

VanDyke – Selen vs Carbon

Hier also die angekündigten Ergebnisse der gestrigen VanDyke Exkursion. Oben Selen, unten Carbon.

Pech und Schwefel

Es galt der angekündigten sibirischen Kälte zu trotzen und Dank Skiunterwäsche und mehreren Kleidungsschichten im Zwiebelsystem stürzte ich mich todesmutig in die ungeheizte Dunkelkammer.

VanDyke war das Begehr und zwar sollte eines der letzten Portraits des Familienstammhalters veredeldruckt werden. Vorgehensweise wie üblich: das Negativ “regelkonform” auf Folie drucken, Entwicklungs-, Fixier- und Wässerungswannen vorbereiten, Emulsion und Papier bereitstellen, Pinsel zücken, beschichten, belichten, durch die diversen Wannen ziehen und…

Pech. Es will nicht. Es will einfach nicht zu einem vernünftigen Bild werden. Verdammte Hacke. Nachdem ich das vierte Blatt in die Papiertonne pfeffere besinne ich mich auf Ursachenforschung und komme zu der Erkenntnis: Negativ überarbeiten. Diesmal pfeife ich auf Vorgaben, Skripte die Optimalkurven errechnen sondern vertraue meinem Instinkt. Verstärkte Konturen, dezente Betonung der Mitteltöne, Tweak hier, Tweak da – Handarbeit ist angesagt und kurze Zeit später das neue Negativ ausgedruckt.

Prozedere wie gehabt und voilà – das Konterfei des Stammhalters schaut mir messerscharf aus der Wässerungswanne entgegen. Wer sagt’s denn. Jetzt noch einen Happen Tonung und wir kommen der Sache näher.

Mit der Tonung ist das ja immer so eine Sache. In welchem Verhältnis setzt man an, wie lange lässt man die Tonung wirken, fährt man das Bad vor oder nach der Fixage, kombiniert man verschiedene Tonungen, die Möglichkeiten sind schier endlos. Ich fahre diesmal Carbon und die bewährte Selentonung im Vergleich, die aktuell zugunsten der Selenvariante ausfällt. Carbon hat mir einen Tick zu viel in die grünlich-gelbe Variante gegeben, ach ja und es stinkt wie die Hölle. Ihr erinnert Euch an die Stinkbomben von früher? Schwefel und Pestillenz? Genau diese Duftwolke umgibt mich, als ich der besten Ehefrau von allen die Ergebnisse unter die Nase halte. Von den Bildern ist sie begeistert, vom Geruch nicht. Das könnte mich aber immerhin einem Umbau zwecks Wasseranschluss in der Dunkelkammer näher bringen und heut abend probiere ich vielleicht nochmals die Goldtonung…