Mach es zu Deinem Projekt

Ich habe schon lange, wirklich sehr lange nach ihr gesucht. Die Rede ist von meiner jüngsten Neuanschaffung – einer Voigtländer Superb in der Skopar Variante. Internetauktionskauf, heißt bekanntlich Risikokauf, denn Beschreibungen und Bilder können etwas vorgaukeln, was gar nicht da ist. An dieser Unbekannten sollte sich also nach Möglichkeit der potentielle Investitionsbetrag orientieren, den man bereit ist zu zahlen, denn man weiß nie was einen noch erwartet.

Hier war mir also das Risiko klar. Die Voigtländer sah auf den Auktionsbildern recht schmutzig aus, war aber wohl immer in einer Bereitschaftstasche untergebracht – demnach gute Chancen, dass die gerade bei der Superb so empfindlichen vorstehenden Linsen nicht zu stark gelitten hatten. Schmutz lässt sich entfernen, warum also nicht. Gesagt getan, habe ich mich noch lange der Hoffnung hingegeben für knappe 50,-€ zuschlagen zu können, wurde aber kurz vor Auktionsgrenze noch zum Doppelten genötigt, was so ziemlich meine Schmerzgrenze war.

Kurze Zeit später steht das Baby auf meinem Tisch und der typische Kellergeruch schlägt mir entgegen. Auweia, das bedeutet Feuchtigkeit und Feuchtigkeit heißt in der Regel Schimmel. Also die noch recht gut erhaltene Bereitschaftstasche abgenommen und die erste Grobsichtung bestätigt: Linsen sehen passabel aus, die obligatorischen Schimmelstupsen auf der inneren Filzausschlagung und einige Korrosionsstellen.

Erste Amtshandlung ist eine gründliche Außenreinigung. Feuchter Lappen und Essigwasser mit einem Spritzer Spülmittel, mehr braucht es im Regelfall erstmal nicht. Später kommt dann ein Finish mit Ballistol. Das Essigwasser sollte fungizid wirken und hilft auch recht gut gegen den ätzenden Modergeruch.

Zweite Sichtung: schaut doch gut aus. Blendeneinstellung – check, Zeiten – check (zumindest gefühlt) – Scharfstellung – check, äh – moment, die Mechanik läuft, der Blick durch den Sucher lässt auch etwas erahnen, aber das ist irgendwie stockfinstere Nacht. Ich kenn ja dunkle Sucher, aber das ist definitiv zu dunkel. Mal einen Blick durch die obere Linse werfen… Tja, das war´s dann wohl mit dem Traum der schnellen Inbetriebnahme. Durch die Sucherlinse kann man erkennen, was wohl mal ein Spiegel sein sollte. Ein beschichtetes Metalletwas, auf dem die Zeit in feuchter Umgebung ihr munteres Korrosionsspiel getrieben hat, das Ding ist hin.

Nun ist es nicht so, dass die Voigtländer irgendeine simple Kamera ist, sondern ein recht kompliziert aufgebautes Stückchen Technik, unter anderem mit Parallaxenausgleich dank Neigung der Sucherlinse etc. und entsprechende Recherche ergibt, das für die Spiegeldemontage der ganze Apparat auseinandergenommen werden muß.

Machen lassen oder selber machen? Das ist kompliziert und die Chance das Ding zu versauen sind recht groß. Auf der anderen Seite will ich mein SL66 richten lassen, was richtig teuer wird und ich könnte durch eine Restauration der Voigtländer eine Menge lernen…

Der Entschluß ist gefasst: ich mache es zu meinem Projekt (danke an die penetrante Baumarktwerbung, sowas brennt sich wirklich ein) und werde Euch Step-by-Step, möglicht bildlich dokumentiert (wenn ich im Eifer des Gefechts dann nicht vergesse ein Foto zu machen) daran teilhaben lassen.