Der Patient ist tot

Warum titeln angeblich seriöse Tageszeitungen eigentlich über den Showtod auf Raten eines Gottschalk und den Abgang eines Berufszynikers wie Schmidt? Die tun ja gerade so, als ob das der Tod der deutschen Fernsehlandschaft wäre. Noch nicht gemerkt? Der Patient ist schon lange tot.

Ich erinnerer mich an die Zeit der grossen Samstagabendunterhaltung, sogar noch mit Showtreppe und Fernsehballett, aber die Fernsehgattung war auch schon mit Gottschalk ein lange überholtes Konzept. Und Schmidt hat eine zeitlang tatsächlich das Prinzip Late Night in Deutschland etabliert, aber auch diese Zeit ist lange vorüber und sein zelebriertes Senderhopping mit Millionenverträgen hat zwar durchaus was von Realsatire, diente aber ausschliesslich dem Geldbeutel von Herrn Schmidt und nicht der Unterhaltung des Publikums.

Angeblich moderne Zeiten und wir sind im Fernsehmittelalter angekommen. Brot und Spiele. Dschungelcamp, Mitmach-Juryshows mit zugesicherter Peinlichkeitsquote groesser 80%, Tauschmütter und Messiwohnungen mit Fremdschämgarantie und die alltägliche “Daily Soap” in Mehrfachausführung – hurra, der Groschenroman der 50er lebt weiter. Brot und Spiele – gut und böse für gehirnamputierte Affen, deren Daumen vor der Glotze nach oben oder unten zeigt, wenn sie den heimischen Bohlen auf der Couch geben, und die wieder einmal für einen kurzen Moment nicht selber die Verlierer sind, sondern Schadenfreude über die anderen Verlierer ausleben können.

Ja, die jüngere Generation hat das alles natürlich zielsicher erkannt. Hohn und Spott über die Macher und Konsumenten ausgetauscht über Twitter während man trotzdem gemeinsam schaut. Sehr sinnig, aber da sind ja noch die coolen und hippen amerikanischen Serien, die der Kenner sich im Originalton ansieht und deren Inhalt sich selbstverständlich um längen von den groschenromaninhalten der deutschen Tagtäglichserien abhebt. Grosses Budget, andere Sprache, anderer Ort, da bekommt das bekannte Strickmuster doch gleich eine ganz andere Dimension…

Was fehlt ist der Mut zum Experiment. Es gibt nichts Neues mehr und getrieben vom Quotendruck scheint keine Weiterentwicklung möglich. Scheint ein Kulturphänomen, wenn wir Fernsehen als Kultur sehen wollen, und da können wir dann den Bogen zur Fotografie spannen, da geben sich beide nichts.

Warum

Ich habe mich abgefunden mit dem unermesslichen Moloch an Bildern, mit denen man über sämtliche Kanäle tagtäglich geflutet wird. Quantität vor Qualität ist nunmal das Gebot der Stunde.

Dabei wäre es so einfach, zumindest einen gewissen Gütegrad zu schaffen.

Mit Einsatz des Warumfilters.

Einfach vor Veröffentlichung eines Bildes sich selber fragen: “Warum möchte ich dieses Bild zeigen?”. Wer dabei im geistigen Zwiegespräch mit dem eigenen Ego halbwegs ehrlich sein kann und “einfach so” als ungenügende Antwort akzeptiert, wird sich selbst und den potentiellen Zuschauern einen grossen Gefallen tun, denn er/sie wird mindestens die Hälfte seiner/ihrer Ergenisse auf der Festplatte lassen und gibt Qualität zumindest eine Chance.

Lieblinge

Lieblingsmenschen, Lieblingskameras, Lieblingsfilme, Lieblingsfeinde… Ja, wir haben sie unsere Lieblinge.

Wobei Feindschaft mag ein wenig übertrieben sein. Ziehen wir kurz die allwissende Müllhalde zu Rate:

” Der Begriff Feindschaft (etymologisch abgeleitet vom althochdeutschen fiant, vint – Hass) bezeichnet eine soziale Beziehung zwischen zwei oder mehr Individuen oder Gruppen, die durch die Existenz von Feindbildern gekennzeichnet ist. Die beteiligten Akteure werden als Feinde bezeichnet. Die Feindschaft kann aufgrund einer Konkurrenzsituation, einer asymmetrischen Beziehung oder einer mit negativen Emotionen behafteten Beziehungsgeschichte entstehen. Im Gegensatz zum normalen Gegner wird ein Feind auch mit unfairen Mitteln bekämpft.” (Quelle: Wikipedia)

Feindbilder lasse ich ja noch gelten, denn natürlich skizzieren wir uns ein Bild des Gegenübers, dass dieser auch immer wieder und mit affenartiger Sicherheit bestätigt, Konkurrenz sehe ich im Regelfall, zumindest von meiner Seite aus, nicht und Emotionen sind natürlich im Spiel. Über das regelmässig gezeigte Level an Inkompetenz, Unsouveränität und schlicht Blödheit, rege ich mich regelmässig jedesmal auf. Unfaire Mittel? Nein, brauchen wir nicht, denn man will ja nicht Bekämpfen, sondern höchstens Aufklären – aber wie wurde ich gestern belehrt: “Schön Boris, dass Du noch an das Gute im Menschen und den Verstand glaubst, aber bitte wach doch irgendwann mal auf…”

Wovon ich überhaupt spreche? Sorry, Internet mal wieder. Fotografen, Blogger, bloggende Fotografen… Uralt, tausendmal diskutiert, thematisiert und doch immer wieder aktuell. Wenn einem die Fotografie am Herzen liegt, dann schaut man sich eben um, sieht was die Nachbarn treiben, freut sich oder kann sich ereifern.

Alle, die wir uns im Internet tummeln und auf welche Art & Weise auch immer publizieren, müssen uns doch klar darüber sein, dass wir nicht immer auf Zustimmung stossen werden. Meinungsvielfalt eben. Oder auch Wissensvorsprung anderer. Oft gesehen, da wird schlampig recherchiert, möglichst von 2-3 Quellen (und immer ist Wikipedia dabei) zusammengekupfert und stolz in die Welt geblasen und wenn neben den üblichen Klatschkaspern ein wenig Gegenwind kommt ist beleidigte Leberwurst angesagt. Ich werde über die offensichtlich zugrunde gelegte Erwartungshaltung nicht fertig. Wenn man schon so überzeugt von seinem Output ist, kann man doch dafür einstehen und kämpfen? Und auch wenn man sich irrt, ist noch keinem ein Zacken aus der Krone gefallen, wenn man dies eingesteht. Das nenne ich Souveränität (und man darf sich ja trotzdem insgeheim ärgern)!

Die Güte gezeigter Arbeiten. Auch so ein Ding. Ist alles was erfolgreich ist auch gut? Kommt natürlich auf den Betrachtungswinkel an. Bild Zeitung und MacDoof-Essen. Beides wahnsinnig erfolgreich. Beides auch gut? Lässt sich doch schön auf den permanent gezeigten Offenblendenterror und Co., die supidupi-hippe Streetfotopenetration und vergleichbare Foto-”Kunst” übertragen.

Die Frage ist berechtigt, ob ich der Geisterfahrer bin, oder die Tausend, die mir entgegen kommen. Ich bin aber jederzeit und gerne bereit darüber zu diskutieren und zu streiten. Und zum Glück lassen sich Integrität, Argumentationsstärke und Wissen nur sehr bedingt kaufen ;)

Analog und digital

Er ist vollbracht, der Wiedereinstieg in die analoge Fotowelt. Zum Abenteur Filmentwicklung hab ich mich ja bereits geäußert und auch meinen Einstieg ins Mittelformat hinausposaunt, aber jetzt stehe ich vor einem neuen Problem: wie komm’ ich an die Positive?

Die Negative sind entwickelt, geschnitten und lagern sorgfältig umhüllt in ihren Ordnerhüllen. Zum ausgiebigen Betrachten ist das aber ein wenig unbefriedigend. Ich will ja nicht Rätselraten sondern richtige Bilder. Was also tun? Zum Fotofachgeschäft meines Vertrauens und Abzüge ordern? Die Chemiepanscherei gleich richtig aufziehen und selbst für Papierbilder sorgen? Oder ganz zeitgemäß in Hybrid denken und Negative digitalisieren. Schließlich will ich ja im Internet präsentieren.

Ein erster Blick auf das Angebot an Scannern offenbart: ganz billig würde das Vergnügen nicht (was konnte man auch anderes erwarten ;-) ). Neben der Frage, ob ich selber aktiv werde oder einen Dienstleister im Anspruch nehme (das hängt wohl maßgeblich vom zukünftigen Scanvolumen aufgrund analoger Fototätigkeit ab), gilt es bei Anschaffung des notwendigen Stück Hardware zwischen klassischem Flachbettscanner mit Mehrfachverwendungsmöglichkeit und spezialisiertem Filmscanner für optimierte Ergebnisse zu wählen.

Als Flachbettscanner ist wohl ein Typ von Epson recht häufig im Einsatz, mit dem o.g. Charme der Verwendung für 35mm und Mittelformat. Als klassischer 35mm Filmscanner hat sich wohl Nikon, mit einem Gerät namens NikonCoolscan 5000 etabliert.

Wenn ich schon Geld in die Hand nehme, neige ich ja dazu mir etwas halbwegs vernünftiges zu gönnen, um nicht nach 2 Monaten resigniert zu sagen “Hätt ich doch die x-Euro/Franken mehr in die Hand genommen…”. Wobei, 2000,- Euro für ein Nikon Gerät sind mir etwas üppig, zumal ich dann die Mittelformat-Thematik noch nicht gelöst hätte. Ich tu mich ja auch immer schwer mit solch Formulierungen “dem nicht zu anspruchsvollen Nutzer ohne professionelle Ambitionen mit gelegentlicher Nutzung werden Qualität und Geschwindigkeit ausreichen”. Was heißt das denn? Ich hab zwar keine professionellen Ambitionen aber wie definiere ich jetzt meinen Anspruch an die Scanqualität – ich will einfach gute Scans – Basta!

Aufgrund der vorliegenden Testberichte würde ich ggf. zu einem solchen Gerät tendieren, ohne jedoch einen blassen Schimmer zu haben. Das wäre Vertrauen auf Testberichte. Aber welchen Stellenwert wird meine Mittelformatfotografie zukünftig haben und wie äußert sich das mengenmässig?

Ich könnte mal wieder Hilfestellung gebrauchen. Wer bietet Erfahrungswerte? Wer hat Ideen in Sachen Eierlegende-Wollmilchsau für das kleine Budget?