Jakobsweg

Gibt es die fotografische Pilgerfahrt? Die narrensicheren Orte der Inspiration zur höheren fotografischen Erkenntnis?

Blenden wir mal spirituelle Aspekte aus sich auf den Pilgerweg zu begeben: ein wesentlicher Faktor der bleibt, ist vielfach die Abenteuerlust und eine Sehnsucht nach Einfachheit und Ursprünglichkeit. Das klingt schon fast nach einem Rezept für das gute Bild.

Bekanntlich bin ich ja nach wie vor auf der Suche nach meinem Platz in der fotografischen Welt. So habe ich gestern mal wieder in alten Abzügen von mir gekramt, mich an vergangene Zeiten erinnert und gefreut, zeitgleich aber auch den analytischen Blick aufgesetzt und mehrheitlich desaströses Bildwerk entdeckt. Zu viel, zu bunt, zu durcheinander, ohne klare Aussage.

Zugegeben, das Fotografieren mit Konzept betreibe ich noch nicht so lange. Trotzdem passiert mir selbst heute noch, dass ich beim Spaziergang auf die Idee komme, die beste Ehefrau von allen auf Film zu bannen. Das könnte ja so einfach sein. Blende und Belichtung beherrsche ich mittlerweile recht gut, doch dann wächst wieder dieses monströse Astgeweih aus ihrem Kopf. Falsche Position! Sakrament nochmal – Innehalten, Überlegen, Konzentrieren, Auslösen.

Aber kommen wir besser zurück zum guten Bild. Jenseits von Geschichten die erzählt werden, ist der Fotografie die mich begeistert ist im Regelfall die Reduktion gemeinsam. Der Blick aufs Wesentliche. Der Ausschnitt einer Fahrbahn mit Blick auf das dahinter liegende dunkle Meer, unterteilt nur durch eine horizontale Leitplanke. All das als Schwarz-Weiß-Fotografie, bei grellem Sonnenlicht mit harten Kontrasten kann die pure Entzückung bei mir auslösen. Eigentlich nur 3 horizontale, graue Streifen, aber ich spüre die Sonne in meinem Nacken brennen, rieche das Meer und habe den Eindruck von Weite, Abenteuer und Einsamkeit…

Mein Credo daraus? Ich gehe auf Pilgerfahrt. Meine Quellen der Inspiration sind die Werke aktueller und vergangener Fotografen. Ich begeistere mich an Ihrem Können, versuche die Rezepte ihrer Bildwirkung zu verstehen und gebe die Hoffnung nicht auf, den Funken der fotografischen Kunst bei mir irgendwann zu einem lodernen Feuerchen zu entfachen.