Baryt

Die hohe Schule des Papierabzugs sagt man. Ich hab ihn nun vorliegen, meinen ersten Barytprint und bin begeistert. Es gab gleich zwei Premieren. Mit dem kürzlich erworbenen 805er Durst sind nun Negativvergrösserungen im Format 6×7 möglich und wie gesagt, der Einstieg in das Arbeiten mit “klassischem” Fotopapier ist erfolgt.

Der Bildausdruck ist gigantisch, einfach eine andere Welt im Vergleich zu den bislang bekannten PE-Abzügen und natürlich muss ich noch ein wenig üben. Ich bin ja erst am Herumspielen und Probeprinten auf kleinem Format (13×18) und schon hier lauern die ersten Schwierigkeiten: wie bekomme ich einen Baryt-Abzug ordentlich glatt, das Papier neigt nämlich zu ordentlichem Wellenschlag?

Über die meiner eigenen Blödheit geschuldeten Anlaufprobleme decke ich dabei den Mantel des Schweigens. Zum Beispiel über die Tatsache, dass ich die Kartoneinlage über dem eigentlichen Baryt für Probestreifen zurechtgeschnitten und belichtet habe und noch dachte “das ist aber ein dickes Papier”, oder auch die diversen erfolglosen Belichtungsproben mangels Verständnis welches nun die beschichtete Papierseite ist…

Zum Thema Planlage kamen einmal mehr sachdienliche Hinweise vom geschätzten Herrn Vernon Trent, der zugleich Ratschläge in Sachen richtige und ausreichende Wässerung mit auf den Weg gab.

Das Motiv hab ich schon mal gezeigt, also nochmals – hier und jetzt und mit stolz geschwellter Brust auf Baryt:

baryt

Eins Zwei Drei im Sauseschritt

eilt die Zeit wir eilen mit. Bekanntermaßen halte ich ja wenig von dem inflationär genutzten Entschleunigungsbegriff und doch hat die Arbeit in der Dunkelkammer eine meditative Komponente – man vergißt schlicht und ergreifend die Zeit. Um 20.00 Uhr dem Junior einen Gute-Nacht-Kuss aufgedrückt und in den Rotlichtbezirk eine Tür weiter zurückgezogen, wundert man sich bei der Rückkehr warum alles dunkel ist und auch die beste Ehefrau von allen schon schlummert. Ein Blick auf die Uhr verrät es ist 01.00 Uhr morgens und man hat eine sehr überschaubare Ausbeute von 3 halbwegs gelungenen Abzügen.

In den fünf Stunden hat der leidlich begabte Photoshopkünstler bereits eine komplette 16GB Karte mit Fotos aus seinem Digitalboliden verschlimmbessert und der Tintenspritzer schreit nach der zweiten Runde Druckertinte. Effizienzmaßstäbe sind also fehl am Platz. Spaß beiseite, der Weg zum gelungenen Abzug ist ganz schön lang. Was ich elektronisch mal eben mit dem Pinsel in Sachen Nachbelichten oder Abwedeln auf den Bildschirm male, muß ich in der Dunkelkammer erst mit realen Werkzeugen und handwerklichem Geschick bewerkstelligen. Fehler lassen sich nicht per Mausklick korrigieren, sondern sie bedeuten zurück auf Los und das Ergebnis sehe ich sowieso erst nach geschlagenen 5-6 Minuten Chemiegepansche. Und was ist man verwöhnt! Wo man digital auf die Schnelle mal eben korrigiert, ist die Welt aus Licht, Papier und Chemie doch gnadenlos. Stichwort Staub: was hab ich gelernt ihn zu hassen.

Ich habe mittlerweile ja einen Quantensprung hingelegt, was die Sauberkeit meiner Negative angeht. Aber da sind noch Trägerbühnen vom Vergrösserer, die permanent irgendwelche Partikel oder Fettschlieren anziehen. Arbeitet man mit Vergrösserungskassetten samt Glasdeckel (meine bevorzugte Variante) gibt es dort ebenfalls nochmals eine Fläche, die sauberzuhalten ist und hat man all das schließlich einigermaßen geputzt, zieht man einen Abzug aus der Wanne, der sich mit einem Newtonring schmückt, obwohl die Negativbühne doch mit Anti-Newton-Glas ausgestattet sein soll. Verzweiflung pur!

Also das obere Glas entfernen, sich mangels Alternative aus Fotokarton einen Rahmen zum Negativfixieren basteln, und schließlich sieht man dann das finale Bild langsam in der Entwicklerwanne erscheinen und ist wieder mit der Welt versöhnt. Es mag das Privileg des Hobbyfotografen sein, in Zeiten von Photoshop & Co und hervorragenden Tintendruckern, sich mit dem unwirtschaftlichen und langwierigen Prozess der Dunkelkammerentwicklung zu beschäftigen. Der Spaß- und Stolzfaktor ist auf jeden Fall sensationell und sehr zu Empfehlen!