Das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten. Im Falle von Moers Fortsetzungsroman “Das Labyrinth der Träumenden Bücher”, muss sich die “Stadt der träumenden Bücher” keinerlei Gedanken machen. Sie bleibt unangefochten an der Spitze.
Tatsächlich lässt mich das neueste Machwerk etwas ratlos zurück. War ich von den ersten Seiten noch begeistert, weil mich die Stimmung der Mythenmetzschen Geschichten sofort wieder gefangen nahm, habe ich mit jeder weiteren Seite die Story vermisst und sie bleibt bis zum Schluß nicht existent. Moers fabuliert in bekannter Manier vor sich hin, was streckenweise dann etwas anstrengend wenn nicht langweilig wird. Man wird das Gefühl nicht los, die zeilenweise Aneinanderreihung diverser Eigennamen der Bewohnerwelt von Buchhaim oder ähnliche Aufzählungen dienen einzig und alleine dem Zweck Seiten zu füllen. Ob jetzt geschickte Entlehnung oder einfach nur wilde Buchstabenwürfelei – “Herles-Olmshock”-Romane klingen mir zu sehr nach Sherlock Holmes Romanen und damit entzaubert Moers seine fabulierenden Fähigkeiten. Da wird dann auch an anderer Stelle mutig aus Beethovens neunter “Ode an die Freude” zitiert – “Freude schöner Labyrinthe, Bücher im Elysium”…Naja.
Der Höhepunkt der Frechheit oder auch Langeweile stellt sich ein, wenn im Rahmen der Vorstellung des “Puppaecircus Maximus” quasi nochmals die Geschichte der Stadt der träumenden Bücher nacherzählt wird. Das darf man getrost als Dreist bezeichnen. Vollkommen unnötig auch die “Puppetistischen Notizen” über 29 Seiten. Lückenfüller. Die Bemerkung im Buch der eilige Leser dürfe sie überspringen, denn sie sind in der Form für das Verständnis der Handlung nicht wichtig, soll wohl witzig sein, oder wird hier gleicht entschuldigend die Schwäche des Romans eingestanden?
Richtig ärgerlich wird es dann zum Schluß. Die Geschichte nimmt endlich Fahrt auf, ein altbekannter Name, nämlich ein Protagonist namens Smeik taucht wieder auf. Der erneute Abstieg in die Katakomben macht den Mund wässrig denn jetzt entspinnt sich ein Handlungsstrang und…. beendet das Buch. Fortsetzung in Teil zwei. Was bitte soll das?
Fazit: die Geschichte hätte so viel Potential gehabt. Der Puppettismus ist eine interessante Idee, mit der man einiges Anfangen kann. Die Librinauten sind möglicherweise ja auch Puppen. Wer steckt dahinter und wieso? Kann ein Smeik wirklich gut sein? Ich bin etwas enttäuscht werde mir den zweiten Teil dann aber trotzdem zulegen. Dafür haben die letzten Seiten zu viel versprochen.


