Ritter des Lichtes

Es tut gut zu einer Elite zu gehören. Mein Name ist Boris von und zu Illuminate, Herrscher über den Dunkelsack, Großmeister der Entwicklersuppe.

Tatsächlich beschäftigt sich das Proletariat noch immer mit der digitalen Erzeugung sogenannter “Bilder” und nennt das in einem Anfall von Größenwahn auch noch Fotografie. Unglaublich, als ob wir nicht schon immer wußten, dass es nur eine Fotografie gibt und immer geben wird. Daran ändert auch die perfide Strategie nichs, ehemalige Analogfotografen als Bannerträger des neuen digitalen Mediums zu nutzen und sie verräterischen Lobeshymnen auf Bits und Bytes singen zu lassen. Nachweislich handelt es sich bei dieser Personengruppe mehrheitlich um Mitglieder niederer Adelsränge, eingeheiratete Pseudostände mit vielfach bürgerlichem Hintergrund.

Da wir, die Ritter des Lichts, die Beschützer von Emulsion und Trägermaterial, unseren Bildungs- und Aufklärungsauftrag nach wie vor ernst nehmen und die Erhellung des einfacher strukturierten Digitalvolkes im wahrsten Wortsinne als Entwicklungshilfe verstehen, lassen wir uns unter größter Überwindung dazu herab, unser göttliches Bildwerk ebenfalls zu digitalisieren und dem Volk als Anschauungsmaterial zur Verfügung zu stellen. Aufrührerische Randgruppierungen nehmen dies zum Anlaß anstatt in gebotener Anbetung, in unangemessene Kritik zu verfallen, ohne überhaupt intellektuell dazu im Stande zu sein, die Größe und Bedeutung unseres Werkes auch nur im Ansatz erfassen zu können.

Obgleich uns solch schnöde Anfeindungen nur peripher tangieren, sollte das nächste Konzil der elitären Filmfotografen eine Entscheidung hinsichtlich zukünftiger Gunstbezeugungen an das bürgerliche Bildvolk treffen. Entzug der Zuwendung und krepieren lassen im grellbunten Klickibuntikitsch, oder weiterhin gnädiges Gewähren und teilhaben lassen an unserer überragenden Kunst.

BPaM

Die Bundesprüfstelle für augengefährdende Medien (BPaM), insbesondere fotografischen Ursprungs hat nach gesetzlichem Auftrag folgende Aufgaben:

- auf Antrag von Beauftragten des sicheren und guten Geschmacks, augengefährdenden Medien (insbesondere fotografischen Ursprungs) strafbewehrten Verboten zu unterwerfen, damit sie nur noch Leidensfähigen oder Geschmacksverirrten, nicht aber Normalsterblichen und vor allem Kindern zugänglich sind.
- Förderung geschmacks- und ästhetikorientierter Medienerziehung.
- Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Probleme schwerer Augenirritationen, landläufig auch “Augenkrebs” bezeichnet.

Nach § 1 Absatz 1 AuSchG bedeutet augengefährdend, dass „die Entwicklung der Bevölkerung zu einer geschmacksicheren und stilfähigen Persönlichkeit” in Gefahr ist.

Nach § 1 Absatz 2 AuSchG unterliegen bestimmte Medieninhalte wegen ihrer offensichtlichen Augengefährdung schon Kraft Gesetzes einer beschränkten Verbreitung, ohne dass es einer Aufnahme in die Liste der augengefährdenden Schriften bedürfte. Dazu zählen zum Beispiel

- die nach dem FoGB verbotenen Inhalte wie HDR, HDRi, Anleitung zu Colorkey, Verharmlosung oder Verherrlichung der Abbildungen von Raps- und Mohnblumenfeldern
- Fotografische Medien, die die Existenz von Unschärfe leugnen, aber auch Unschärfe in übertriebener Weise darstellen
- Menschen, insbesondere Frauen in unnatürlicher, faltengebügelter Weise darstellen.

Die BPaM prüft auf Antrag eines Geschmacksbeauftragten oder auf Anregung eines anerkannten Trägers der freien Stilhilfe, ob eine Bild, Foto, Abzug, Print oder ein anderes Medium augengefährdende Inhalte hat. Im Falle von Anträgen wird immer geprüft, bei Anregungen liegt es im Ermessen der Prüfstelle, ob sie tätig wird. Andere als die gesetzlich vorgesehenen staatlichen Stellen dürfen keine Anträge stellen.

Ergänzend ist zu sagen, dass man jederzeit auch als Privatperson tätig werden kann, wenn man zum Beispiel Internetseiten von sehr fragwürdigem Inhalt vor sich hat. In diesem Falle kann man sich direkt an seinen jeweiligen Geschmacksbeauftragten wenden, damit dieser den Fall prüft.

Die BPaM hat zum Glück Zumutbarkeitskriterien für das öffentliche Zurschaustellen lichtbildnerischen Werks entwickelt, über die wir uns dann bei nächter Gelegenheit unterhalten ;)