Da muss man sich nicht wundern

In Ermangelung vorrätiger Planfilmkassetten dachte ich mir, gehe doch mal heute in den ortsansässigen Fotofachhandel und frage was die Neuanschaffung einer 4×5 Kassette denn so kostet.

Die blonde, vermutliche Auszubildende, streicht bei meinem vorgebrachten Wunsch “Guten Tag, ich bin auf der Suche nach Planfilmkassetten im Format 4×5 inch, haben Sie sowas da?” sofort die Segel, stammelt ein “Moment, da muss ich fragen” und verschwindet im Hinterzimmer, um alsbald mit einer wohl erfahreneren Fotofachhandelverkaufskraft im Schlepptau wieder zu erscheinen. Jene Dame steuert zielsicher auf die spärlichen 2 Regalreihen Kleinbildfilme zu, kann wohl nirgendwo Planfilm lesen und fragt mich schließlich “ähh, Entschuldigung, aber wofür brauchen sie das?”.

Ich beginne mich zu amüsieren und wiederhole nochmals ganz langsam meinen Wunsch nach einer Planfilmkassette und ergänze mit der Information “für eine Grossformatkamera, Planfilm sagt Ihnen doch was?”. Ergebnis ist wiederum ein “Moment bitte” und einige Minuten später beglückt mich die nächste Verkaufskraft. Die hat zumindest wohl schon mal etwas von Planfilm gehört versichert mit aber ganz schnell, sowas hätten sie gar nicht da uns sie wäre sehr unsicher, ob sowas überhaupt noch lieferbar wäre… Aha, jetzt will ichs natürlich wissen, hinterlasse meine Telefonnummer und bitte um Preis- und Verfügbarkeitsrecherche.

Den Anruf bekomme ich schließlich auch und jetzt kümmert sich der Chef persönlich um die Angelegenheit. Da ich immer noch in der Nähe bin schaue ich nochmals vorbei, der Chef kommt leicht schwitzend auf mich zu und fragt “Für welche Kamera brauchen Sie das denn?”. Von einer Graflex hat er noch nie gehört, als ich von internationalem Rückteil und universeller Einsetzbarkeit spreche ernte ich verständnislose Blicke. Der Typ ist anscheinend genervt und fragt mich schließlich was das Teil denn kosten dürfe. Ich versuche ihm zu erläutern, dass ich eigentlich von ihm eine Preisaussage erwarte, das zieht aber nicht. “Ja wie viele brauchen Sie denn?” “Guter Mann, das kommt darauf an, was die Teile kosten sollen” Er faselt von Mindestbestellwerten von 1000,- Franken (wie bitte???) sonst müssten sie ja soviel Mindermengenzuschlag zahlen… (Halllooooo, frag doch bitte erst mal an, ob du die Dinger bekommst und was sie kosten, danach kann man doch immer noch über Mengen oder was der Geier sprechen…) und will jetzt nochmals auf Recherche gehen. Vielleicht hätte man sowas ja auch auf Lager, das wüsste er nicht, früher hätte man sowas ja gehabt…

Noch immer nicht schlauer und auf einen weiteren Anruf wartend verlasse ich einen sogenannten Fotofachhandel mit fast hundertjähriger Firmengeschichte. Das ist sicherlich nicht symptomatisch für den gesamten Fachhandel, aber unter dem Eindruck dieses Elebnisses wundert mich nicht mehr, dass der heutige Fotofachhandel über die virtuelle Ladentheke läuft. Hier stellt man per Twitter eine kurze Frage und erhält Minuten später einen kompetenten Beratungsanruf. Schön, dass es das gibt, schade, dass mancher Fachhandel den Namen nicht verdient und neben üppigen Preise primär mit Beratungsinkompetenz glänzt.