Ernüchterung

Man hat ja schließlich einen Workshop besucht, fulminante Abwedel- und Nachbelichtungswerkzeuge gebaut, da steht dem Erfolg in der heimischen Dunkelkammer ja Nichts im Wege. Denkste.

Später Nachmittag, illuminate allein zu Hause – Redlight District ich komme. Gut, ich muß in den ungeheizten Keller, aber Klamotten hab ich genug und Plattenwärmer für die Entwicklungsschalen sind auch am Start. Die Negative hab ich schon am Abend vorher gesichtet, ich weiß also was ich vergrössern möchte, und los geht’s.

Negativbühne reinigen und Negative abwischen, so hab ich das gelernt, den antistatischen Pinsel hab ich noch nicht, aber es wird auch so gehen. Teststreifen belichtet, ab in die Entwicklersuppe… hmmm, das dauert aber ziemlich lange. Der Entwickler war jetzt wohl doch etwas zu lange gelagert. Ein schlappes Jahr vielleicht? Aber nicht verzagen, der ist ja schnell neu gemischt. Das Fixbad musste auch neu gerührt werden, denn dummerweise war die Entwicklungswanne irgendwie staubig und beim Eingiessen sind dann nette Flöckchen drin rumgeschwommen. Also nochmal von vorne…

Hölla die Waldfee, der wird jetzt aber knackig schwarz, der Teststreifen. War wohl etwas zuviel des Guten. Ah, Belichtungsobjektiv auf 5.6, das machen wir dann doch mal ein wenig dicht…

Zig Versuche, einige Teststreifen und Papiersorten später hab ich mit Müh und Not 2 halbwegs passable Abzüge zu Papier gebracht. Was ich dabei gelernt habe:
- ich war bislang ein Dreckspatz mit meinen Negativen (Staub, Kratzer, Fingerabdrücke), das rächt sich beim Vergrössern ungemein.
- Entwicklungsfehler die sich in gelben Streifen äussern (meine Tigerentennegative, man erinnere sich) kann man in Photoshop lässig rausfiltern, im Labor ist das nicht so easy
- Papierabzüge sehen einfach geil aus
- ich muss weiter üben und mehr Sorgfalt walten lassen
- ich muss neues Papier bestellen

Das Bochumer Rotlichtviertel

habe ich zusammen mit 2 Mitstreitern am vergangenen Wochenende besucht. Gastgeber war Thomas Solecki mit seinem Dunkelkammer-Workshop.

In der DuKa belichtet hatte ich ja schon, war aber über simples Negativ einlegen, Fotopapier belichten und anschließendes Entwickeln nicht hinaus gekommen. Begriffe wie “Nachbelichten” und “Abwedeln” kannte ich zwar, wusste auch was sie bedeuten und habe sie schon mehrfach in Photoshop angewendet, den virtuellen Pinsel zu schwingen hat aber nun mal eine ganz andere Qualität, als tatsächlich am Vergrösserer zu stehen, den Probeabzug zu beurteilen, die Bearbeitungszonen zu identifizieren, die richtige Zeit einzuschätzen, das Werkzeug überhaupt richtig halten zu können, Filter und Vergrösserer zu bedienen, etc.

Und all das ohne “Arbeitsschritt rückgängig machen”-Taste. Eine echte Herausforderung!

Thomas hat das prima gemacht. Jeder Kandidat hatte sein eigenes Negativ mitgebracht, wir konnten das Bild gemeinsam beurteilen und Thomas spielte jeweils Vorturner für den ersten Abzug. Danach wurde selber Hand angelegt. Dabei war Gelegenheit dem aktuell Arbeitendem immer über die Schulter zu schauen, bevor man selbst an der Reihe war.

Prinzipiell ist ja das Abwedeln und Nachbelichten eine vergleichsweise einfache Angelegenheit. Aber ohne entsprechende Übung ist zu Beginn auf alle Fälle mit einer Menge Ausschuß oder eben zu hart sichtbaren Korrekturspuren zu rechnen. Es ist nunmal ein Handwerk und noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Ich kann allen, die sich dafür interessieren, einen entsprechenden Workshop nur ans Herz legen. Ich persönlich bin wieder einen Schritt weiter gekommen, kann auf dem Erlernten aufbauen und mein handwerkliches Geschick nun weiter in der heimischen Dunkelkammer schulen.