Lieblinge

Lieblingsmenschen, Lieblingskameras, Lieblingsfilme, Lieblingsfeinde… Ja, wir haben sie unsere Lieblinge.

Wobei Feindschaft mag ein wenig übertrieben sein. Ziehen wir kurz die allwissende Müllhalde zu Rate:

” Der Begriff Feindschaft (etymologisch abgeleitet vom althochdeutschen fiant, vint – Hass) bezeichnet eine soziale Beziehung zwischen zwei oder mehr Individuen oder Gruppen, die durch die Existenz von Feindbildern gekennzeichnet ist. Die beteiligten Akteure werden als Feinde bezeichnet. Die Feindschaft kann aufgrund einer Konkurrenzsituation, einer asymmetrischen Beziehung oder einer mit negativen Emotionen behafteten Beziehungsgeschichte entstehen. Im Gegensatz zum normalen Gegner wird ein Feind auch mit unfairen Mitteln bekämpft.” (Quelle: Wikipedia)

Feindbilder lasse ich ja noch gelten, denn natürlich skizzieren wir uns ein Bild des Gegenübers, dass dieser auch immer wieder und mit affenartiger Sicherheit bestätigt, Konkurrenz sehe ich im Regelfall, zumindest von meiner Seite aus, nicht und Emotionen sind natürlich im Spiel. Über das regelmässig gezeigte Level an Inkompetenz, Unsouveränität und schlicht Blödheit, rege ich mich regelmässig jedesmal auf. Unfaire Mittel? Nein, brauchen wir nicht, denn man will ja nicht Bekämpfen, sondern höchstens Aufklären – aber wie wurde ich gestern belehrt: “Schön Boris, dass Du noch an das Gute im Menschen und den Verstand glaubst, aber bitte wach doch irgendwann mal auf…”

Wovon ich überhaupt spreche? Sorry, Internet mal wieder. Fotografen, Blogger, bloggende Fotografen… Uralt, tausendmal diskutiert, thematisiert und doch immer wieder aktuell. Wenn einem die Fotografie am Herzen liegt, dann schaut man sich eben um, sieht was die Nachbarn treiben, freut sich oder kann sich ereifern.

Alle, die wir uns im Internet tummeln und auf welche Art & Weise auch immer publizieren, müssen uns doch klar darüber sein, dass wir nicht immer auf Zustimmung stossen werden. Meinungsvielfalt eben. Oder auch Wissensvorsprung anderer. Oft gesehen, da wird schlampig recherchiert, möglichst von 2-3 Quellen (und immer ist Wikipedia dabei) zusammengekupfert und stolz in die Welt geblasen und wenn neben den üblichen Klatschkaspern ein wenig Gegenwind kommt ist beleidigte Leberwurst angesagt. Ich werde über die offensichtlich zugrunde gelegte Erwartungshaltung nicht fertig. Wenn man schon so überzeugt von seinem Output ist, kann man doch dafür einstehen und kämpfen? Und auch wenn man sich irrt, ist noch keinem ein Zacken aus der Krone gefallen, wenn man dies eingesteht. Das nenne ich Souveränität (und man darf sich ja trotzdem insgeheim ärgern)!

Die Güte gezeigter Arbeiten. Auch so ein Ding. Ist alles was erfolgreich ist auch gut? Kommt natürlich auf den Betrachtungswinkel an. Bild Zeitung und MacDoof-Essen. Beides wahnsinnig erfolgreich. Beides auch gut? Lässt sich doch schön auf den permanent gezeigten Offenblendenterror und Co., die supidupi-hippe Streetfotopenetration und vergleichbare Foto-”Kunst” übertragen.

Die Frage ist berechtigt, ob ich der Geisterfahrer bin, oder die Tausend, die mir entgegen kommen. Ich bin aber jederzeit und gerne bereit darüber zu diskutieren und zu streiten. Und zum Glück lassen sich Integrität, Argumentationsstärke und Wissen nur sehr bedingt kaufen ;)

Wenn Worte Deine Sprache sind

Singt das nicht dieser Jammerbarde so ähnlich? Zugegeben, er hat eine sensationelle Stimme, aber irgendwie ist es dann doch eher Mädchenmusik, ach ja, falsches Thema.

Kritik. Von und über Kritik wird ja ständig geschrieben. Also die einen, die jammern sie möchten doch endlich mal ehrlich Kritik bekommen, die Unisono-Aussage, dass auf den bekannten Plattformen ja eh nur Jubelperser unterwegs sind, das Gemeinschaftsmokieren über die gängigen “awesone”, “nice” etc. Kommentare, die Aufklärer, die sagen es gibt ja nicht nur negative sondern auch positive Kritik, und so weiter und so fort.

Wir haben die letzten 2 Wochen ein ganz interessantes Experiment auf G+ gehabt, genau diese total uncoole Sache, bei der gerade wieder alle abspringen, und zwar wurde einem ausgewählten Kreis ein Bild vorgestellt. Einfach so. Und man konnte was dazu sagen. Bekanntermassen ist es ja einfacher zu meckern als zu loben, aber das war ja gar nicht nötig. Es waren gute Bilder, nicht alle auf den ersten Blick gefällig und keine Massenware, aber gut. Von daher war das mit negativer Kritik eh nicht so drin, aber während die Urheber einiges über ihre Bilder und ihre Wirkung gelernt haben, war mein Aha-Erlebnis ganz anderer Natur. Obwohl ich mich für einen sachlichen und analytischen Menschen halte und im Berufsleben auch so wahrgenommen werde, stellt es für mich eine erheblich Hürde dar, meine Empfindungen bei einem Bild in die richtigen Worte zu fassen. Also warum gefällt es mir, oder warum nicht, wie wirkt es auf mich und warum wirkt es so auf mich. Gaaaaaanz schwierig. Da bin ich total Bauchmensch und muss mich richtig anstrengen, um die richtigen Worte zu finden. Hinzu kommt, dass Eindrücke sich bei mehrmaliger Betrachtung verändern, dass ich Dinge erst erkenne, wenn ich z.B. über die Aussagen anderer Betrachter nachdenke.

Wahnsinnig spannende Kiste. Ich dachte bislang immer ziemlich gut mit Worten umgehen zu können, auch ohne lange Nachdenken zu müssen. Hier bekomme ich meine Grenzen aufgezeigt. Ich hoffe wir spielen das noch eine Weile. Für mich ist das eine tolle Übung, und ich lerne nicht nur über die Fotografie, sondern auch eine Menge über mich.

Hm, beim nochmaligen Durchlesen frage ich mich gerade, ob ich hier einen Widerspruch beschreibe, der keiner ist. Kann man sachlich an Empfindungen rangehen? Eigentlich ja, ich bin ja Mann, wir machen das ständig…

Masterclass

Für die meisten von Euch höchstwahrscheinlich ein alter Hut, bin ich heute in der Mediathek über die Arte Sendereihe “Toscanis Masterclass” gestossen und habe mir die drei zur Verfügung stehenden Episoden angesehen.

Ich wurde mal wieder zum Nachdenken angeregt. Toscani dürfte den meisten ja ein Begriff aufgrund seiner provokativen und direkten Bilder zu Werbekampagnen eines bekannten Kleidungskonzerns sein – zumindest war das bei mir so. Was also ist von einem solchen Mann zu erwarten, wenn er 5 fotografische Nachwuchstalente zu einer Masterclass versammelt? Nun, es gilt Aufgaben aus dem Alltag eines Fotografen zu bewältigen und sie durch den Meister bewerten zu lassen. Daneben erzählt und lehrt Toscani, stellt Thesen auf, provoziert und zettelt Diskussionen an.

Ich möchte bei den Thesen bleiben, von denen mich insbesondere zwei beschäftigen. Zunächst wäre da die Aussage: ein Fotograf oder Künstler muss sich permanent in Frage stellen. Nicht wirklich überraschend. Das ist in anderen Worten nichts anderes als das auch schon oft gehörte “die Komfortzone verlassen”, den Horizont erweitern, mutig sein, ausgetretene Pfade verlassen, usw. Ich bilde mir ein, genau das immer wieder zu tun, aber ist das genug? Natürlich probiere ich immer wieder aus, experimentiere eine Menge, aber meine Experimente sind oft technischer Natur, beschäftigen sich mit Verarbeitungstechniken o.ä. Bildtechnisch bleibe ich gerne bei “meinem” Genre und seinen Variationen. Auf fremden Pfaden wandle ich eher selten und die Ergebnisse bleiben der Öffentlichkeit regelmässig verborgen, obwohl ich durch die Diskussion und Kritik lernen könnte. Letztlich bin ich auch schon so weit wie die vielen von mir kritisierten Glatt- und Buntbügler.Ich glaube wohl einen imaginären Ruf zu verlieren, wenn die Quote meiner nicht so tollen Bilder zu groß wird. Ich weiß natürlich, dass nicht alle meine Fotografien super sind, aber ich habe ein extrem sicheres Gefühl dafür, welche Bilder gefallen und Applaus bekommen und genau die zeige ich. Immer wieder. Komfortzone – also doch!

Die Erkenntnis ist da, aber die Lösung nicht. Denn hier ist – zumindest aus meiner heutigen Sicht, die Grenze der Online-Welt erreicht. Es funktioniert nicht. Nicht für mich. Denn um Kritik aushalten zu können braucht man /ich Vertrauen. Und man braucht das Gespräch, von mir aus den Streit darüber. Aber nicht aus der Distanz. Nicht in wohlabgewägten Worten. Direkt, emotional, laut und spontan. Ohne nachlesen zu können, was wurde 10 Minuten vorher geäußert und ohne Killerphrasen à la “das liegt immer im Auge des Betrachters” oder “über Geschmack lässt sich nicht streiten”. Aber eben nicht von irgendeinem dahergelaufenen Datenblattonanisten, sondern von jemanden, den ich Ernst nehmen kann.

Das Prinzip Mentor und Schüler ist also gefragt. Alt und bewährt, aber wo gibt’s das heute noch? Wo sind die Meisterklassen für die Normalsterblichen? Wo sind die Künstlerkommunen, die sich gegenseitig mit Inspiration hochschaukeln? Ich kenne sie nicht.

Ich könnte hier noch weiter fabulieren, aber da war ja noch die zweite These. Eine gute Fotografie hat immer mit dem Menschen zu tun oder lässt sich auf ihn beziehen. So oder so ähnlich hat er das gesagt. Ist das so? Wo ist der Faktor Mensch bei Ansel Adams so berühmten Landschaftsaufnahmen? Oder hab ich das einfach nur falsch verstanden?

Keine Frage, der Mensch ist eines der stärksten, dankbarsten und ein endloses Motiv. Die berühmte Geschichte erzähle ich, wenn der Faktor Mensch da ist, denn andere Geschichten interessieren uns im Endeffekt nicht. Soweit klar. Trotzdem bleibe ich hier, ob der Bestimmtheit und Endgültigkeit der Aussage, ein Stück ratlos zurück. Meinungen?

Bei aller Grübelei habe ich auch mal wieder was gelernt. Nichts Neues, aber manche Dinge muss man ja immer wieder vor Augen geführt bekommen. Reduktion. Reduktion. Reduktion. Wie lautet die Bildaussage? Reduziere darauf und verzichte auf unnötiges Beiwerk. So einfach und doch so schwer…

Statuswechsel

Bemerkte ich nicht jüngst voller Stolz, dass es mir schon seit längerer Zeit nicht mehr den Schnuller rausgehauen hätte? Man nehme hiermit meinen Statuswechsel zur Kenntnis.

Dass ehrliches Feedback zwar auf der Wunschliste der Fotografierenden ganz oben steht, aber ein herausragendes Beispiel für Selbstverarschung ist, wurde ja schon mehrfach thematisiert. Die immer öfter anzutreffende Aufforderung auf Blogs zur Abgabe “netter Kommentare” ist zumindest ein Indikator worum es eigentlich geht. Das sind dann öfters mal die Herrschaften, die schon ein Erwähnen ihres Namens ohne verbundenes Superlativ als Majestätsbeleidigung verstehen, selbst aber munter ihre virtuellen Seilschaften aktivieren, um mal bisserl entspannte Hetze gegen andere Fotografierende nach links und rechts zu betreiben. Auch gerne genommen, die Selbstanpreisung als Rund-um-sorglos-Kümmerer mit ausschließlichem Kundenfokus, der munter auf Twitter&Co. seine abgelehnten Kundenanfragen breit tritt. So schafft man Vertrauen. Clever!

Ach ja, und wer hat eigentlich das Märchen aufgebracht, dass jedes gottverdammte Foto eine Geschichte erzählen muß? Das neue “gut gesehen” lautet: “das Foto ist gut, weil es eine Geschichte erzählt”.
“Ach ja, na sag mal, welche denn?”
“Kann ich dir nicht erklären, das verstehste nicht…”.
Super!

Ich hab mich ja schon mehrfach als grosser Fan von Authentizität geoutet. Wenn das was ich da so tagtäglich zu sehen bekomme tatsächlich authentisch ist, bin ich froh die meisten nur virtuell zu erleben. Wenn man den Schaum nur fest genug schlägt wird er steif und man schwimmt bzw. dann wohl steht immer oben? Wunschgedanken liebe Freunde, Wunschgedanken!

Ommmmmm

Der erste schöne Sommertag seit Wochen. Ich sitze zufrieden lächelnd auf meinem Balkon. Meine Zufriedenheit gilt nicht der Wärme, den Sonnenstrahlen oder der Bergkulisse, die ich am Horizont sehe. Ich fühle das, was esoterisch angehauchte Menschen wohl als geerdet bezeichnen würden.

Zwei wunderbare Tage voller Ausprobieren, Erfolgen und Rückschlägen. Herrlich. Vandyke hat mich gefordert, ich habe die Herausforderung angenommen und die ersten Hürden mit Erfolg genommen. Ein grossartiges Gefühl. Was kümmert mich da das Rumgeflenne wenn ich mal wieder ein paar Spitzen in die Blogosphere abgebe? Ich fühlt Euch berufen zu fotografieren und ich finde Eure Ergebnisse bescheiden? So what? Ihr habt Kunden die für Eure Machwerke Geld bezahlen? Glückwunsch – ich finde sie trotzdem nicht gut. Ich mag auch kein Fast Food und das ist trotzdem der globale Nahrungsdauerbrenner, mit jährlich beeindruckenden Wachstumsraten, die den Anbietern permanent steigende Aktienkurse bescheren.

Ich sinniere schmunzelnd über die armen Geister, die nach wie vor nach einfachen Erfolgsrezepten für gute Fotografie fragen, die sich ertappt fühlen, wenn man das Kind beim Namen nennt, die ihre Unsicherheit versuchen zu kaschieren, indem sie sich gegenseitig über ihre Netzwerke hochloben. Minus mal Minus gibt Plus?

Welche Kamera, welche Linse, welche Nachbearbeitung, so oft gefragt mit so wenig Erfolg. Versteht doch endlich, dass man nur lernt und versteht was man sich erarbeitet hat. Blut, Schweiss und Tränen – so funktioniert das. Und zum Schluss sind es dann Freudentränen über das gelungene Bild.