Es gibt so Tage

Da ist man eigentlich recht zufrieden mit seinen fotografischen Aktivitäten. Grobe Belichtungsfehler gehören nunmehr eher zur Seltenheit, kompositorische Kapitalschnitzer wie Zweige, Masten o.ä., die aus einem porträtierten Kopf wachsen, lassen sich vermeiden und auch die Filmentwicklung stellt im Regelfall keine grössere Hürde mehr dar. Die rechte Gehirnhälfte funkt genügend kreative Impulse und an Bildideen herrscht kein Mangel. Auch bei unmöglichen Temperaturen und Lichtverhältnissen gibt es genügend Möglichkeiten sich mit dem schönsten Hobby der Welt zu beschäftigen, wer nicht fotografiert, holt sich Input aus der langen Regalreihe hervorrgender Fotografiebildbände, taucht in die Geheimnisse des Edeldrucks ein, oder, oder, oder…

Ich besinne mich gestern abend also auf das gute alte Internet und seine diversen Videoplattformen. Gefüttert wird mit Suchbegriffen – natürlich zum Thema Fotografie – und ruck-zuck sind zwei Stunden vorbei. Neue Namen, Neugierde geweckt, kurze Recherche, Portfolioseiten, tja und dann sieht man mal wieder wie viel man noch lernen muss. Der Aha-Moment wo Dir Deine bisherigen Machwerke klein vorkommen, weil du perfekte Bilder und perfektes Handwerk siehst. Na nutzt es auch nichts sich damit zu beruhigen, dass Zone IV überbewertet wird, denn der Mensch, dessen Bilder Dich gerade plätten, zaubert die mal ebenso hervor. Von tiefschwarz bis strahlen weiß, alles da in geradezu unwirklicher Harmonie und Ausgewogenheit.

Es gibt so Tage, da wirst Du also wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Dein unerschütterliches Selbstbewußtsein bekommt einen dezenten Tritt in den Allerwertesten, der Dich weder straucheln noch in den Abgrund der Selbstzermarterung fallen lässt, sondern erneuter Ansporn ist noch mehr zu lernen, noch mehr zu verstehen, noch besser zu werden…

Zumindest bei mir funktioniert das so!

Evolution

Es ist schon viel über fotografische Krisen gesprochen bzw. geschrieben worden. Ich würde nicht meinen mich aktuell in einer solchen zu befinden, vielmehr warte ich gerade auf den nächsten fotografischen Evolutionssprung.

Wenn ich mit mein Bildwerk auf der Zeitreihe betrachte kann ich sehr wohl eine Entwicklung feststellen. Natürlich habe ich immer wieder den einen oder anderen Fehlgriff getan, keine Frage, im grossen und ganzen würde ich aber behaupten mich immer wieder verbessert zu haben.

Waren vor einem oder zwei Jahren diese Evolutionssprünge noch spürbarer und in kürzeren Abständen, so lassen sie heute verdammt lange auf sich warten. Oder hat sich die Wahrnehmung verändert bzw. ist es nur die Frage, dass man im Nachhinein immer klüger ist? Ich weiss es nicht.

Nach wie vor liebe ich es ja, durch Bildbände zu stöbern und die grossartigen Fotografien mehr oder weniger bekannter Künstler zu betrachten. Dabei weiss ich selbstverständlich, dass dies oft nur der Extrakt von 1000 oder mehr Versuchen ist und die Reduktion auf die absolut besten Ergebnisse. Trotzdem kann ich mich oft genug nicht gegen das aufkeimende Gefühl des Unerreichbaren wehren, gegen den Eindruck nur eine mickrige Flamme gegenüber einem fotografischen Leuchtfeuer von Könnern zu sein.

Ich denke Selbstzweifel sind erlaubt und eine Begleiterscheinung, die alle Kreativen, nennen sie selbst sich nun Künstler oder nicht, kennen. Wie heisst es so schön, der Fortschritt ist nicht aufzuhalten, man muss ihm nur genug Zeit geben.

Heisse Träume, kalte Füsse

Ich wurde nominiert. Zwei mal wenn ich es richtig gesehen habe. Genannt bei der ein Herz für Blogs Aktion. Seid für die freundliche Erwähnung herzlichst bedankt. Da ich sinngemäß als “klein, fein und puristisch mit autobiographischen Zügen” beschrieben wurde, möchte ich Euch folgende, mir gänzlich eigene Gedanken, nicht vorenthalten:

Mal abseits von der Definition Künstler, Fotograf oder was auch immer. Als Fotografierende (über das Wort werde ich ja nicht fertig, aber das ist eine andere Geschichte…) sind wir kreative Menschen. Nein, ich will an dieser Stelle auch keine Wortklauberei und Wikipedia-Zitate was Kreativität bedeutet und ob Mainstream-Fotografierende kreativ sind oder nicht. Das ist grad völlig egal. Interessant ist doch, dass sich der Ideenspeicher stetig füllt, man sich allenorts inspirieren lässt und mehr und mehr den Drang verspürt etwas zu schaffen. Man wird tatsächlich zum Getriebenen. Ich z.B. könnte schier verrückt werden, wenn ich auf die richtige Gelegenheit, die Verfügbarkeit des Models o.ä. warten muss und sich die Gelegenheit für die aktuelle Lieblingsbildidee einfach nicht bietet. Dazu kommt: man kann das einem Nicht- Besessenen einfach nicht erklären. Pures familiäres Konfliktpotential.

Jaja, ich hab Feininger zitiert und weiß um das Privileg des Amateurs – trotzdem kann sich beim mir denkbar schlechte Laune einstellen, wenn ich kein Ventil für meine Fotografie finde. Ich erwische mich dabei, dass in diesem Momenten oft mein Sohnemann als Ersatzmotiv herhalten muss, wobei er natürlich ein herzallerliebstes Motiv ist – keine Frage.

Die Überschrift hat mit dem Ganzen wirklich nur im allerweitesten Sinne zu tun. Ich möchte an einer Serie rund um das Thema Schlaf, Träume, etc. arbeiten und hab dazu natürlich meine konkreten Vorstellungen, nur – es fehlt mal wieder an Gelegenheiten zur bildlichen Umsetzung meiner schrägen Gedanken.

hot dreams, cold feet

Nunja – der Fuß kam mir vor die Linse – ist ja auch ein Schlaf-Klassiker. Mir als Mann wird sich niemals erschliessen, wie man ständig kalte Füße haben kann und dann auch noch im Bett Socken trägt…

Künstler?

Kulturflatrate, Künstler versus Piraten, zukünftige Geschäftsmodelle rund um den Künstler, sein Werk und seinen potentiellen Lebensunterhalt. Die Diskussion um diese Themen veranlasst mich zu folgendem Gedankenspiel: Ab wann darf oder soll ich mich Künstler nennen? Gibt es eine exakte Kunstdefinition? Ich selbst finde ja die Formulierung lt. Wiki, “Kunst ist das Ergebnis eines kreativen Prozesses, oft mit dem Kunstwerk als Ergebnis, teilweise aber auch mit dem Entstehungsprozess als Kunst”, durchaus passend.

Kreativer Prozess. Kreativität, die Fähigkeit schöpferischen Denkens. Der bewusste Gedanke ich möchte etwas (er)schaffen (schöpfen), unabhängig davon ob es bereits gleich oder ähnlich existiert, oder ob es komplett neu ist, wäre demnach Kreativität und die Umsetzung des Gedankens als Prozess oder Produkt wäre dann Kunst.

In der allgemeinsten Formulierung sind wir also alle Künstler. Um sich der Kunst oder dem Künstler, im Sinne des allgemeinen Sprachgebrauchs zu nähern, braucht es eine engere Definition. In der Fotografie wäre das wohl die bildende Kunst…

Treiben wir die Wortklauberei nicht zu weit. Instinktiv wird jeder sagen, der knipsende Nachbar mit Anspruch das Familienalbum zu bestücken, ist kein Künstler. Ebensowenig der Stockfotograf, der möglichst gefällige Aufnahmen für eine breite Verwertung produziert. Und doch steckt hinter beidem ein kreativer Prozess. Wo ist also die Grenze? Muss ich versuchen meiner Seelenpein Ausdruck zu verleihen, damit es Kunst wird? Muss ich mich einfach selbst als Künstler begreifen und meine Aktivitäten als Kunst propagieren?

Ich komme zu keinem Ergebnis…