Wandel

Dinge verändern sich. Das ist der Lauf der Zeit. Das finde ich mal gut, mal weniger gut. So oder so, der Wandel hält das Rad am Laufen und das ist wichtig.

Einige der von mir frequentierten Blogs haben einem Trend der letzten Monate folgend ihre Kommentarfunktion deaktiviert. Ich bin da zwiespältig. Einerseits kann ich es verstehen, weil vielfach eine Menge Müll verkommentiert wird und die zig-tausendste “Awesome”-Meldung “und schau doch mal bei mir vorbei” irgendwann ermüdet, genauso wie die Spam-Lawine, die es regelmässig zu beseitigen gilt. Auf der anderen Seite gibt es doch immer wieder interessanten Austausch und Gedankengänge, und die Möglichkeit der Interaktion via Kommentar, ist nach meinem Dafürhalten noch immer immer ein wesentlicher Bestandteil des Bloggedankens.

Mein persönlicher Wandel vollzieht sich gerade im Handling meiner Negative. Ich habe aufgehört sie zu scannen. Der Ersteindruck erfolgt schon mal durch Sicht und Lupe. Gut durchzeichnet? Über- oder Unterbelichtet? Kann man alles so sehen. Möchte ich dann einen Überblick der Ergebnisse als Positiv haben, mache ich einen Kontaktabzug. Das geht wesentlich schneller als die quälend langsame Scannerei, die mangels Planlage auch noch den Schärfeeindruck der Negative verwischt und ich kann bereits besser beurteilen, was mich beim finalen Print erwartet. Und auch das gehört für mich mittlerweile dazu. Ein Bild, das mir gefällt wird ausbelichtet. Dabei ist das Format erst mal nebensächlich, aber ich habe gerade keine Lust mehr auf virtuelle Ordner mit Unmengen an Datenvolumen. Klar, um im Internet zu präsentieren komme ich nicht ganz am Scanner vorbei. Aber das erfolgt nur noch mit dem Positiv und nur noch für die Bilder, die tatsächlich online zu sehen sein sollen.

Das ganze hat übrigens gar nichts mit Retro, oder Verweigerung gegen Technik zu tun. Es entspricht einfach meiner momentanen Arbeitsweise und ich geniesse die Zeit, die ich beim Verzicht aufs Scannen gewinne und dafür in der Dunkelkammer beim Ausfeilen meiner Technik gewinne. Ob das nachhaltig ist, weiss ich nicht. Falls nein, ändere ich das einfach wieder. Wandel eben.

Contact Sheets

Ob heute noch mit Berechtigung oder nicht: der Kontaktabzug, den ich gerade erst neu für mich entdeckt habe, war unverzichtbares Instrument für die Fotografie vergangener Dekaden.

Wenn Magnum einmal mehr sein Archiv öffnet und uns einen Blick über die Schulter der Grossen gewährt, erlaubt uns das bekannte und populäre Bilder eines Capa, eines Erwitt oder einer Eve Arnold nochmals aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten. Wir erhalten einen intimen Einblick in das Rohmaterial der Fotografen und begleiten sie Jahre später bei der Fragestellung nach Auswahl der Bilder oder der Bildausschnitte erneut. Absolut faszinierend!

Die Entstehung bekannter Fotografien wird nachvollziehbar und Geschichte von 1930 bis heute wieder lebendig. Die Wucht manch dramatischer Aufnahme wird durch den Blick auf die Serie nochmals verstärkt.


Auf über 500 Seiten und knappen 4,5 Kilo Buch lässt sich stundenlang stöbern und entdecken. Zugegeben, kein ganz billiges Vergnügen, aber jeden Cent wert. Dieser Bildband (Affiliate Link) hat zur Zeit definitiv jeden anderen von meinem Nachttisch verdrängt. Eine unbedingte Empfehlung!

Kontakt

Total veraltet hört man ja öfter mal, wenn man sich als analoger Fotograf outet. Das kann einem allerdings auch im “eigenen” Lager passieren. Ich habe nämlich den Kontaktabzug für mich entdeckt.

“Wie jetzt du machst Kontaktabzüge? Das ist doch total überflüssig, aufwändig und albern. Du scannst doch sowieso da kann man doch mit (hier bitte beliebiges Bildbearbeitungsprogramm des Vertrauens einsetzen) auch machen und dann ausdrucken.”

Stimmt wohl, bei mir fängt aber alles schon mal mit der Haptik an. Ich gehöre z.B. immer noch zu den Exoten, die ihre Termine mit Agenda und Bleistift organisieren. Ich habe lieber etwas in der Hand als es auf dem Bildschirm zu sehen. Mit einem Kontaktabzug muss ich nicht durch virtuelle Bibliotheken scrollen und habe keine Ladezeiten für grosse Bilddateien. Meine Lupe ist nicht virtuell sondern auf dem Schreibtisch.

Der ausbelichtete Kontaktabzug macht mir nichts vor – keine vorherige Scankorrektur, sondern das “ehrliche” Negativ. Und das gibt mit schon mal einen hervorragenden Hinweis wo bei einer möglichen späteren Dunkelkammervergrösserung anzusetzen ist. Notizen lassen sich direkt auf den Kontaktabzug schreiben und gehen nicht verloren oder vergessen. Ist das nicht toll? Für die meisten vermutlich spinnert, für mich genau richtig – es lebe der Unterschied!


Oben sieht man meine kleine improvisierte Dunkelkammer…