Spieglein, Spieglein in der Hand, wer ist die Kompakteste im ganzen Land?

Halbdurchlässige Spiegel, gar keine Spiegel, neue Systeme, und Pressemeldungen ohne Ende.

Bekanntermassen beschäftige ich mich nur selten aktiv mit der digitalen Knipserei, wobei ich sie nach wie vor sehr spannend finde und die neuesten Errungenschaften immer gerne verfolge. Wenn ich denn mal zur Digitalen greife, um zwecks Familienfrieden die sofort überprüfbaren Zeitzeugnisse zu erschaffen, reicht mir heute im Regelfall die Kompaktvariante. Klein, leicht, Zoom für alle Lebenslagen, und wer es nicht weiss, wird selten die Unterschiede zum Profigerät feststellen können. Für die Standardabzüge im Familienalbum reicht das ebenso, wie für die Diashow am heimischen TV. Und gelegentliches Locationscouting lässt sich ebenso lässig bewerkstelligen – was will ich mehr?

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Auf den Geschmack gekommen

Ich gebe ja zu, ich bin auf den Geschmack gekommen. Wenn unsere Familie in den Urlaub fährt, gibt es ein eisernes Gesetz der Chefetage (und das bin nicht ich): wenn schon fotografieren, dann doch bitteschön digital.

Die letzten Jahre bin ich dieser Vorgabe immer schön mit dem digitalen Spiegelreflexmonster nachgekommen. Bekanntemassen von Gewicht und Abmessungen nicht gerade das leichteste Marschgepäck. Dieses Jahr wird alles anders dachte ich mir und habe uns kurzerhand eine digitale Kompaktknipse gegönnt. Praktischerweise vereinen die handlichen Knipsapparate heutzutage ja bereits Foto- und Videofunktion in einem Gehäuse und das in einer Qualität, von der man insbesondere in Sachen Video vor einigen wenigen Jahren noch geträumt hat.Das heisst zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und auch die Möglichkeiten für bewegte Bilder zu eröffnen. Perfekt!

Das in Sachen Gewicht und Volumen reduzierte Reisegepäck schafft ganz nebenbei noch Raum für einen klitzekleinen Analogmesssucher und eine handvoll Filmpatronen – ein Schelm wer Böses dabei denkt…

Ich muss mir da auch nichts vormachen. Im Urlaub komm auch ich aus der Touristenrolle nicht raus. Ich bin von den Altertümern und Sehenswürdigkeiten ebenso beeindruckt wie alle anderen und bombardiere ebenso den Chip mit millionenfach totfotografierten Motiven, eben in allerbester Touristenmanier. Das Ergebnis sind Urlaubsschnappschüsse, mit denen man jeden langweilt, der nicht vor Ort dabei war. Und das geht mit der Kompaktknipse genauso gut wie mit dem riesigen Wechselobjektivgeraffel. In meinem Fall vielleicht sogar einen Tick besser. Die “Kleine” ist immerhin ein Gerät der mehr oder weniger aktuellen Generation und lacht in Sachen technische Daten meiner betagten Nikon D50 lässig ins Gesicht. Praller Sonnenschein und Landschaft? Super! Actionaufnahmen vom tobenden Nachwuchs am Strand? Recht gut, die DSLR ist aber eine Spur schneller. Abendaufnahmen im Hotel? Rauscht ab ISO 800 heftig, aber da war die Nikon noch schlimmer. Die allseits beliebten Unschärfespielereien – DOF lässt grüssen – sind jetzt auch nicht gerade die Stärke der Kleinen und die Akkulaufzeit ist für meinen Geschmack eher mager, aber ansonsten bleiben wenig Wünsche offen.

Sehr schick sind die Möglichkeiten vorab ein Format einzustellen und das auch so auf dem Bildschirm zu sehen. 1:1, 2:3, 3:4 und 16:9. Alles dabei. Super auch die Einstellmöglichkeit nicht stufenlos, sondern in Festbrennweitenabständen zu zoomen. Von 24-90mm deckt man schon ein hübsches Spektrum ab. Überhaupt, Weitwinkel. Auch da bin ich ja auf den Geschmack gekommen. Die 24mm der Kleinen packen ordentlich viel Landschaft aufs Bild und die unweigerlichen Bildverzerrungen lassen sich Dank elektronischer Linsenkorrektur im RAW-Konverter meines Vertrauens wunderbar beseitigen.

Unterm Strich habe ich den Kauf nicht bereut. Die Kompaktknipse ist eine super Ergänzung, wenn es eben mal digital sein muss und ein Tacken mehr Leistung als von der Smartphonekamera gefragt ist. Und ganz nebenbei hat sich bei mir das dringende Bedürfnis manifestiert, die Wunschliste für die Zeiss Ikon neben dem 35mm noch ganz dringend um eine Position für ein 21mm zu ergänzen.

Film ist übrigens auch noch zum Einsatz gekommen. Hauptsächlich Dia und dann auch noch in Farbe. Ich werde echt zum Spiesser – ach ja, falls es jemanden interessiert: die Kleine heisst Lumix LX5.

Fernöstliche Gesellschaft

Ich konnte nicht widerstehen, und ja – eigentlich wollte ich vorerst keine Kamera mehr kaufen. Besorgte Zeitgenossen haben mich schon regelmässig an meine guten Vorsätze erinnert, um mich heute mit einem augenzwinkerten “Nicht die Masse machts” – Hinweis daran zu erinnern, dass auch Fotos gemacht werden wollen.

Alles richtig, aber diese Japanknipse, die dem Vernehmen nach zwischen 1966 und 1977 in verschiedenen Ausführungen rund 8 Millionen mal verkauft wurde hatte mich neugierig gemacht. Hervorragende Low-Light Eigenschaften, eine scharfe 45mm Linse 1:1.7, Zeitautomatik mit Blendenvorwahl, kein Spiegelschlag wie bei einer SLR… Neugier pur, so eine will ich noch.

Mein heute aus USA angekommenes Exemplar sieht wirklich super aus. Keine Kratzer, eine saubere Linse, Original Karton, Bedienungsanleitung (auf deutsch!), Tasche – alles dabei. Jetzt muss ich bloss noch das Batteriethema lösen und die Russen-Zicke bekommt Konkurrenz durch eine fernöstliche Schönheit.

Ach ja, ihr Name ist Yashica 35 electro GSN.

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