Welche Zukunft hat die Fotografie? Berufsfotografen jammern über schwindende Umsätze und ein immer größer werdendes Heer von Amateuren, die mit Dumpingpreisen in ihren Gefilden wildern. Bei den Amateuren ist Fotografie, spätestens seit jedes Handy eine Kamera hat, zum absoluten Volkssport geworden und mit Millionen von neuen Ablichtungen werden täglich nicht nur die einschlägigen Präsentationsplattformen sondern auch diverse Stockagenturen geflutet. Trotz Angebotsüberschuss und Discount-Preisen greift der Webdesigner dann doch zur eigenen Kamera, anstatt ein paar Groschen für ein Webbildchen auszugeben. Selbst ist der Mann und Geiz ist geil.
Wohin geht die Entwicklung? Jeder halbwegs ambitionierte Hobbysportler träumt vom Aufstieg aus der Kreisklasse in die Bundesliga. Die Erfolgsaussichten sind im Regelfall gering, aber das Anforderungsprofil des Spitzensportlers klar umrissen. Worin besteht aber die Meisterschaft der Fotografie? Welches Fähigkeiten gewähren mir Zutritt zum Olymp der Bildschaffenden? Gibts den überhaupt noch und falls ja wie lange?
Ich will nicht die Diskussion über das gute Bild oder was ist Kunst neu entfachen. Fakt ist doch eines: wenn man überhaupt noch in der Lage ist sich halbwegs einen Überblick über das Megaangebot an omnipräsenten Fotografien zu verschaffen, so glänzt eine Vielzahl davon vor allem durch eines – Austauschbarkeit. Ich könnte Ergebnisse von X und Y beliebig durcheinander würfeln und kein Dritter würde einen nennenswerten Unterschied zwischen den Ergebnissen feststellen. Wechseln wir ins Profilager. Ich bin kein Magazinleser aber auch hier glaube ich zu bemerken, dass die Zeit der großen Cover vorbei ist. Innovative Ideen sind Mangelware und dank EBV muss eigentlich auch kein bekannter Name mehr auf den Auslöser drücken. Die Posen sind millionenfach bewährt und gestaltet wird mit Weichzeichnungsfilter und Verflüssigenwerkzeug. Im schlimmsten Fall wird einmal komplett zerschnippelt und die Gliedmaßen neu zusammen gesetzt. Frankenstein lässt grüßen.
Da sich im Brot und Buttergeschäft die Fotografen gegenseitig kanibalisieren kann sich der finanzielle Erfolg eigentlich nur noch in Nischen einstellen. Spätestens hier kommt man wahrscheinlich wieder auf die Kunst zurück und muss sich mit der Frage auseinandersetzen welche Kunstnische kann ich besetzen oder sogar definieren und wie stehts um meinen Wiedererkennungswert. Auch glaube ich, dass der Fotograf von heute an der Diversifikation nicht vorbeikommt. Auf einem Bein steht man schlecht und es gilt zu überlegen, wie auftragsschwache Zeiten überbrückt werden können, ohne auf das vermeintliche Allheilmittel der Preisspirale zurückgreifen zu müssen.
Bleibt die Frage, wie sich der ambitionierte Amateur mittelfristig verwirklicht. Die oft getätigte Aussage “ich mach das ja alles nur für mich”, gekoppelt mit der Präsentation des eigenen Werkes auf einer Community Seite oder dem persönlichen Blog, begleitet von aktiver Diskussion und fleißigem Kommentieren, relativiert den reinen Ich-Bezug aus meiner Sicht. Man will doch wahrgenommen werden, wenn möglich gelobt werden und richtet die eigene Entwicklung oft genug am erhaltenen Feedback aus. Findet eine Entwicklung statt wird die Kreisklasse vielleicht irgendwann zu eng man möchte in der Regionalliga spielen…
Über den Niedergang der Berufsfotografie haben schon viele Leute geschrieben, die das Thema wesentlich besser kennen. Deshalb verkneife ich mir das und setze folgende These für alle Amateure in die Welt:
Ich glaube es wird sich ein neues Qualitätsbewusstsein in der Fotografie herausbilden und eine ambitionierte Hobbyfotografie wird mittelfristig von einem wie auch immer gearteten Kunstbegriff, möglicherweise begleitet von einem kommerziellen Aspekt, nicht zu trennen sein.


