Ich habe schon mal bei einer Hochzeit fotografiert. In Doppel- und Dreifachfunktion als Gast, Trauzeuge und Knipsheini. Ich werde es nicht wieder machen – also den Knipsheinipart. Und von berufenem Munde wurde bereits klargestellt: “Crap – den Bildern fehlt der besondere Moment!”
Ja, der berühmte besondere Moment. Ist das der, bei dem der Ring, wahlweise Brautstrauss, wahlweise Hochzeitstorte in Offenblende abgelichtet wird? Oder der, wo das Brautpaar sich an einem Bootssteg verliebt in die Augen schaut, sie nach vorne und er zu ihr guckt oder umgekehrt? Oder die Variante mit Kuss auf die Wange? Da wären dann noch die Variationen barfuß, rennend, in die Luft springend, alles in Hochzeitsklamotten mit fröhlichem Lächeln im Gesicht und recht häufig sollte Gegenlicht eingebaut werden. Auf die Serien über Hochzeitsvorbereitung, er/sie zieht sich an, gerne in SW gehalten, dabei einige Bilder mit Fokus auf ein Ausstattungsdetail nicht vergessen, gehe ich jetzt nicht näher ein.
Jede Zeit hat wohl ihre Hochzeitsfotostereotypen die bedient werden wollen. Das waren vor 50 Jahren die obligatorischen Bilder auf der Treppe des Rathaus / Kirche, davor das Bild im Studio, beide ernst in die Kamera blickend, nach dem Motto “verdammt, jetzt ist der Spass vorbei”. So oder so, der Kunde ist König und bekommt was er verlangt.
So, und warum kann ich jetzt kein guter Hochzeitsfotograf sein? In erster Linie weil ich es nicht will. Tatsächlich kann ich mit der kolportierten Romantik so gar nichts anfangen und vermutlich muss man sich auf einen Job halbwegs emotional einlasse können, um ihn gut zu machen. Ich hab schon seinerzeit bei den im TV gezeigten Anträgen der längst vergessenen Sendung “Traumhochzeit” meinen regelmässigen Brechreiz bekommen. Und die Friede-Freude-Eierkuchen Atmosphere der Hochzeitsfeierlichkeiten steht bei mir auf einer Stufe mit der organisierten Fröhlichkeit zu Fastnacht. Alles nur mit genug Alkohol zu ertragen und das wiederum sind wohl denkbar schlechteste Voraussetzungen für den Hochzeitsfotografen-Job.
Das ist übrigens ausdrücklich kein Seitenhieb auf die Hochzeitsfotografen. Dass ich finde, vieles sieht gleich aus und Ihr Euch munter gegenseitig kopiert, mal mehr, mal weniger gelungen, damit muss man leben und das ist bei jedem anderen fotografischen Sujet, ob Hobby oder Beruf genauso. Ich habe das in anderem Zusammenhang schon mal geschrieben, wiederhole das aber gerne nochmals. Jeder, der Erfolg hat ist gut. Erfolg gibt Recht. Ob mit persönlich das gefällt ist dabei vollkommen irrelevant.


