Am Wochenende hatte ich Hochzeitspremiere. Nicht der heiratenden Art, da kenne ich mich aus, sondern der fotografierenden Art. Ich und Hochzeitsfotos, dann auch noch digital – zwei Welten prallen aufeinander.
Was tut man nicht alles für die liebe Familie. Trauzeuge und gleichzeitig Fotograf des Events. Meine Hilferufe, dass das nicht gut gehen kann blieben ungehört. Die aufmunternden Bemerkungen “du bist der einzige, der fotografieren kann, und sonst haben wir keine Bilder…” haben den Druck natürlich nur unwesentlich erhöht. Also die gute alte D50 geschnappt und in die Schlacht gezogen. Jaja, lächerliche 6 Megapixel, sowas gibt’s noch. Dazu ein hundsgemeines Sigma Zoom Objektiv, mir sträuben sich beim Lesen auch schon wieder die Nackenhaare. Mit dem Equipment sind einfach keine Bilder drin, die zumindest meinem Anspruch an ein gelungenes Hochzeitsfoto genüge tun.
Aber genug gejammert. Ich habe es hinter mich gebracht und doch so einiges gelernt. In der Tat ist die Ausrüstung ein Faktor. Schön mit Offenblende in den Fokus setzen ist nicht mit einem Suppenzoom. Bildrauschen, da sind die alten Digitalscherben wirklich gemein. Manchmal hilft da nur der Kunstgriff SW-Umwandlung, sonst ist dagegen kein Kraut gewachsen. Dann die Herausforderung, dass Dir bei jedem zweiten Bild von links oder rechts einer durch das Blickfeld läuft oder seine Kompaktknipse reinstreckt, just im Moment wenn du auslöst. Ganz zu schweigen von den Diskussionen, die Du bei der Bildauswahl am Ende mit der Gattin vor dem Bildschirm hast. AAArrrrghhh…
Aber – jetzt kommts – ich kann mir vorstellen, dass das Thema einen begeistern kann. Wenn Du ein Gefühl für den Moment hast, können erstklassige Bilder entstehen. Die Begeisterung und Freude an so einem Tag sind ansteckend und beflügeln Dich. Bewusst inszenierte Hochzeitsfotos, bei denen Du und das Paar sich entsprechend Zeit nehmen bieten trotz das eng gefassten Themas eine Menge kreativen Entfaltungsspielraum. Wenn Du dann am Ende für Deine Bilder noch gelobt wirst, was kann es Schöneres geben? Klar, den Scheck wenn Du das beruflich machst. Ich habe es für die Familie getan und hab es am Ende gerne getan. Aber soll bloß keiner mehr auf die Idee kommen zu heiraten


