Gestern, heute, morgen

Es gibt Wahrheiten, die muß man sich einfach eingestehen. Ich werde wohl kein Handicap mehr im einstelligen Bereich erreichen und mangels zeitlichen Möglichkeiten das Golfspiel sowieso an den Nagel hängen. Die drei mal im Jahr auf dem Platz lohnen sich nicht wirklich. Auch lässt sich nicht verhehlen, dass ich in nicht zu allzu ferner Zukunft die Auskunft über mein Lebensalter mit einer 4 an erster Stelle beginnen muß. Ergo die Zeiten der konsequenzfreien Doppel- und Dreifachmahlzeiten vorbei sind. Auf Mampf folgt Kampf, wenn ich die Rettungsringe im erträglichen Rahmen halten möchte.

Hin und wieder erwische ich mich ja bei dem Gedankenspiel, was wäre wenn gewesen. Zugegeben, ich bin nicht sonderlich rückwärts gewandt, und die immer mal wiederkehrende Frage der Liebsten “Schatz, weißt Du eigentlich was für ein Tag heute ist” kann ich im Regelfall nur mit Nennung eines Wochentags und nicht mit der bedeutungsschwangeren, historischen Gegebenheit des ersten Treffens, Kuß oder was auch immer beantworten. Trotzdem, die Spekulation darüber wie das Leben ohne bestimmte Ereignisse oder Entscheidungen verlaufen wäre beschäftigt einen ja dann und wann.

Welches Handicap hätte ich heute, wäre mir das Golfspiel schon im Kindesalter begegnet und für Normalsterbliche finanzierbar gewesen? Welchen Bodymaßindex könnte ich heute aufbieten, hätte ich den Sport nicht irgendwann extrem vernachlässigt? Und welche fotografische Qualität hätten meine Arbeiten heute mit einer theoretisch möglichen Erfahrung von 30 Jahren? Letztlich unwichtig und unsinnig, denn die Dinge sind wie sie sind und rückblickend ist man immer klüger. Außerdem schwingt ja bei jedem “ach hätt ich doch, aber die Umstände waren…” auch immer ein Stückchen Selbstmitleid und Entschuldigung mit.

Also beerdige ich das Golf-Ding, akzeptiere den Hüftspeck und genieße weiter die Entdeckungsreise des Neuen und nicht ganz so Neuen. Mit der Fotografie bin ich noch lange nicht durch und ich kann lässig noch 40 Jahre Erfahrung sammeln. Ach ja, und ich hab gerade beschlossen Flamenco-Gitarre zu lernen. Zugegeben, vielleicht hätten meine Finger vor 30 Jahren schneller gehorcht, aber was soll´s. Ich werde immer Dinge finden, die ich spannend finde und ausprobieren möchte und ich hab im Regelfall auch keine Angst davor sie zu probieren. Auch wenn ich darin keine Meisterschaft mehr erreichen kann und ich eigentlich schon “zu alt” bin.

Who cares?