Ich beobachte ja regelmässig mit einigem Amusement die unkritische Beweihräucherung mancher Foto-Blog-Platzhirsche, die dank ihrer Marketingstrategie und dem damit verbundenen “ich muss jeden Tag posten” Diktat, zuverlässig immer wieder den grössten Stumpfsinn produzieren. Der Schöpfer solchen Unrats bestreitet immerhin einen Teil seines Lebensunterhalts mit der Verbreitung von Halbwissen und Belanglosigkeiten und die Herde jubelt jede seiner präsentierten Fotoglasmurmeln zu Perlen hoch. Neid? Mitnichten – Respekt! Das Prinzip ist clever. Gute Inszenierung, Markt erkannt, minimal bearbeitet, maximal geschröpft. Durch Werbeeinnahmen dank horrende Zugriffszahlen und mit der paradoxen Hilfe williger Gastautoren, die regelmässig Sinnvolleres zu sagen haben, mauert man die Bastion der Verdummung fester und fester. Vive la idiotie!
Mir gibt der Markt hier Rätsel auf. An anderer Stelle sagte dazu schon mal jemand sehr treffend (ich zitiere sinngemäß): “Immer wieder erstaunlich wie viele Fliegen es immer noch gibt, die Scheisse lecker finden”. Man könnte auch sagen der Produktlebenszyklus von geistiger Tiefkühlkost ist erstaunlich lang und die Nachfrage ungebrochen hoch – für mich ein Mystherium, aber bleiben wir gedanklich besser in Frankreich und hoffen auf die Erkenntnis des Volkes und den Sturm auf die Bastille.
Warum ich immer noch mitlese? Tja, vermutlich ist das wie mit den Horrorfilmen. Man findets eklig, brauchts nicht jeden Tag, wenn doch, dann sieht man zwischen den Fingern durch. Es schaudert einen aber man kann halt doch nicht wegsehen
Wenden wir uns jedoch von den Glasperlen ab und betrachten die echten Perlmuttschätze.
Es begann mit einer Diskussion über Kultur, Parteien und Urheberrecht und mündet in eine echte Kunstaktion. Michael K. Trout startet getreu dem Motto “der Worte sind genug gewechselt…” eine handfeste, künstlerische Herausforderung, die sich nicht nur an Fotografen, sondern auch an Musiker, Poeten und alle anderen Künstler richtet. Kunst und Internet, was kanns, was bringts – wir werden sehen. Pragmatismus vor Palaver, hier passiert endlich mal was und ich bin extrem gespannt…


