Dogma

Die Fotografie ist gekennzeichnet von einer Vielzahl unsäglicher Lagerdiskussionen. Ob digital vs. analog, Canon vs. Nikon, oder, oder, oder… Solche und ähnliche Auseinandersetzungen werden mit ungebrochener Leidenschaft geführt. Ich begrüsse Leidenschaft und sie ist meines Erachtens essentiell, wenn man sich auf das Abenteuer Fotografie einlässt. Würde jedoch die Energie, mit der einige Zeitgenossen ihre Dogmen einnehmen und verteidigen, bloß zu einem Bruchteil in die Arbeit am guten Bild gesteckt, die fotografische Kulturlandschaft würde vermutlich einen mittelfristigen Qualitätsschub sondergleichen erfahren.

Das gute Bild, ja, das ist bereits das nächste Minenfeld. Gut liegt im Auge des Betrachters, die Geschmäcker sind unterschiedlich und per Definition die Auseinandersetzung darüber eigentlich unsinnig. Ich hab ja bereits des öfteren über mir zu glatte und belanglose Fotografien berichtet. Das ist mein Geschmack und bedeutet nicht, dass mir ausschließlich Analogbilder gefallen oder per Film automatisch ein Kunstwerk entsteht. Das ist der gleiche, weltfremde Ansatz der Technikfanatiker, je größer die Kamera, je besser das Bild. Quatsch. Ich mag auch digitale Bilder und auch auf Film wird eine Menge Müll produziert, wovon ich ein Lied singen kann. Auch gefallen mir persönich nicht alle Bilder der Kollegen von denen ich lerne oder bei denen ich kommentiere, ob sie Kunst sind oder nicht, kommerziell erfolgreich oder nicht. Ich kann deshalb trotzdem ihre Kompetenz anerkennen, zuhören und lernen.

Ich gestehe ja, auch ich kann hin und wieder nicht widerstehen die eine oder andere Spitze zu äußern und spaßeshalber den Missionar zu spielen. Kleinen Frotzeleien sind nunmal ein kommunikativer Spielball, auf den ich nur ungern verzichte und bei dem ich beileibe nicht immer ungeschoren davon komme. Wenn sich daraus dann eine Diskussion entspannt, muss ich zum Schluß vielleicht zurückstecken oder man einigt sich darauf, dass die Positionen zu unterschiedlich sind um sich anzunähern oder Deckungsgleichheit zu erlangen. Auf alle Fälle werde ich aus einem Wortgeplänkel oder verbalen Schlagabtausch nutzenstiftendes Wissen ziehen und davon profitieren. Das ist toll und das passiert immer noch viel zu selten.

Also, lasst das Dogma in der Kirche, nehmt Frotzeleien nicht persönlich und kanalisiert Euren missionarischen Eifer in sinnvolle Bahnen. Es geht schließlich nur um Fotografie.