Link: Abschied vom Grossformat

Ich hatte das glaube ich vor geraumer Zeit schon mal über G+ gepostet und bin gerade eben wieder darüber gestolpert. Ein Erfahrungsbericht in Sachen Grossformat, der einmal nicht mit dem Ergebnis alles super endet. Interessant, und für den einen oder anderen Interessierten in Sachen Entscheidungsfindung sicherlich lesenswert.

(Und wenn ich das hier bringe, finde ich den Link bei Bedarf auch wieder)

Hier also Thomas Rauers – Abschied vom Grossformat.

Once I was a dancer

Wenn ich eines nicht bereut habe, dann ist es der Einstieg in das Grossformat. Eine faszinierende fotografische Welt, voll gigantischer Möglichkeiten.

Nachdem ich nun endlich genug Filmkassetten auf dem Gebrauchtmarkt zusammengekauft habe, lassen sich auch mal kleinere Sessions mit mehreren Belichtungen durchführen. Noch bin ich ja am Üben und Ausprobieren. Bei der Gelegenheit sei übrigens angemerkt, dass ich die Toyo Filmkassetten gegenüber den vielfach erhältlichen Fidelity Exemplaren absolut empfehlen kann. Die Filme werden nach meinem Gefühl etwas enger geführt, d.h. haben weniger Spiel in der Kassette und geben dem Film eine exzellente Planlage.

Doch genug vom Ausrüstungsgeplänkel. Ob es an der Kamera oder dem Format liegt kann ich nicht sagen, aber auf einmal bekomme ich andere Bildideen. Reduzierter, ruhiger und ich habe wahnsinnige Lust auf Inszenierung…

Was mich ja jedes mal auf’s Neue plättet, wenn ich einen Planfilm in der Hand habe, ist die scheinbare Perfektion der Negative. An diesem Bild ist absolut nichts gemacht, kein Regler bewegt, keine Farben korrigiert – gar nichts. Ja klar, man könnte anmerken, dass auf dem Bein Druckstellen zu sehen sind, die man easy Wegstempeln könnte, ich habe hier aber bewußt darauf verzichtet. Soll nicht heißen, dass das immer so sein muss, aber aktuell bin ich verliebt in den “natürlichen” Graflex-look!

Graflex II

Mein Wochenende war von keinen ausschweifenden Testreihen in Sachen Grossformat geprägt, sonder so ein fieser Infekt hat gemeint mich mal eben kurz auf die Bretter und in die Horizontale befördern zu müssen. Unschön. Immerhin hat es zu einem erneuten Testbild gereicht – ich wollte ja unbedingt Personen vor der Linse haben und da hat sich die beste Ehefrau von allen eben geopfert.

Nicht gestylt, keine Pose, sondern dezent fix und alle und leicht derangiert…Ich persönlich finde sie dann ja ganz besonders hölle-sexy :D

Noch kann ich mit keinen besonderen Erfahrungen in Sachen Grossformat aufwarten, aber ich bin überrascht wie “perfekt” die Bilder rauskommen. Bislang ist einfach keine Bearbeitung notwendig. Keine Kurven anpassen, ne nado… Irre und faszinierend.

Grosse Premiere

Es ist vollbracht. Auf G+ hab ich das Ergebnis schon gezeigt, hier dann nochmals: mein erstes grossformatiges Werk, im Format 4×5 inch. Ein erhebendes Gefühl.

Das Laden der Planfilmkassette ging einfacher als ich dachte und hat auch keiner weiteren Knicke o.ä. hervor gebracht. Da ich noch keinen passenden Doseneinsatz oder Tank hab, war mir von Anfang an klar, dass ich eine Schalenentwicklung machen muss. Auch die ist erstaunlich gut gelaufen, trotz nicht ganz lichtdichter Kellertüre und insgesamt eher improvisierter Methodik.

Tja, das fotografieren an sich. Es ist schon eine etwas andere Welt. Alles ist grösser und muss mit mehr Sorgfalt angegangen werden. Gleich nach dem ersten Bild bin ich übermütig geworden, nach dem Motto: das ist doch ein Klacks und gar nicht so schwer, habe das Stativ umgestellt und das nächste Motiv in Angriff genommen. Blende auf, Fokussieren, Verschluss zu, Kassette rein, Schieber raus, Belichten…ääärgh – vergessen die Blende zu schliessen. Verdammt. Eine Sekunde bei Offenblende dürfte dann doch etwas viel des guten sein. Man muss sich also mehr konzentrieren. Das sollte hinzubekommen sein.

Geduld ist dann beim Scannen gefragt. Mein Scanner kann nur Mittelformat, also muss ich zweimal Scannen und die Ergebnisse dann mittels Photoshop stitchen. Bei den Dateigrössen, die da zusammenkommen eine zeitraubende Angelegenheit, aber immerhin funktioniert es. Das Ergebnis ist atemberaubend. Das Motiv mag nicht der allergrösste Wurf sein, aber wenn man sich die Details eines solchen Negativs ansieht, klappt einem die Kinnlade unweigerlich nach unten. Man zoomt und zoomt und zoomt und zoomt und die Details nehmen einfach kein Ende. Wahnsinn.

Ich vermute das kommende Wochenende wird von einigen Experimenten in Sachen Grossformat gekennzeichnet sein. Selbstverständlich will ich Personen vor der Linse haben und die Herausforderungen kommen ja erst, wenn es nicht nur um Fokussieren ins Unendliche geht. Ich bin schon sehr gespannt und weiss bereits, dass ich den Schritt in die “Königsklasse” nicht bereuen werde.

The next big thing

Nö, nicht das Smartphone der neusten Generation. Grossformat Fotografie. Steckt mir ja schon gaaaanz lange in der Nase und noch wehre ich mich, wenn auch zunehmend halbherzig.

Kauf Dir so ein Ding und gut ist, könnte man jetzt sagen. Ganz so einfach ist das aber nicht. Am Anfang steht die Entscheidung für ein Format. 4×5, 5×7, 8×10 und so weiter. 4×5 ist heutzutage das gängigste Format. Erforderliches Zubehör und Filmmaterial ist ausreichend und zu überschaubaren Kosten zu bekommen. Es gibt entsprechende “Field Cameras”, die mit noch akzeptablem Gewicht Mobilität gewährleisten und somit Naturaufnahmen auch noch an Orten möglich machen, die nicht gerade unmittelbar mit dem Auto zu erreichen sind.

Fraglich bei 4×5 ist allerdings, ob der Unterschied zum 6×7 Format der Pentax67 (Achtung: andere Maßeinheit!) so gewalttätig ist, dass man einen deutlichen Quantensprung sieht und spürt.

Wenn man sich in der Formatfrage nach oben hangelt, werden die potentiellen Negative eindrücklicher, das Equipment schwerer und die Luft in Sachen Preise und Verfügbarkeit ganz erheblich dünner.

Wenn wir schon beim lieben Geld sind, muss man sich auch darüber klar werden, dass die eine oder andere Nebenanschaffung notwendig wird. Mein treuer 8800f kann leider nicht mehr als Mittelformat-Negative verarbeiten, d.h. schon mal, dass ein neuer Scanner fällig wäre. Beim Vergrösserer ist auch das Mittelformat Ende der Fahnenstange und GF-Vergrösserer sind riesig und teuer!

Aber zurück zur Kamera: kaufen oder selber bauen ist ja auch noch so ein Gedankengang. Ein wenig Recherche im Internet lässt einen über einige Bauanleitungen in Sachen DIY-Grossformat stolpern, im Regelfall sind das Monorail Lösungen. Wenn man aber über eine Field Camera nachdenkt wird das ganze schon schwieriger, denn entsprechende Klapp- und Schwenkmechanismen zu bauen ist nicht ganz trivial. Hinzu kommt die Materialfrage. Wollen wir halbwegs leicht und stabil bauen würde sich Aluminium anbieten, zumindest in der Kombination mit Holz, aber auch hier bietet die Selbstverarbeitung Tücken.

Alles in allem schwierig und ich bin noch nicht wirklch weiter gekommen. Ich weiß, dass ich mich gegen die “Königsklasse” nicht auf Dauer werde wehren können, alles andere ist aber noch offen. Selber bauen wäre reizvoll, bietet ein irrsinniges Potential zum Lernen, ist aber zum Schluß mit Sicherheit nicht billiger. Alleine die Investition in Zeit, Material und Werkzeug, dann noch die potentiellen Rückschläge einkalkuliert – boah. Andererseits gibt man für so viel anderen Blödsinn Zeit und Geld aus… – hach, Entscheidungen!