Card Games

Ja, das mit den Entwicklern ist ja auch immer so ein wenig Glücksspiel. Ich hatte Grosses vor. Pyroentwicklung und hier fiel meine Wahl auf den Pyrocat HD, der sich auch zur Rotationsentwicklung eignen soll. Der Witz bei den Pyroentwicklern ist ja, dass sich sogenanntes Stain bildet, d.h. eine Einfärbung oder Gerbung des Trägermaterials erreicht wird, was einmal dem Anschein von Schärfe zu Gute kommen soll und hervorragende Negative zur Verwendung bei alternativen Prozessen à la VanDyke & Co. geben soll.

Den Stain habe ich dank Verwendung eines alkalischen Fixierers diesmal erhalten, auch lag ich mit der Schätzung der Entwicklungszeit recht gut, trotzdem bin ich noch unschlüssig. Das Negativ kommt mir ausgesprochen empfindlich vor, was nicht Tri-X typische wäre, und es zeigt Fingerabdrücke vom Feinsten. Entweder hab ich beim Kassette bestücken bzw. Entnehmen und Einspulen ordentlich gepennt und auf dem Film rumgetatscht, oder mein Handschweiss war gerade hochaggressiv, oder, oder, oder…

Ach ja, und mein Scanner nervt mich auch ungemein, das Zusammenstückeln der 4×5 Negative ist suboptimal!

Und dann klappt wieder gar nichts

Manchmal hat man auch kein glückliches Händchen. Zum Beispiel wenn man “mal eben” ein paar Blätter Planfilm entwickeln will, nicht richtig bei der Sache ist und auf einmal merkt, dass man nur eine Füllmenge an Entwickler in die Dose gegeben hat, die für Rotationsentwicklung gedacht ist, man aber ausnahmsweise mal wieder per Hand entwickeln möchte. Also mit der linken Hand merkwürdige Drehungen veranstaltend, versuchen irgendwie den Film mit Flüssigkeit zu bedecken, dabei mit der rechten Hand die Entwicklerflasche aufdrehen und nochmals 700ml nachgiessen.

Danach einen Liter Entwickler in den Entsorgunskanister kippen, um sich Sekunden später darüber klar zu werden, dass man den ja nochmals hätte verwenden können. Gescannt wird schließlich spiegelverkehrt (was hier aber tatsächlich besser aussieht) und das zweite Negativ lässt sich nicht automatisch stitchen, weil die Software die Ränder wohl nicht richtig erkennt. Ganz abgesehen davon hatte ich da wohl vergessen die Lichtmessung gedanklich 2-3 Zonen zu verschieben, denn ich wollte das Bild wesentlich dunkler haben. (Nicht das unten, sondern das was ich nicht zeigen kann, ach egal…)

Nunja, trotzdem ein Portrait des Nachwuchs bei seiner aktuellen Lieblingsbeschäftigung. Gescannt habe ich nur mit 1400dpi und auf Fusselentfernung hatte ich keine Lust. Ich mag es trotzdem, da fällt bei Bildern des eigen Fleisch und Blut aber auch nicht sonderlich schwer…

Once I was a dancer

Wenn ich eines nicht bereut habe, dann ist es der Einstieg in das Grossformat. Eine faszinierende fotografische Welt, voll gigantischer Möglichkeiten.

Nachdem ich nun endlich genug Filmkassetten auf dem Gebrauchtmarkt zusammengekauft habe, lassen sich auch mal kleinere Sessions mit mehreren Belichtungen durchführen. Noch bin ich ja am Üben und Ausprobieren. Bei der Gelegenheit sei übrigens angemerkt, dass ich die Toyo Filmkassetten gegenüber den vielfach erhältlichen Fidelity Exemplaren absolut empfehlen kann. Die Filme werden nach meinem Gefühl etwas enger geführt, d.h. haben weniger Spiel in der Kassette und geben dem Film eine exzellente Planlage.

Doch genug vom Ausrüstungsgeplänkel. Ob es an der Kamera oder dem Format liegt kann ich nicht sagen, aber auf einmal bekomme ich andere Bildideen. Reduzierter, ruhiger und ich habe wahnsinnige Lust auf Inszenierung…

Was mich ja jedes mal auf’s Neue plättet, wenn ich einen Planfilm in der Hand habe, ist die scheinbare Perfektion der Negative. An diesem Bild ist absolut nichts gemacht, kein Regler bewegt, keine Farben korrigiert – gar nichts. Ja klar, man könnte anmerken, dass auf dem Bein Druckstellen zu sehen sind, die man easy Wegstempeln könnte, ich habe hier aber bewußt darauf verzichtet. Soll nicht heißen, dass das immer so sein muss, aber aktuell bin ich verliebt in den “natürlichen” Graflex-look!

Graflex II

Mein Wochenende war von keinen ausschweifenden Testreihen in Sachen Grossformat geprägt, sonder so ein fieser Infekt hat gemeint mich mal eben kurz auf die Bretter und in die Horizontale befördern zu müssen. Unschön. Immerhin hat es zu einem erneuten Testbild gereicht – ich wollte ja unbedingt Personen vor der Linse haben und da hat sich die beste Ehefrau von allen eben geopfert.

Nicht gestylt, keine Pose, sondern dezent fix und alle und leicht derangiert…Ich persönlich finde sie dann ja ganz besonders hölle-sexy :D

Noch kann ich mit keinen besonderen Erfahrungen in Sachen Grossformat aufwarten, aber ich bin überrascht wie “perfekt” die Bilder rauskommen. Bislang ist einfach keine Bearbeitung notwendig. Keine Kurven anpassen, ne nado… Irre und faszinierend.

Grosse Premiere

Es ist vollbracht. Auf G+ hab ich das Ergebnis schon gezeigt, hier dann nochmals: mein erstes grossformatiges Werk, im Format 4×5 inch. Ein erhebendes Gefühl.

Das Laden der Planfilmkassette ging einfacher als ich dachte und hat auch keiner weiteren Knicke o.ä. hervor gebracht. Da ich noch keinen passenden Doseneinsatz oder Tank hab, war mir von Anfang an klar, dass ich eine Schalenentwicklung machen muss. Auch die ist erstaunlich gut gelaufen, trotz nicht ganz lichtdichter Kellertüre und insgesamt eher improvisierter Methodik.

Tja, das fotografieren an sich. Es ist schon eine etwas andere Welt. Alles ist grösser und muss mit mehr Sorgfalt angegangen werden. Gleich nach dem ersten Bild bin ich übermütig geworden, nach dem Motto: das ist doch ein Klacks und gar nicht so schwer, habe das Stativ umgestellt und das nächste Motiv in Angriff genommen. Blende auf, Fokussieren, Verschluss zu, Kassette rein, Schieber raus, Belichten…ääärgh – vergessen die Blende zu schliessen. Verdammt. Eine Sekunde bei Offenblende dürfte dann doch etwas viel des guten sein. Man muss sich also mehr konzentrieren. Das sollte hinzubekommen sein.

Geduld ist dann beim Scannen gefragt. Mein Scanner kann nur Mittelformat, also muss ich zweimal Scannen und die Ergebnisse dann mittels Photoshop stitchen. Bei den Dateigrössen, die da zusammenkommen eine zeitraubende Angelegenheit, aber immerhin funktioniert es. Das Ergebnis ist atemberaubend. Das Motiv mag nicht der allergrösste Wurf sein, aber wenn man sich die Details eines solchen Negativs ansieht, klappt einem die Kinnlade unweigerlich nach unten. Man zoomt und zoomt und zoomt und zoomt und die Details nehmen einfach kein Ende. Wahnsinn.

Ich vermute das kommende Wochenende wird von einigen Experimenten in Sachen Grossformat gekennzeichnet sein. Selbstverständlich will ich Personen vor der Linse haben und die Herausforderungen kommen ja erst, wenn es nicht nur um Fokussieren ins Unendliche geht. Ich bin schon sehr gespannt und weiss bereits, dass ich den Schritt in die “Königsklasse” nicht bereuen werde.