Geschmackssache

Selbstverständlich habe ich nicht die alleinseligmachende Weisheit gepachtet. In Sachen Fotografie schon gar nicht. Ich berichte lediglich über Dinge, die ich wahrnehme und werte sie nach meinem Gusto. Individueller Geschmack eben.

Mal abgesehen davon, dass nach meiner Definition hier der Sinn und Zweck eines Blogs liegt, ist individueller Geschmack ein gutes Stichwort. Das vielgehörte Credo lautet ja unterm Strich, alles was die Masse macht ist pfui, Individualismus ist hui. Sprich Pixelschubsen ist schlecht, Emulsionslift ist super (bitte, das ist NUR ein Platzhalter. Nichts gegen Emulsionslift). Und warum ist das so? Weil wir alle permanent nach Bestätigung streben und letztlich im Wettbewerb um die Publikumsgunst stehen. Deshalb veröffentlichen wir ja unsere Bilder. Sich abzuheben durch Dinge, die vielleicht nicht ganz alltäglich sind ist nunmal einfacher und Achtung, jetzt kommt das böse Wort, elitärer als auf ein Preset des RAW-Konverters meines Vertrauens zurück zu greifen. Dafür lässt sich sicherer Applaus mit zig-fach erprobten Techniken ernten. Das letzthin thematisierte Offenblenden-Sperrfeuer sei beispielhaft genannt. Deshalb kann beim Emulsionslift trotzdem eine grosser Misthaufen rauskommen und das presetveredelte oder eben f1.4 Foto große Klasse sein.

Spannend ist doch die Frage, ob jeder der sich in der Knipserei probiert überhaupt weiß, was sein Geschmack ist.

So oder so, schön ist im Gespräch über Fotografie zu sein und eben auch kontrovers darüber diskutieren zu können.

Mach mich reich!

Der Traum der fotografierenden Gilde. Ob Amateur oder Profi, insgeheim oder bewußt träumt der Großteil von uns doch davon, satt von der Fotografie leben zu können und besser noch, reich damit zu werden. Dumm nur, dass zur Leibowitz nicht alle geboren sind, und deren letzter Kopfsprung im Geldspeicher hat ja bekanntlich mit einer schweren Gehirnerschütterung geendet.

Wie schwierig es ist, bei zunehmender Vergleichbarkeit und digitaler Massenbilderflut tatsächlich auch finanziell erfolgreich zu fotografieren und ein Alleinstellungsmerkmal zu finden will ich gar nicht weiter ausführen. Es muss ja nicht immer die Hochzeitsfotografie sein. Nischen zu finden und sie konsequent zu besetzen kann auch in der Fotografie funktionieren, wobei zu erwartender Reichtum hier vielleicht dezent übertrieben wäre. Der gestern bei fotointern vorgestellen Tobias Frieman ist da ein schönes Beispiel. Postkartenmotive abseits des üblichen Mainstream haben bei ihm funktioniert. Und natürlich gibt es auch andere fotografische Nischen.

Wer gestern zu relativ später Stunde noch in einen der Privatsender gezappt hat, konnte einen Bericht über Hypnose, therapeutisch und zu Show-Zwecken finden. Bemerkenswert, wenn Patienten mittels Hypnose Ängste genommen und Schmerzen gelindert werden können. Wenn bei einem Showhypnotiseur allerdings zu einem Großteil Finanzberater in den Kurs gehen, um sich selbstverständlich aus rein privatem Interesse über Techniken der Blitzsuggestion unterrichten zu lassen stimmt das nachdenklich. Wobei… das Mittel in meinen Händen, was gäbe es für Möglichkeiten im Sinne der allgemeinen Geschmackskultur zu wirken. Natürlich ganz uneigennützig (….du wirst ganz ruhig…), an den schnöden Mammom (… dein Geld belastet Dich…) würde ich doch niemals denken (…lass mich Dir helfen…).

Die Frucht der Erkenntnis

Altersweise, altersmilde oder auch altersstarrsinnig sind gängige Vokabeln, die die sich verändernden oder auch manifestierenden Eigenschaften mit fortschreitenden Lebensjahren beschreiben. Gibt es das Wort “Altersgeschmack”? Abgesehen davon, dass ich glaube erkennen zu können, dass ich etwas klüger und ruhiger geworden bin – zu der Abteilung Starrsinn schweige ich mich aus, nehme ich viele “geschmacklichen” Dinge mittlerweile verändert war. Mir geht es hier nicht um Essen und die Tatsache, dass ich Leckereien wie Käse und Spargel mit zunehmendem Vergnügen esse und sie mir vor einigen Jahren nicht auf den Teller gekommen wären. O.k. – französischer Weichkäse gehört immer noch nicht zu meinen Favoriten, aber ich schweife mal wieder ab. Nein, ich rede von meiner veränderten Wahrnehmung von Bildern.

Wenn ich mir früher einen Fotobildband wie “The Americans” von Robert Frank angesehen habe, dann fand ich ihn mehrheitlich langweilig und konnte mit den Bildern gar nichts anfangen. Nach meiner Meinung gefragt, hätte ich mich wahrscheinlich zu einer Aussagen à la “irgendwelche Gesichter im Café, an der Strasse oder im vorbeifahrenden Bus kann ich auch fotografieren, was ist da schon dabei” hinreissen lassen. Autsch! Gott sei Dank hat mich niemand gefragt, denn weit gefehlt. Diese Bilder erzählen Geschichten, sie vermitteln Emotionen – wenn man sich darauf einlässt.

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