Statuswechsel

Bemerkte ich nicht jüngst voller Stolz, dass es mir schon seit längerer Zeit nicht mehr den Schnuller rausgehauen hätte? Man nehme hiermit meinen Statuswechsel zur Kenntnis.

Dass ehrliches Feedback zwar auf der Wunschliste der Fotografierenden ganz oben steht, aber ein herausragendes Beispiel für Selbstverarschung ist, wurde ja schon mehrfach thematisiert. Die immer öfter anzutreffende Aufforderung auf Blogs zur Abgabe “netter Kommentare” ist zumindest ein Indikator worum es eigentlich geht. Das sind dann öfters mal die Herrschaften, die schon ein Erwähnen ihres Namens ohne verbundenes Superlativ als Majestätsbeleidigung verstehen, selbst aber munter ihre virtuellen Seilschaften aktivieren, um mal bisserl entspannte Hetze gegen andere Fotografierende nach links und rechts zu betreiben. Auch gerne genommen, die Selbstanpreisung als Rund-um-sorglos-Kümmerer mit ausschließlichem Kundenfokus, der munter auf Twitter&Co. seine abgelehnten Kundenanfragen breit tritt. So schafft man Vertrauen. Clever!

Ach ja, und wer hat eigentlich das Märchen aufgebracht, dass jedes gottverdammte Foto eine Geschichte erzählen muß? Das neue “gut gesehen” lautet: “das Foto ist gut, weil es eine Geschichte erzählt”.
“Ach ja, na sag mal, welche denn?”
“Kann ich dir nicht erklären, das verstehste nicht…”.
Super!

Ich hab mich ja schon mehrfach als grosser Fan von Authentizität geoutet. Wenn das was ich da so tagtäglich zu sehen bekomme tatsächlich authentisch ist, bin ich froh die meisten nur virtuell zu erleben. Wenn man den Schaum nur fest genug schlägt wird er steif und man schwimmt bzw. dann wohl steht immer oben? Wunschgedanken liebe Freunde, Wunschgedanken!

Das Ende der Krise

Wochenend und Sonnenschein, ein Hit der Comedian Harmonists und Programm der vergangenen 2 Tage. Wie so ein wolkenloser Himmel und wärmende Sonnenstrahlen samt Aufenthalt außerhalb der Wohnung im T-Shirt doch die Gefühlslage positiv beeinflussen können.

Eigentlich wären die sommerlichen Temperaturen geeignet ein paar Outdoor-Aufnahmen mit einem textilarm gekleideten Modell zu machen, aber genau das möchte ich gerade nicht. Stimmt nicht, die Aufnahmen möchte ich schon machen, aber ich würde sie z.Zt. nicht zeigen wollen. Das ist nicht seltsam, sondern die Konsequenz daraus wie meine Fotografie wahrgenommen wird.

Um es zu erklären: wenn ich spärlich bekleidete Frauenkörper zeige, schnellen die Zugriffszahlen nach oben und die Reaktionen sind berechenbar. Das ist nicht schlimm. Natürlich ist ein positives Feedback angenehm und manchmal lechze ich förmlich danach.

Zur Zeit habe ich aber keine Lust auf die Schublade Nacktfotograf. Die Bilder der letzten beiden Beiträge sind Situationsaufnahmen, die mir gerade am Herzen liegen. Auf den ersten Blick nicht spektakulär, fotografisch vielleicht verbesserungswürdig und im Regelfall kaum wahrgenommen, aber Abbild einer alltäglichen Situation, die wiederum eine Geschichte erzählt. Und darauf habe ich gerade Lust.

Ich persönlich finde die Herausforderung solche Fotos zu machen übrigens ungleich höher als bei gestellten Aufnahmen der Kategorie Akt. Hier ist Schnelligkeit gefragt, um entsprechende Momente im Sekundenbruchteil festhalten zu können, bei schwierigen Lichtverhältnissen liegt die Latte dann noch etwas höher. Wenn da 2-5 Bilder einer Kleinbildpatrone Treffer darstellen, ist das zumindest für mich schon eine respektable Ausbeute.

Natürlich ist das wieder nur eine Phase, aber das ist ja auch das Schöne an der Hobbyfotografie. Man kann tun und lassen was man will, ist niemandem Rechenschaft schuldig und ist am Ende “nur” Knecht seiner eigenen Ideen und Ansprüche. Ich erkläre die Krise für vorübergehend gebannt.