Kunterbunt

Ich kann jetzt auch Farbe!

Also Farbe jenseits des Sensorchips – Filmfarbe nämlich. Ich hab endlich das C41-Entwicklungskit getestet und … bin schwer begeistert.

Hielt sich bislang noch hartnäckig das Gerücht, Farbentwicklung ist kompliziert und hochsensibel aufgrund der erforderlichen Temperaturstabilität von 38 +/- 0,3 Grad C., so lässt sich mit dem Entwicklungsset ganz entspannt bei 25 Grad entwickeln und der Prozess verzeiht auch etwas größere Temperaturschwankungen bzw. ein paar Sekunden Zeitabweichung.

Zugegeben, per Hand möchte ich das nicht mehr unbedingt kippen, denn die Prozessdauer verlängert sich bei der Niedrigtemperaturentwicklung um so einige Minuten. Ich konnte das Ganze zum Glück in meinem Jobo-Prozessor rotieren lassen. Das schont das Handgelenk. Allerdings gibt es bereits Berichte über erfolgreiche C41-Standentwicklungen. Darüber hinaus sind natürlich unterschiedlichste Mischungsansätze, Varianten in der Entwicklungszeit, etc. möglich, d.h. dem Spieltrieb ist mal wieder kein Ende gesetzt.

Hier mal ein paar Bildbeispiele in Sachen Color. Unbearbeitet, d.h. das Drogerie Vivid-Color fehlt und lässt so eine herrliche 50er Jahre Farbromantik aufkommen. Ich liebe es.

Lieblings-CafeAberwitzig schöner MenschPostkartenromantik - Blick von meinem Balkon

Nebenbei bemerkt ist zumindest für mich die Eigenentwicklung von Farbfilm auch wirtschaftlich interessant. Bei einem Einstiegspreis von um die 20,- Euro (= 30 CHF) lässt sich mit dem Mini-Kit, Arbeitslösung für 2 Dosenfüllung eines Jobo Tanks (2523) ansetzen. Pro Dosenfüllung ist die Enwicklung von mind. 6 Farbfilmen am Stück problemlos möglich. Die Filmentwicklung kostet mich in der Schweiz zwischen 5,- (dann zzgl. Versandkosten) und 9,- CHF. Da muß man kein Rechengenie sein…

Abenteuer Filmentwicklung

Es ist vollbracht. Ich melde Vollzug. Ich habe meinen ersten S&W-Film selbst entwickelt! Wenn ich mir überlege wie nervös ich vorab war, dann ist das Ganze in der Nachbetrachtung reichlich unspektakulär, aber der Reihe nach.

Das notwendige Equipment hält sich eigentlich im Rahmen. Klar, die Fotochemie brauchts, in anderen Worten Entwickler und Fixierer, entsprechende Behältnisse zum Einmessen der Flüssigkeiten, ein Thermometer um die optimale Temperatur sicherzustellen (ich hab kurzerhand das Badethermometer von meinem Junior zweckentfremdet), einen Wechselsack um den Film heil in die Entwicklerdose (die braucht man demnach auch) zu bekommen und noch eine Zange und Schere zum Öffnen des Films und Abschneiden der Filmrolle.

Von der Spuersinn Crew hatte ich eine hervorragende Anleitung wie bei dem ganzen Spass zu verfahren ist. In Kurzform: Entwicklerdose, Filmpatrone, Zange und Schere in den Wechselsack. Filmpatrone mit Zange öffnen, verjüngten Filmanfang abschneiden, mit Ritsch-Ratsch Bewegungen auf den Filmhalter fädeln, Filmhülse an Ende abschneiden. Filmhalter auf Achse stecken, das Ganze in die Entwicklerdose und Dose zudrehen.

Im Licht, ausserhalb des Wechselsacks geht es weiter. Wasser in die Entwicklerdose, Entwickler und Fixierer im Mischungsverhältnis nach jeweiliger Angabe auf der Flasche ansetzen, Wasser wieder raus aus der Dose und Entwickler rein. Alle paar Minuten schuetteln, aufklopfen (Sauerstoffbläschen abschuetteln) und nach abgelaufener Entwicklungszeit (Flaschenangabe) bei immer noch verschlossener Entwicklerdose mit Wasser durchspülen. Dann Fixierer in die Dose, in meinem Fall 8 Minuten warten und – bingo – einen fertig entwickelten Film rausnehmen. Nach der ersten schnellen Sichtung noch 20 Minuten Wässern, und anschliessend zum Trocknen aufhängen.

Ich hab den ersten Film als Testlauf gesehen, deshalb stört es mich auch nicht weiter, dass das Sigma 18-200 wohl nicht mehr für analoge Kameras gedacht ist. Die mit meiner F80 entstandenen Bilder zeigen jetzt alle einen netten Kreisausschnitt. Naja, ich war unterwegs und dachte mir was solls, ist eh nur der Testlauf, wieder daheim machte ich dann noch die letzten 6 Bilder mit dem alten Sigma 70-210 – passend zur Kamera und ich freue mich auf weitere analoge Fototouren. Ich habe Blut geleckt…

Ich muss meine Aussage von oben in soweit korrigieren, dass der Aufwand des Entwickelns unspektakulär ist. Das Gefühl selbst zu entwickeln und das Ergebnis sind sensationell und ausgesprochen spektakulär. Jetzt steht nur noch im Raum, wie ich aus meinen Negativen – Positive mache…