Das Wetter ist so lala, die beste Ehefrau von allen liegt mit schwerer Migräne ausser Gefecht im Schlafzimmer, da könnte man doch die jüngste Neuerwerbung mal in den eigenen 4 Wänden mit einem ,wenn auch etwas zappeligen, Model austesten.
Das Aufnahmeopfer wird mit dem Lieblingszeichentrickfilm einigermassen ruhig gestellt und schon geht’s los. Der Sound der Kiev 60 ist wirklich gigantisch, ich befürchte schon aus Richtung Krankenlager Protestrufe von wegen Hammerschläge o.ä. zu hören, aber nichts dergleichen. Ruck-zuck wird der U200 12 mal dem Licht ausgesetzt und sodann 6:30min im guten alten Rollei RHS (1:9) gebadet. Bis dahin hätte es eine Erfolgsstory werden können, wäre ich nicht auf die glorreiche Idee gekommen den mit dem DuKa-Equipment mitgelieferten Filmabstreifer auszutesten. Bei meinen letzten Negativen haben sich immer mal wieder Wasserflecken gezeigt und das Netzmittel hab ich bei meiner letzten Bestellung bei den Spuersinn-Leuten vergessen. Mit festen Griff wird der Film einmal von oben nach unten mit zwischen den Gummilippen durchgezogen, cool, schon fast trocken…
Die anfängliche Begeisterung über turbogetrocknete, wasserfleckenfreie Negative weicht bei näherer Betrachtung blankem Entsetzen. Begleitet von mehreren Salven nicht jugendfreier Flüche entdecke ich dank Abstreifer 1a freigelegtes Trägermaterial – leider mitten durch sämtliche Aufnahmen.
Mit der Erkenntnis endlich Netzmittel zu bestellen und zukünftig auf Abstreifexperimente jenseits meiner Finger zu verzichten, wird der Scanner beladen um wenigsten die Aufnahmequalität der Russenlady beurteilen zu können. Nachdem ich sämtliche Männerklischees erfüllt habe, indem ich 40 Minuten versuche das Rätsel zu lösen, warum mir die Scankiste ein Filmformat 120 6×12 aufdrücken will, um dann doch zum ersten mal die Bedienungsanleitung in die Hand zu nehmen, fällt es mir wie Schuppen aus den nicht vorhandenen Haaren woran ich schon bei vorangegangenen Scanversuchen teilweise gescheitert war. Na toll.
Zumindest stimmen mich die Ergebnisse der Neuerwerbung zum Schluss versöhnlich. Ein guter Kauf, und ein paar Klicks mit dem Reparaturpinsel in Photoshop machen die Fotos, zumindest digital, vorzeigbar.


