Faulenzia Stinkadoris

Himmel, was war ich vor meinem Urlaub ambitioniert. Was wollte ich nicht alles an fotografischen Aktivitäten entwickeln… Das Ergebnis ist eher dürftig. Ich traue mich ja fast nicht es zu sagen, aber ich habe primär 2 Wochen daheim vor mich hingegammelt und gar nichts gemacht. O.k., ein wenig Haushalt, mit dem Zwerg spielen, auch mal gebacken – Alltag eben, aber die kreative Ader lag weitestgehend brach.

Vielleicht liegt es daran, dass die Fotografie bei mir auch starker Ausgleich für beruflichen Stress ist. Quasi der Gegenpol, der die Waage einigermassen im Lot hält. Vielleicht ist das auch alles quatsch und ich war einfach ein fauler Sack.

Spielt letztlich keine Rolle. Gelassenheit ist das Zauberwort. Fotografie ist ja kein Leistungssport und hin und wieder einfach nur die Seele baumeln lassen tut einfach gut!

Wie Einstein sagt

Schon Einstein wusste: alles ist relativ. War ich bislang noch der festen Überzeugung, Diafilm ist der bessere Farbfilm und habe unter diesem Eindruck kräftig und Literweise Chemie auf Vorrat gekauft, schwindet diese Überzeugung aktuell gerade wieder.

Das Wochenende bot neben unfreiwilligem Besuch der Züricher Occupy-Demo, die Gelegenheit drei verschiedene Farbfilme auszuprobieren. Ins Rennen gingen der Kodak Ektar 100 (Bsp.1), der Kodak Portra 160VC (Bsp.2) sowie der Fuji Pro 160C (Bsp.3). Fotografiert wurde mit der Pentax 67, die auch kurz ein wenig ins Reportagefach wechseln durfte (2-3 Aufnahmen der Demo), aber nicht wirklich dafür geeignet ist. Mir gefallen alle 3 Filme ausgesprochen gut, wobei ich den Fuji als am Neutralsten in der Farbwiedergabe empfinde. Der Hang zu überbetonten Erd- und Rottönen zeigt sich beim Ektar recht gut im Bereich des Himmels, der zum Aufnahmezeitpunkt eine graue Suppe war und gerade beim Ektar mit einem deutlichen Gelbstich im Bild aufwartet.



Was aber viel wichtiger ist: ich kann nicht wirklich einen qualitativen Unterschied zum Diafilm ausmachen. Gut, ich messe nichts aus und lege auch keine Filmstreifen unters Mikroskop, aber für den normalsterblichen Betrachter ergeben sich aus meiner Sichtweise keine auffälligen Qualitätsunterschiede.

Entwickelt wurde übrigens zum ersten mal im rapid-Verfahren, d.h. bei einer Entwicklungstemperatur von 45 Grad Celsius. Nachdem ich ja bereits bei der E6 Entwicklung mit hohen Prozesstemperaturen Erfahrungen sammeln konnte und keinerlei Schwierigkeiten hatte, sollte das beim C41 Prozess ebenfalls kein Problem sein. War es auch nicht, alles hat wunderbar funktioniert und wenn man sich alleine die Zeitersparnis für den Prozesschritt Entwicklung betrachtet (danach folgen ja noch Bleiche, Fixierung und Stabilisierung), dann sind 2 statt 13 Minuten schon ein Quantensprung.

Ach ja, nachdem Silverfast in der alten Version unter Lion leider nicht mehr funktioniert, scanne ich aktuell mit Vuescan. War ich anfangs noch skeptisch, trumpft das Programm gerade bei Farbnegativen unwahrscheinlich auf. Die Geschwindigkeit und Fehlererkennung sind einwandfrei und ich empfehle zusätzlich noch das PS-Plugin “Colorperfect“, mit dessen Farbprofilen für nahezu jeden Farbfilm man Top-Ergebnisse erzielen kann. Schwarzweiß finde ich persönlich noch immer unter Silverfast besser gelöst, aber das kann ich ja nun nicht mehr einsetzen und die neue Variante mag ich z.Zt. nicht kaufen.

Sonnenhut und Regenwetter

sonnenhut-und-regenwetter
Das sind rechts übrigens keine Flecken auf dem Film, sondern die Original-Fettbranken des Nachwuchses, der sich gerne und permanent auf den Fensterscheiben verewigt.

Glück

Man sollte ja sein Glück nicht überstrapazieren. Die letzte C41 Entwicklung noch in Erinnerung, dachte ich mir “die Chemie ist noch in Ordnung, aber machen wir ruhig einen Testfilm vorab.”

Gesagt, getan, der Junior ist immer wieder ein dankbares Modell und schon hatten wir einen Testfilm im C41 Bad. Wie auch bislang gehandhabt, wurde der Entwickler frisch angesetzt, mit Bleiche, Fixierer und Stabi-Bad sollte ich doch noch hinkommen, und in der Tat kam mir der Testfilm 1a aus der Rolle entgegen.

Dann kann mit den wertvollen Urlaubsfilmen ja nichts mehr schief gehen. Also flugs die Rolle mit zwei Spulen befüllt, und auf ein Neues. Um beim Entnehmen böse von einer grünlich-blauen Trägerschicht überrascht zu werden. Wo bleibt mein sattes Orange? Bitter, wenn sich die Grenzen der Chemieverwertbarkeit gerade in dem Moment einstellen. Waren das demletzt nicht mehr Filme, die ich entwickeln konnte?

Nunja, nach 2 Minuten Gebrüll, weiteren 10 Minuten extrem schlechter Laune komme ich zu dem Schluß: erstens wieder was gelernt. Das nächste mal nicht mehr als 5 Filme. Basta. Zweitens, schauen wir doch mal was bei der Cross-Unfall-Chemiescheisse rumgekommen ist. Demnächst verkaufe ich dann meine Chemieabfälle als Kreativentwickler ;)

Und wenn alle Stricke reißen kann ich die Bilder immer noch schwarz-weiß umwandeln. Gut, jetzt sehe ich halt nicht wie der Fuji Superia wirklich aussehen soll, aber ich hab ja noch ein paar Reserven…

Farbfilm

Klar, jetzt wo allenorts der Schnee vom Himmel rieselt fällt mir schmerzhaft auf, dass ich all die ambitioniert gekauften Farbfilme natürlich nicht zum Einsatz gebracht habe. Herbstfarben einfangen? Pustekuchen!

Da mir gerade wieder ein wenig nach nackig in der Fotografie ist könnte ich mich ja mal indoor in Farbe versuchen. Nackt in Pastell sozusagen, da gibt es ja durchaus das eine oder andere sehr nette Beispiel. Oder auf den Frühling warten? Oder zum Urlaub in die Sonne fahren und den Farbfilm nicht vergessen? Entscheidungen… ;)