Wochen und Monate mit Dauerregen und sibirisch anmutender Kälte trotz kalendarischen Sommer hält auf Dauer auch der kälteresistenteste Mitteleuropäer nicht aus und da noch ein wenig Erholung vom täglichen Brötchenverdienen, am besten mit Ortsveränderung, angesagt ist, startet man samt Familie Richtung Kanarische Inseln. Urlaubszeit ist schließlich Sonnenzeit. Ziel: Fuerteventura.
Es gilt das Refugium sonnenverwöhnter Renter und Frühpensionäre aufzumischen. Dank Holidaycheck konnten wir mit der Hotelwahl nicht ganz daneben liegen und wurden in der Tat positiv überrascht. Das gebuchte Doppelzimmer mit Meerblick erfuhr ein kostenneutrales Upgrade zur Junior-Suite, da das “zu dritt ja sonst etwas eng“ würde. Das hört man doch gerne. Was man noch hört ist deutsch. Allerorts und mit jedem denkbaren Lokalkolorit. Aha – wir sind also auf so einem berühmt berüchtigten Teutonengrill gelandet. In der Tat beherbergt das Hotel ausschließlich Deutsche, Schweizer und einige Engländer.
Architektonisch kein “Schmuckstück” sondern eher der übliche Bunkerkomplex, angeblich noch zu Francos Zeiten erbaut, ist trotzdem alles da, was man so braucht. Poollandschaft, Tennisplätze, Fitnesscenter und vor allem eine traumhafte Lage inmitten des Dünen-Landschaftsschutzgebietes, d.h. kein künstlich angelegter Strand sondern echte Sandküste.
Trotz statistischer null Niederschlagstage im Juni hat es einmal kurz geregnet, ansonsten das wohl typische Fuerteventura Wetter. Sonne, ab und an etwas mit Wolken durchzogen und eine ganze Menge Wind. Mein ursprüngliches Vorhaben das Kite-Surfen zu erlernen konnte ich dank des heftigen Einspruchs der besten Ehefrau von allen und der insgesamt doch etwas kurzen Aufenthaltsdauer gleich wieder zu den Akten legen. Dafür gab es ausgedehnte Strandspaziergänge, Inselexkursionen mit dem Mietwagen und natürlich Badespass.
In Sachen Spass gab es noch so einiges zu bestaunen, wobei nicht alles was dem Auge geboten wird, will man auch wirklich sehen. Auch als Fotografierender nicht. Angesichts des Durchchnittsalters der Urlauber konnte man dank dem teilweise aufflackernden FKK-Trieb einiger Gäste Gammelfleich in einer neuen Dimension erleben. Und ich hätte es ja nicht für möglich gehalten, aber das morgendliche Liegenreservieren ist keine Mär, sondern tägliche Routine des geübten Urlaubers. Da nützen keine schriftlichen Bitten der Hotelleitung man möge das doch bitte unterlassen, nein, wenn der Deutsche schon keine Schützengräben mehr zur Verteidigung hat, müssen eben Liegen herhalten.
Das Essen war sehr gut, und hat mit knappe 2,7 zusätzliche Kilo eingebracht, die ich jetzt wieder abspecken darf. Wir haben in einer Woche 4 Tischnachbarn verschliessen, da man das kindlichen Ungestüm eines Zweieinhalbjährigen wohl nicht gewohnt ist. Das letzte Ehepaar war dabei mein Favorit. Beide permanent mit bistigem Gesichtsausdruck und permanentem Blickfeuerwerk auf unseren Spross und seine Essensakrobatik, dann eifriges Herbeizitieren des Obers und Bitte um einen anderen Tisch (den sie aber erst 2 Tage später bekommen haben) und dazu dann halblautes Genöle über Erziehungsmethodik und die guten alten Zeiten. Mir schleierhaft wieso sich dann gerade solche Herrschaften an den Kinderpool legen, aber ich muss ja nicht alles verstehen. Und dass ich ihre Louis Vuitton Handtasche im Vorbeigehen heruntergeschmissen habe war dann auch wirklich keine Absicht. Es war halt so eng und wie gesagt 2,7 Kilo mehr auf den Hüften und ich hab’s auch gar nicht gemerkt und konnte mich deshalb nicht bücken oder mich entschuldigen…


