Nerve ich Euch eigentlich schon mit meinen Vandyke Exkursionen? Tut mir leid (nein tut es nicht), aber das Thema wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen.
Meine Zwischenbilanz in Sachen Vandyk´schem Edeldruck sieht bislang wie folgt aus:
Papier: Aquarellpapier ist entgegen meinen anfänglichen Aussagen eine ganz hervorragende Grundlage für Vandyke. Allerdings unterscheiden sich die unterschiedlichen Papiere leicht in der Verarbeitung, hinsichtlich Dauer des Wässerns, etc. Bei meiner üppigen Einkaufstour in Sachen Büttenpapier habe ich vorrangig auf grobe und stark strukturierte Papiere gesetzt, bloß passt die Brachialstruktur nicht zu jedem Motiv. Keine Ahnung welcher Teufel mich da geritten hat. Hier muss ich jedenfalls nochmals nachkaufen.
Emulsionsauftrag: der Emulsionsauftrag ist in meinem Workflow noch immer ein Schwäche. Phasenweise gelingt mit das gut, dann wieder weniger. Ich habe Versuche mit ausgewiesenen Emulsionspinseln, normalen Baumarktpinseln und Schwämmen gestartet, mit Emulsionsauftrag direkt auf dem Papier, vorherigem Tränken des Schwamms bzw. Tränken des Pinsels in der Laborschale. Letzte Version favorisiere ich nach wie vor.
Was den Ausschnitt auf dem Papier angeht, war ich anfangs glücklich überhaupt einen einigermassen gleichmässigen Auftrag ohne grössere Lücken hinzubekommen. Das gelingt nun immer öfter, allerdings stören mich aktuell die scharfen Bildränder. Das (umkopierte) Negativ habe ich bislang kleiner als den Emulsionsauftrag gewählt, was sichtbar scharfe Kanten verursacht und insbesondere bei den Folienränder, die für den durchsichtigen Folienbereich einen nebligen Effekt ergeben, nochmals den unharmonischen Eindruck verstärkt. Ich werde zukünftig versuchen so aufzutragen, dass ich nur 9X% des Negativs wiedergebe und vermutlich ohne Schablone arbeiten, da mir persönblich die Pinselstrichränder besser gefallen, als scharfe Schablonenränder.
Belichtung: bei der Belichtung fehlt mir auch noch der Weisheit letzter Schluß. Zuerst einmal verstehe ich mittlerweile warum sich Leute extra Belichtungsrahmen bauen. Der Anpressdruck zwischen Papier und Negativ spielt eine entscheidende Rolle um scharfe und detaillierte Drucke zu erzeugen. Mit meinem Notbehelf eines zweckentfremdeten Bilderrahmens ist das teilweise Glücksspiel. Und dann die Belichtung. Ich weiß ja nicht was für ein UV-Monster ich da ersteigert habe, allerdings werden alle Belichtungen über einer Minute viel zu extrem. Möglicherweise muss ich auch nochmals mit dem Abstand zur UV-Quelle spielen. Gefühlter Umkehreffekt der recht kurzen Belichtung ist allerdings die fehlende Kraft und Tiefe in den Mitten und den Schattenbereichen. Schwierig.
Was ich überhaupt nicht bestätigen kann ist die angeblich träge Reaktion der Vandyke-Emulsion auf Licht und die fehlende Kritikalität auf Umgebungslicht beim Prozessschritt Auftragen. Ich empfinde die Angelegenheit als hochreaktiv und strenges Rotlicht ist ein Muss!
Wässern und Fixieren: Zumindest zum Wässern gibt es sehr viele unterschiedliche Aussagen. Als Fixage verrichtet bei mir das gute alte A300 seinen Dienst. Ob meine Vandykes wirklich archivfest sind wird die Zeit zeigen.
Spannend dürfte das Thema Tonung werden. Die soll ja erstens nochmals einen Einfluss auf die Haltbarkeit haben aber vor allem Farbgebung beeinflussen und teilweise verstärkende Wirkung haben. Gold- und Selentonung dürften wohl mein Einstieg werden.
Alles in allem hat der Vandyke Prozess für mich erneut eine Tür aufgestossen oder auch Pandoras Box geöffnet. Die Neugier nach den Möglichkeiten der alternativen Prozesse ist entfacht und abgesehen von der Tatsache das aktuelle Verfahren sicher beherrschen zu wollen – ich will noch viel mehr!


