Zum Schicksal des leidgeprüften Auktionsjägers für analoges Kameraequipment gehört auch, dass Fortuna ab und an etwas schläfrig ist und sich die als makellos angepriesene Ware, als nicht ganz so fehlerfrei herausstellt.
Wo der eine zur sofortigen Rückabwicklung schreitet, beschleunigt sich bei mir, zumindest bei vertretbarem Auktionspreis, der Bastlerpuls und ruft: Komm schon, demontieren, nachschauen und im Zweifelsfall Erfahrungen sammeln. Genau so geschehen bei meiner jüngsten Neuerwerbung. Ich hab’ ja eine Schwäche für die Asiaten der 60er und 70er Jahre, und so konnte ich an der doch sehr appetitlich aussehenden Yashica TL nicht vorbei. Rudimentäre Kameratechnik, max. 1/500 Verschlusszeit und M42 Gewinde und da ich weiss wo noch ein paar interessante M42er Objektive auf mich warten…
Nunja, optisch tatsächlich top, offenbarte der Blick durch den Sucher einen etwas aus den Fugen geratenen Horizont. Total schief. Bislang war das Phänomen neu für mich. Spiegel? Sucherscheibe? Die ersten zaghaften Fragen auf Twitter ergeben im Endeffekt: Demontage. Also wird das gute Stück auseinandergenommen und nach Abheben des Kameradeckels wird klar, die Fixierung des Prisma auf einer Seite ist ausgehängt. Die nähere Untersuchung zeigt, nicht nur ausgehängt, sondern die Fixierungsmöglichkeit am Prisma ist abgebrochen aber hängt zum Glück noch an einer Ecke dran.
Nichts was 2-Komponentenkleber nicht lösen könnte und nach 1,5 Stunden Demontage und Reinigungsaufwand glänzt die kleine Japanerin doch fast wieder wie zu besten Zeiten. Jetzt bekommt sie einen Film in den Bauch und muss sich nur noch im Praxistest beweisen.


