Die ersten Begeisterungsstürme haben sich gelegt, aber noch immer bin ich schwer begeistert von den Möglichkeiten der heimischen Dia-Entwicklung. Ich gehöre ja nicht zu den Zauderern und probiere im Regelfall Dinge, die mich interessieren einfach aus. Demnach können mich auch Berichte von ach-so-schwieriger Farbentwicklung nicht abhalten. Und auch hier hat sich wieder mal bestätigt: alles halb so wild.
Zum Einsatz gekommen ist das Tetenal-3-Bad-Kit, das mit einer hervorragenden Anleitung versehen ist. Es befinden sich 6 Fläschchen darin, da der Farbentwickler sowie die Bleiche aus 2 Komponenten zusammengesetzt und mit Wasser versehen werden. Wie gesagt, sind die Details einwandfrei dokumentiert und was ganz wichtig ist: Teilansätze sind möglich. Da ich im Regelfall mit der Jobo CPE2 entwickle und die Dosen mit 270ml Füllvolumen verwende, habe ich das Kit auf 3 Ansätze à 330ml ausgelegt (etwas Reserve kann ja nicht schaden). Damit sind die versprochenen 12 Filmentwicklungen auf alle Fälle drin – theoretisch geht da sogar eine ganze Menge mehr und das geöffnete Konzentrat soll sich 24 Wochen halten.
Aktuell hatte ich 3 Kleinbildpatronen und 1 Mittelformatfilm zu entwickeln. Der Entwicklungsvorgang teilt sich in die Schritte: Vorwärmen, Erstentwicklung, Wässern, Farbentwicklung, Wässern, Bleichfixage, Wässern, Stabilisatorbad.
Auch hier leitet die beigefügte Dokumentation erstklassig durch Vorgehensweise und einzuhaltenden Zeiten, denn merke: nach den ersten beiden Filmentwicklungen in der gleichen “Brühe” verlängern sich die Entwicklungs- und Fixierzeiten. Die Erstentwicklung soll demnach der heikelste Part sein und hier spielt die Temperaturstabilität die grösste Rolle. Ich habe schon vorweg auf ca. 40 Grad temperiertes Wasser eingefüllt, und auch die Chemikalien mit entsprechend warmem Wasser angesetzt. Somit musste die CPE nicht mehr viel Heizarbeit leisten, um alles auf Temperatur zu bringen bzw. zu halten.Zielentwicklungstemperatur sind 38 Grad Celsius. An die +/- 0,3 Grad glaube ich ja nicht wirklich. Trotzdem hab ich mangels Umwälzpumpe mal alle 2 Minuten umgerührt, um eine möglichst gleichmässige Temperaturverteilung zu bekommen.
Nachdem ich als erstes den 120er “Testfilm” entwickelt hatte und bei Sichtung des Ergebnisses schwer begeistert durch die Wohnung gesprungen bin, hatte ich im zweiten Durchgang 2 Kleinbildspulen am Start – demnach zwischen der 2. und 3 Entwicklung. Ich habe dann einfach einen Mittelwert in Sachen Entwicklungszeit genommen und bin damit gut gefahren.
Das ist schon ein irres Gefühl, wenn man den Film aus der Dose zieht, zum Trocknen aufhängt und einen auf einmal Positive anspringen, die eine unglaubliche Farbbrillianz haben. Hier lässt sich schon auf den ersten Blick sagen, ob der Film etwas geworden ist oder nicht.
Sind die Filme getrocknet, kommt das Übliche. Schneiden, Scannen, Zeigen, Archivieren. In diesem Zusammenhang sei gesagt, dass ich das Scannen von Dia etwas schwieriger finde als von Negativen – das mag aber an der verwendeten Software liegen. Hier kämpfen ja noch immer Silverfast gegen Vuescan und ich kann mich nicht entscheiden, denn beide haben ihre Vor- und Nachteile.
Die Moral aus der Geschichte: Ja es gibt minimale Farbverschiebungen und ein Fachlabor wird vermutlich die bessere Ergebisse liefern können. Mein Forschergeist, mich jetzt mit pH-Werten auseinander zu setzen, um leichte Abdriftungen ins Magenta mittels Zugabe von Säure o.ä. auszugleichen hält sich in Grenzen. Ich bin von den Ergebnissen so wie sie sind begeistert. Die Farbwiedergabe ist kräftiger als bei der C41 Entwicklung, die allerdings mit ihrem Retrocharm punkten kann. Beide Entwicklungsmethoden sind gleich einfach oder schwer – aktuell würde ich dem Diafilm den Vorzug geben. Die Farben sind schon der Hammer!