Silver Footprint

Es war glaub ich mal wieder der liebe Ralf, der die Saat ausgebracht hat. Ein harmloses Youtube-Video…

Pah, harmlos – könnte man meinen. Ich bin infiziert. So richtig. Super Fotografen können wir alle lässig aufzählen. Derer Stücker zehn und zwanzig… Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass nicht jeder Fotograf seine Bilder auch selber ausarbeitet. Da kommen dann die “Printer” ins Spiel, und von denen gibt es nicht so viele, die uns sofort geläufig sind.

Robin Bell ist einer der Top-Printer und der Fetzen Video hat mich erstens dazu gebracht sofort sein Buch zu kaufen und zweitens den Wunsch bestärkt, mich viel intensiver mit dem Thema “Bild zu Papier” zu beschäftigen. Das kombiniert mit der neuentdeckten Begeisterung für große Formate lässt langfristig Böses erahnen.

Das Büchlein zeigt einen Auszug seiner Arbeiten (ich sollte mir angewöhnen, auch diese Affiliate-Links zu setzen), was einem gleichzeitig wie ein “Who-is-who” der Fotografie vorkommt. Viele der Bilder kennt man, einige nicht, so oder so für kleines Geld ein feiner Augenschmaus.

Ach ja, und angefangen hat alles hiermit:

E6

Die ersten Begeisterungsstürme haben sich gelegt, aber noch immer bin ich schwer begeistert von den Möglichkeiten der heimischen Dia-Entwicklung. Ich gehöre ja nicht zu den Zauderern und probiere im Regelfall Dinge, die mich interessieren einfach aus. Demnach können mich auch Berichte von ach-so-schwieriger Farbentwicklung nicht abhalten. Und auch hier hat sich wieder mal bestätigt: alles halb so wild.

precisa-4 Zum Einsatz gekommen ist das Tetenal-3-Bad-Kit, das mit einer hervorragenden Anleitung versehen ist. Es befinden sich 6 Fläschchen darin, da der Farbentwickler sowie die Bleiche aus 2 Komponenten zusammengesetzt und mit Wasser versehen werden. Wie gesagt, sind die Details einwandfrei dokumentiert und was ganz wichtig ist: Teilansätze sind möglich. Da ich im Regelfall mit der Jobo CPE2 entwickle und die Dosen mit 270ml Füllvolumen verwende, habe ich das Kit auf 3 Ansätze à 330ml ausgelegt (etwas Reserve kann ja nicht schaden). Damit sind die versprochenen 12 Filmentwicklungen auf alle Fälle drin – theoretisch geht da sogar eine ganze Menge mehr und das geöffnete Konzentrat soll sich 24 Wochen halten.

Aktuell hatte ich 3 Kleinbildpatronen und 1 Mittelformatfilm zu entwickeln. Der Entwicklungsvorgang teilt sich in die Schritte: Vorwärmen, Erstentwicklung, Wässern, Farbentwicklung, Wässern, Bleichfixage, Wässern, Stabilisatorbad. precisa-2 Auch hier leitet die beigefügte Dokumentation erstklassig durch Vorgehensweise und einzuhaltenden Zeiten, denn merke: nach den ersten beiden Filmentwicklungen in der gleichen “Brühe” verlängern sich die Entwicklungs- und Fixierzeiten. Die Erstentwicklung soll demnach der heikelste Part sein und hier spielt die Temperaturstabilität die grösste Rolle. Ich habe schon vorweg auf ca. 40 Grad temperiertes Wasser eingefüllt, und auch die Chemikalien mit entsprechend warmem Wasser angesetzt. Somit musste die CPE nicht mehr viel Heizarbeit leisten, um alles auf Temperatur zu bringen bzw. zu halten.Zielentwicklungstemperatur sind 38 Grad Celsius. An die +/- 0,3 Grad glaube ich ja nicht wirklich. Trotzdem hab ich mangels Umwälzpumpe mal alle 2 Minuten umgerührt, um eine möglichst gleichmässige Temperaturverteilung zu bekommen.

Nachdem ich als erstes den 120er “Testfilm” entwickelt hatte und bei Sichtung des Ergebnisses schwer begeistert durch die Wohnung gesprungen bin, hatte ich im zweiten Durchgang 2 Kleinbildspulen am Start – demnach zwischen der 2. und 3 Entwicklung. Ich habe dann einfach einen Mittelwert in Sachen Entwicklungszeit genommen und bin damit gut gefahren.

Das ist schon ein irres Gefühl, wenn man den Film aus der Dose zieht, zum Trocknen aufhängt und einen auf einmal Positive anspringen, die eine unglaubliche Farbbrillianz haben. Hier lässt sich schon auf den ersten Blick sagen, ob der Film etwas geworden ist oder nicht.

Sind die Filme getrocknet, kommt das Übliche. Schneiden, Scannen, Zeigen, Archivieren. In diesem Zusammenhang sei gesagt, dass ich das Scannen von Dia etwas schwieriger finde als von Negativen – das mag aber an der verwendeten Software liegen. Hier kämpfen ja noch immer Silverfast gegen Vuescan und ich kann mich nicht entscheiden, denn beide haben ihre Vor- und Nachteile.

precisa-6 Die Moral aus der Geschichte: Ja es gibt minimale Farbverschiebungen und ein Fachlabor wird vermutlich die bessere Ergebisse liefern können. Mein Forschergeist, mich jetzt mit pH-Werten auseinander zu setzen, um leichte Abdriftungen ins Magenta mittels Zugabe von Säure o.ä. auszugleichen hält sich in Grenzen. Ich bin von den Ergebnissen so wie sie sind begeistert. Die Farbwiedergabe ist kräftiger als bei der C41 Entwicklung, die allerdings mit ihrem Retrocharm punkten kann. Beide Entwicklungsmethoden sind gleich einfach oder schwer – aktuell würde ich dem Diafilm den Vorzug geben. Die Farben sind schon der Hammer!

Evolution

Es ist schon viel über fotografische Krisen gesprochen bzw. geschrieben worden. Ich würde nicht meinen mich aktuell in einer solchen zu befinden, vielmehr warte ich gerade auf den nächsten fotografischen Evolutionssprung.

Wenn ich mit mein Bildwerk auf der Zeitreihe betrachte kann ich sehr wohl eine Entwicklung feststellen. Natürlich habe ich immer wieder den einen oder anderen Fehlgriff getan, keine Frage, im grossen und ganzen würde ich aber behaupten mich immer wieder verbessert zu haben.

Waren vor einem oder zwei Jahren diese Evolutionssprünge noch spürbarer und in kürzeren Abständen, so lassen sie heute verdammt lange auf sich warten. Oder hat sich die Wahrnehmung verändert bzw. ist es nur die Frage, dass man im Nachhinein immer klüger ist? Ich weiss es nicht.

Nach wie vor liebe ich es ja, durch Bildbände zu stöbern und die grossartigen Fotografien mehr oder weniger bekannter Künstler zu betrachten. Dabei weiss ich selbstverständlich, dass dies oft nur der Extrakt von 1000 oder mehr Versuchen ist und die Reduktion auf die absolut besten Ergebnisse. Trotzdem kann ich mich oft genug nicht gegen das aufkeimende Gefühl des Unerreichbaren wehren, gegen den Eindruck nur eine mickrige Flamme gegenüber einem fotografischen Leuchtfeuer von Könnern zu sein.

Ich denke Selbstzweifel sind erlaubt und eine Begleiterscheinung, die alle Kreativen, nennen sie selbst sich nun Künstler oder nicht, kennen. Wie heisst es so schön, der Fortschritt ist nicht aufzuhalten, man muss ihm nur genug Zeit geben.

Trommelwirbel ohne Tusch

Der Spannungsbogen ist ja besser als bei jedem Krimi, bloß die Auflösung kann dann doch eine herbe Enttäuschung sein.

Als ich gestern meine jüngst erstandene Voigtländer Brilliant der Erstreinigung unterziehen wollte und das gute Stück aufklappte, lachte mit eine Uraltrolle Ilford entgegen. Konsequenz sind sofortige sich überschlagende Kopfkino-Szenen. Die Kamera ist aus den 30er Jahre, d.h. der Film könnte aus den 30er, 40er oder 50er Jahren stammen, danach hat man wohl eher modernere Geräte benutzt. Was könnte drauf sein? Landschaftsidylle? Dokumentationen aus Zeiten des 2. Weltkrieges? Familienaufnahmen? Pin-Ups etwa?

Es nützt alles nichts, ich muss das Ding entwickeln, fragt sich bloß wie… Die Internetrecherche erweist sich als wenig hilfreich. Das Design der Films oder detailliertere Beschreibungen kann ich nirgendwo finden. Initialzündung ist ein Telefonat mit Tilla, die meint am ehesten hat man zu diesen Zeiten mit 25 ASA fotografiert, alles andere wäre Luxus, jedoch schon gleich meine Erwartungen dämpft.

Ich kann vor Aufregung kaum an mich halten und die Rolle wandert in die Dose um mit dem guten alten Rodinal Bekanntschaft zu machen. Was soll ich sagen, die 30 Minuten Vorfreude warn es alle mal wert, das Ergebnis ist jedoch ein leerer Filmstreifen. Keine Konturen, rein gar nichts. Da kann man nichts machen

Ich könnte mich allerdings verleitet sehen gezielt nach alten, ausbelichteten Filmen Ausschau zu halten. Der Nervenkitzel ist sensationell!

Zukunftsvisionen

Welche Zukunft hat die Fotografie? Berufsfotografen jammern über schwindende Umsätze und ein immer größer werdendes Heer von Amateuren, die mit Dumpingpreisen in ihren Gefilden wildern. Bei den Amateuren ist Fotografie, spätestens seit jedes Handy eine Kamera hat, zum absoluten Volkssport geworden und mit Millionen von neuen Ablichtungen werden täglich nicht nur die einschlägigen Präsentationsplattformen sondern auch diverse Stockagenturen geflutet. Trotz Angebotsüberschuss und Discount-Preisen greift der Webdesigner dann doch zur eigenen Kamera, anstatt ein paar Groschen für ein Webbildchen auszugeben. Selbst ist der Mann und Geiz ist geil.

Wohin geht die Entwicklung? Jeder halbwegs ambitionierte Hobbysportler träumt vom Aufstieg aus der Kreisklasse in die Bundesliga. Die Erfolgsaussichten sind im Regelfall gering, aber das Anforderungsprofil des Spitzensportlers klar umrissen. Worin besteht aber die Meisterschaft der Fotografie? Welches Fähigkeiten gewähren mir Zutritt zum Olymp der Bildschaffenden? Gibts den überhaupt noch und falls ja wie lange?

Ich will nicht die Diskussion über das gute Bild oder was ist Kunst neu entfachen. Fakt ist doch eines: wenn man überhaupt noch in der Lage ist sich halbwegs einen Überblick über das Megaangebot an omnipräsenten Fotografien zu verschaffen, so glänzt eine Vielzahl davon vor allem durch eines – Austauschbarkeit. Ich könnte Ergebnisse von X und Y beliebig durcheinander würfeln und kein Dritter würde einen nennenswerten Unterschied zwischen den Ergebnissen feststellen. Wechseln wir ins Profilager. Ich bin kein Magazinleser aber auch hier glaube ich zu bemerken, dass die Zeit der großen Cover vorbei ist. Innovative Ideen sind Mangelware und dank EBV muss eigentlich auch kein bekannter Name mehr auf den Auslöser drücken. Die Posen sind millionenfach bewährt und gestaltet wird mit Weichzeichnungsfilter und Verflüssigenwerkzeug. Im schlimmsten Fall wird einmal komplett zerschnippelt und die Gliedmaßen neu zusammen gesetzt. Frankenstein lässt grüßen.

Da sich im Brot und Buttergeschäft die Fotografen gegenseitig kanibalisieren kann sich der finanzielle Erfolg eigentlich nur noch in Nischen einstellen. Spätestens hier kommt man wahrscheinlich wieder auf die Kunst zurück und muss sich mit der Frage auseinandersetzen welche Kunstnische kann ich besetzen oder sogar definieren und wie stehts um meinen Wiedererkennungswert. Auch glaube ich, dass der Fotograf von heute an der Diversifikation nicht vorbeikommt. Auf einem Bein steht man schlecht und es gilt zu überlegen, wie auftragsschwache Zeiten überbrückt werden können, ohne auf das vermeintliche Allheilmittel der Preisspirale zurückgreifen zu müssen.

Bleibt die Frage, wie sich der ambitionierte Amateur mittelfristig verwirklicht. Die oft getätigte Aussage “ich mach das ja alles nur für mich”, gekoppelt mit der Präsentation des eigenen Werkes auf einer Community Seite oder dem persönlichen Blog, begleitet von aktiver Diskussion und fleißigem Kommentieren, relativiert den reinen Ich-Bezug aus meiner Sicht. Man will doch wahrgenommen werden, wenn möglich gelobt werden und richtet die eigene Entwicklung oft genug am erhaltenen Feedback aus. Findet eine Entwicklung statt wird die Kreisklasse vielleicht irgendwann zu eng man möchte in der Regionalliga spielen…

Über den Niedergang der Berufsfotografie haben schon viele Leute geschrieben, die das Thema wesentlich besser kennen. Deshalb verkneife ich mir das und setze folgende These für alle Amateure in die Welt:

Ich glaube es wird sich ein neues Qualitätsbewusstsein in der Fotografie herausbilden und eine ambitionierte Hobbyfotografie wird mittelfristig von einem wie auch immer gearteten Kunstbegriff, möglicherweise begleitet von einem kommerziellen Aspekt, nicht zu trennen sein.