Männlein auf der Schulter

Mr. Good and Mr. Bad Guy, die Ratgeber und wohlbekannten Einflüsterer in allen Lebenslagen. In zahlreichen Cartoons symbolisiert als Engelchen und Teufelchen. Wenn man sich darauf konzentriert, kann man dem Wechselspiel der beiden folgen. Es läuft ungefähr wie folgt ab:

Nehmen wir den z.B. Kauf eines lang ersehnten Stückchens Fototechnik. Stolz präsentieren wir der versammelten Sippe die jüngste Jagdtrophäe und natürlich recken sich die einen oder anderen Hände entgegen, um das gute Stück auch mal selbst befühlen zu können. Schon meldet sich Mr. Bad Guy und will zwar die bewundernden Blicke für das Schmuckstück einheimsen, es um Himmels Willen aber nicht aus der Hand geben. Aber noch scheint er nicht richtig bei der Sache und Mr. Good Guy bringt uns dazu, den Neuerwerb mit einem wohlwollenden Lächeln weiter zu reichen.

Während wir beobachten wie unsere Kamera in fremden Händen hin und her wandert, gedreht wird und man an verschiedensten Knöpfen herum nestelt, steigen langsam aber sicher die ersten nervösen Schweißperlen auf unsere Stirn. Schon zischelt uns Mr. Bad Guy ein “hätte ich Dir auch gleich sagen können” und “das wird böse enden” ins Ohr, während Mr. Good Guy ganz entspannt in der Ecke lümmelt, uns beruhigend zunickt und beschwichtigende Gesten mit der Hand macht.

“Für was ist denn dieser Hebel?” schallt es uns entgegen und ohne die Antwort abzuwarten wird an der Filmtransportkurbel gedreht. Unser gequältes Lächeln wird begleitet von den Worten “Och, das ist nur der Filmtransport, na, genug gesehen?” und wir strecken unsere Hände aus, um unser Spielzeug möglichst schnell wieder in Sicherheit zu bringen. Währenddessen bringt sich Mr. Bad Guy auf unserer Schulter in Position und richtet sich zu voller Größe auf. “Aha, und ausgelöst wird hier?” Abermals stellt sich die Frage als rhetorisch heraus und eine unmittelbare Aktion folgt. “Du, das klemmt aber irgendwie”. Mr. Good Guy kann gar nicht so schnell schauen, wie Mr. Bad Guy ihm mit einer blitzsauberen Rechten ins vorübergehende Nirwana schickt. Mit 2 zügigen Schritten überwinden wir die Distanz zum dreisten Technikdilettanten, schleudern ihm ein “Lass mal, Du machst das kaputt” entgegen und reißen dem völlig verdatterten Kerl die Kamera aus der Hand, um sie stirnrunzelnd zu untersuchen und ihn mit vernichtenden Blicken zu strafen.

Tja, wir können gar nichts dafür. Es ist Mr. Bad Guy, der uns in solchen Lebenslagen zu Ekelpaketen werden lässt. Wäre Mr. Good Guy mal etwas wachsamer gewesen und hätte auf seine Deckung geachtet. Aber nein – zur Strafe darf er sich jetzt darum kümmern stimmungsaufhellend tätig zu werden. Denn komisch, die anderen scheinen auch ihre stetigen Begleiter auf der Schulter zu haben und die sind uns irgendwie gerade nicht mehr sonderlich wohlgesonnen…