Es schadet gar nichts, sich hin und wieder mal beim Betrachten einer Fotografie, die einem gefällt zu Fragen – wieso eigentlich?
Der eine oder andere mag mitbekommen haben, dass ich mir gerade einen neuen Bildband für die Bibliothek gegönnt habe. Elliot Erwitt’s Personal Best. Ein Grossteil der Aufnahmen sind persönliche Aufnahmen von Erwitt, die er neben seinen kommerziellen Arbeiten gemacht hat. Unter anderem übrigens auch eine Menge im Film-noir Stil, den die Herrschaften bei Spuersinn gerade so schön thematisiert hatten. Ich kann den Schinken schon mal von ganzem Herzen empfehlen. Seite auf Seite Schwarzweiß-Fotografie vom Allerfeinsten. Aber zurück zur Ausgangsfrage.
Beim genüßlichen Durchstöbern eben jenen Buches und wechselnden Ausrufen der Begeisterung ist mit auf einmal aufgefallen – he, was dir hier gerade so gefällt ist doch total unscharf, technisch ungenügend und wird in jeder besseren Community-Diskussion hinten runter fallen. Kann doch nicht sein, oder? Kann eben doch sein – ich konnte Stimmungen der Szenen spüren, konnte mir die Geräusche und Bewegungen vorstellen und war mittendrin. Ich habe über ein davor und danach des Augenblicks spekuliert, über Zusammenhänge und Orte. Ganz grosses Kino also.
Man sollte sich wirklich mal eine Zeitlang ausschließlich mit der Frage beschäftigen, warum einem Dinge gefallen. Das ist viel schwieriger als zu kritisieren, aber der Erkenntnisgewinn ist wesentlich höher. Finde ich zumindest.
Bildschärfe wird total überbewertet…


