Experimentelles

Im letzten Beitrag bereits angekündigt, wollte ich das Portrait “Bust” als VanDyke umsetzen und dabei ausprobieren, ob es eine Möglichkeit gibt, eine Struktur von gerissenem Stein zu simulieren. Wie bei einer in Stein gemeißelten Büste eben, die schon einige Jahre auf dem Buckel hat.

Zuerst habe ich an Folie gedacht. Frischhaltefolie o.ä., möglichst zerknüllen um eine zufällige, nicht wiederholbare Struktur zu erhalten und das unter die Glasscheibe legen. Hat nicht funktioniert, der einzige Effekt war ein Unschärfeschleier auf dem Print. Danach dachte ich an Farbe zwischen 2 Glasplatten. Kennt ihr, oder? Farbe auf Glasplatte verteilen, andere Platte drauf, abziehen und man erhält eine nette, zufällige Struktur. Naja, mit den verfügbaren Wasserfarben (was anderes war nicht im Haus), hat das nicht funktioniert, da braucht es wesentlich zähflüssigeres Material. Dann eben Wasserfarbe auf eine Glasplatte und mit der zusammengeknüllten Folie von vorher eine Art Tupftechnik versuchen. Auf dem Gesicht hat das ebenfalls nicht funktioniert. Um Risse im Material zu simulieren braucht es wesentlich schärfere Linien. Der einzige Effekt, den ich hatte war, das Zeichnung im Gesicht verloren gegangen ist, weil nicht mehr genug UV-Licht auf den Bereich gefallen ist. Was ich allerdings feststellen konnte war, das mit letztgenannter Technik sich ganz nette Hintergrundeffekte bewerkstelligen lassen, insbesondere wenn man einen flächigen, dunklen Hintergrund hat.

Ziel nicht erreicht, aber einiges gelernt. Das war der Auftakt um meine Mikroserie “Apes” (das mit den 3 weisen Affen) umzusetzen. Ach ja, falls jemand eine gute Idee hat um die Ursprungsidee zu realisieren, nur raus damit. Ansonsten habe ich zumindest meine neue “Zaubersuppe” ausprobiert. Ich sag nur Palladiumtoner. Ist genial!

Baum

Kleine Testreihe in Sachen Edeldruck. Cyano und Vandyke sollte es sein. Vorweg: die Cyanos hab ich total versemmelt. Schrottiges Negativ, schlechtes Papier (Hahnemühle 300 rauh – eignet sich so überhaupt nicht…), aber die Vandykes. Ich hatte noch ein Negativ aus der Adox Box, das es mir angetan hat und genau das wollte ich mal austesten. Mir gefallen die Ergebnisse ausgesprochen gut, allerdings wird die Wahl für eine Tonung diesmal schwierig. Sie kommen irgendwie alle gut (allerdings nicht wirklich als Scan).

Müsste ich mich entscheiden, wäre es diesmal wohl die Carbon-Variante. Und ich würde vielleicht darüber nachdenken ggf. 30 sec. weniger zu belichten – aber nur vielleicht.

Edit:
Das Original kann man übrigens hier ansehen.

Denim

Ich bin ja noch den Nachtrag zur Cyano-Tee-Tonung schuldig. Hier also das finale Ergebnis und im Vergleich dazu gleich nochmals das gleiche Motiv als “normales” Cyano. Ich mag den Tonungslook sehr gerne, er hat sowas von ausgewaschener Jeans, deshalb taufe ich ihn hier und jetzt “Denim”.

Wie immer ist der Scan für’s Web nicht mit dem Original zu vergleichen, aber die Richtung stimmt zumindest. Ich bin zufrieden. Mit beiden!

Tea & Coffee

Heute haben sich Erfolg und Misserfolg die Waage gehalten. Die arktischen Temperaturen prüfen auch meine Leidensfähigkeit und somit scheiden zur Zeit Dunkelkammeraktivitäten schlicht und ergreifend aus. Zum Glück haben wir die alternativen Verfahren und hier die gerade angetestete Cyanotypie.

Ein Negativ ist mir schon die ganze Zeit im Kopf herum gespukt. Der “Bad Hair Day” – ein Ergebnis des von mir so hoch geschätzten U125 in Caffenol entwickelt. Farblich hatte ich hier nicht das klassisch Preussisch-blau im Sinn, sondern eine bräunlich getonte Variante unter Verwendung von Tee. Teetonung gibt den Cyanos einen, nach meinen Geschmack, herrlichen Duoton – das blau wird dunkler, etwas dreckiger und das Papier nimmt in den Lichtern einen Tee-Stain an, der zu einigen Motiven ganz ausgezeichnet aussieht. Soweit der Plan.

Es hat fast alles funktioniert, die Färbung ist genau wie ich sie mir vorgestellt habe, wäre da nicht das Negativ, das mich zur Verzweiflung bringt. Der erste Wurf war viel zu dunkel im Gesicht, die jetzige Variante eigentlich perfekt, bis auf den Stirnbereich, der in den Lichtern viel zu stark ausgefressen ist. Für heute musste ich mich allerdings geschlagen geben, da der Drucker sich weigert mit leeren Patronen weiter zu arbeiten. Morgen also auf ein Neues und unten das vorläufige Ergebnis.

Achtet auf den Farbton und ignoriert einfach mal die unperfekten Lichter – ich werd’s nochmals machen…

I’m blue

Naja, vielleicht kein logischer Schritt mit VanDyke zu beginnen und sich später der Cyanotypie zuzuwenden, aber mir wollte zu Beginn die Blaufärbung nicht wirklich gefallen. Nach einiger Beschäftigung mit VanDyke und anderen Edeldruckvarianten, kamen mir bei meinen Rechercheaktivitäten aber auch immer wieder die Drucke in Preussisch-Blau unter die Augen. Und da waren sensationelle Sachen dabei.

Also wurde bei meiner Chemiebestellung für das nächste grosse Abenteuer dann halt auch ein Cyano-Set mitbestellt. Es war günstig, ich war mittlerweile unheimlich neugierig und heute habe ich mal einen Schwung meiner ersten Versuchsnegative aus der VanDyke-Premierenzeit eben jenem Cyano-Prozess unterzogen.

Ich bin begeistert! Das Verfahren ist wirklich sehr einfach, einmal mehr, wenn man schon die ersten Klippen des VanDyke-Prozesses umschifft hat und es gibt Motive, zu denen passt blau ganz ausgezeichnet.

Wer überhaupt mal in das Thema alternative Prozesse reinschnuppern will, dem sei die Cyanotypie dringend ans Herz gelegt. Das schöne ist ja, dass hier auch digital- ja sogar iPhone-Fotografen zum Zug kommen können!