Dass ich die 6×6 aus der Rolleischmiede dem Schwedenwürfel vorziehe, habe ich bereits berichtet. Obwohl sie es mir nicht leicht gemacht hat, die SL-Klasse.
Kaum war das Objekt der Begierde bei mir angekommen und ich voller Begeisterung ob des perfekten optischen Zustands schier aus dem Häuschen, stellte sich Minuten später Ernüchterung ein. Irgendetwas stimmte nicht. Tatsächlich wollte der Spiegel nicht so zurückklappen wie er das sollte. Kamera seitlich halten – funktioniert. Kamera normal halten *mööp* – nix tut sich. Der kurzfristige Abbau des Schachtsuchers samt Sucherscheibe brachte Gewissheit: der Spiegel verweigert den kompletten Rückzug.
Wie schnell sich doch der Gemütszustand von himmelhochjauchzend zu Flüche allerübelster Couleur ausstossend ändern kann. Na klar, deshalb hat der gute Verkäufer auf Paypal verzichtet. Deshalb war der Umtausch ausgeschlossen. Deshalb… ganz ruhig durchatmen. Vielleicht ist das alles nicht so wild. Also den Meister der Rollei Reparatur kontaktieren. Juergen Kuschnik in Frankfurt. Die kurzfristige Ferndiagnose sagte: kenn ich, bekanntes Problem. Vermutlich verharzte Mechanik, d.h. Auseinandernehmen, Reinigen, neu zusammensetzen und schmieren, dafür gibt es perfekt neu eingestellte Zeiten.
Also macht sich meine SL66E auf Reisen, und ich werde wenige Tage später mit der Information über weitere “hidden-features” beglückt. Fehlerhafter Scheimpflug, leicht eingedrückter Zeitwahlknauf, störrische Blende – es wird teurer – und somit wandelt sich der Schnäppchen-Ersteigerungspreis zum Invest jenseits von gut und böse. Das war dann der Moment wo sich Illuminate-Inkasso anschickte auf seine unnachahmlich charmante Art und Weise Geld zurück zu holen. Mit Erfolg.
Die Lady sieht von aussen noch immer erstklassig aus, ist jetzt aber unter der Haube geliftet und schnurrt wie frisch vom Band gerollt. Die nächsten 30 Jahre als fotografisches Arbeitstier dürften somit gesichert sein…


