Adox MCP 312 in SPUR Straight Black 1+20
Kontakt
Total veraltet hört man ja öfter mal, wenn man sich als analoger Fotograf outet. Das kann einem allerdings auch im “eigenen” Lager passieren. Ich habe nämlich den Kontaktabzug für mich entdeckt.
“Wie jetzt du machst Kontaktabzüge? Das ist doch total überflüssig, aufwändig und albern. Du scannst doch sowieso da kann man doch mit (hier bitte beliebiges Bildbearbeitungsprogramm des Vertrauens einsetzen) auch machen und dann ausdrucken.”
Stimmt wohl, bei mir fängt aber alles schon mal mit der Haptik an. Ich gehöre z.B. immer noch zu den Exoten, die ihre Termine mit Agenda und Bleistift organisieren. Ich habe lieber etwas in der Hand als es auf dem Bildschirm zu sehen. Mit einem Kontaktabzug muss ich nicht durch virtuelle Bibliotheken scrollen und habe keine Ladezeiten für grosse Bilddateien. Meine Lupe ist nicht virtuell sondern auf dem Schreibtisch.
Der ausbelichtete Kontaktabzug macht mir nichts vor – keine vorherige Scankorrektur, sondern das “ehrliche” Negativ. Und das gibt mit schon mal einen hervorragenden Hinweis wo bei einer möglichen späteren Dunkelkammervergrösserung anzusetzen ist. Notizen lassen sich direkt auf den Kontaktabzug schreiben und gehen nicht verloren oder vergessen. Ist das nicht toll? Für die meisten vermutlich spinnert, für mich genau richtig – es lebe der Unterschied!
Oben sieht man meine kleine improvisierte Dunkelkammer…
Schwarze Medizin
Oder auch Abenteuer Dunkelkammer Teil 2. Nachdem der erste Part ja schon ganz anständig über die Bühne ging, hat es mich gestern wieder in den Fingern gejuckt, also nichts wie hinein ins Schwarz der künstlichen Nacht. Von Routine zu sprechen wäre sicherlich zu früh, jedoch konnte ich diesmal das Abenteuer Vergrössern um einiges ruhiger angehen. Alles war bereits an seinem Platz und in die frisch gespülten Schalen musste lediglich die Chemiesuppe von letzem Mal eingegossen werden. Positiv: der Entwickler lässt sich anscheinend mehrfach verwenden. Vorab hatte ich bereits ein paar Negative ausgesucht, die ich gerne als grossen Abzug haben wollte. Also, Licht aus und frisch ans Werk…
Nun, ich bin nach wie vor begeistert. Der Negativscan auf dem Bildschirm ist kein Vergleich mit einem Positiv in den Händen. Aber: der nette Nebeneffekt digital gerade mal ein paar Fussel, Stäubchen oder Kratzer der Russenzicke wegstempeln zu können fehlt. Also finden sich teilweise ein paar weiße Punkte auf meinem Abzug. Weniger schön. Auch hab ich sehr schnell die Richtigkeit von Meister Trents Aussage nach einem Testbelichtungsstreifen verstanden. Weder zu flau noch zu dunkel ist wünschenswert und auf 2 Sekunden Belichtungszeit kann man sich halt nicht grundsätzlich verlassen. Gedanklich notiert.
Ganz nebenbei bemerkt hat die Dunkelkammerarbeit anscheinend eine beruhigende Wirkung auf mich. Nach einem ziemlich heftigen Bürotag bin ich gestresst und mit hohem Adrenalinspiegel hinein gegangen, um ganz entspannt und abgeschaltet nach einer Stunde wieder hinaus zu kommen.
Fotografie als therapeutischer Ansatz, das hat Zukunft…
Berauscht
Man munkelt ja, dass sich so manch hartgesottener Analogfreak die Entwicklungschemikalien in Pulverform besorgt, um sich dann bewaffnet mit Geldnote, Spiegel und Rasierklinge den ultimativen Kick zu geben. Nichts für meine Nasenschleimhäute, aber berauscht bin auch ich. Die Dunkelheit hat mich in ihren Bann gezogen und ich bin ich geneigt mich als neugeborenen Jünger der Finsterniss zu bezeichnen
. Die Satanisten mögen ihre Aufnahmeformulare stecken lassen, und die streng Religiösen sich kurz aus ihren Denkmustern befreien. Hier geht es um meine jüngst eingerichtete Dunkelkammer…
Eigentlich klingt doch alles ganz einfach. Negativ in den Vergrösserer einspannen, Rotlicht an, Papier unterlegen, Ausschnitt festlegen, scharf stellen und Belichtungsschuss. Dann hintereinander hinein in die vorher angesetzte Entwickler- Stop- und Fixiersuppe und fertig! Was soll ich sagen, im Prinzip ist das auch so, wobei die Tücke liegt im Detail. Bei meine ersten beiden Versuchen konnte ich gerade kurz eine Bildkontur erkennen, bevor sich üppiges schwarz ausbreitete. Wohl etwas viel Licht. Also flugs die Belichtungszeit von 10sec. auf 2 reduziert und voilà – vom Negativ zum Bildabzug, mein erstes do-it-yourself Foto.
Da schwimmen sie im Becken, die Abzüge. Ich bin im Glücksrausch und stolz wie Bolle. Klar, da ist noch Verbesserungspotential. Saubere Ränder hinzubekommen ist gar nicht so einfach. Und beim 6×6 Format komme ich auch noch nicht 100% klar, aber der erste Schritt ist getan. Jetzt kann munter weiter experimentiert werden und ich habe eine vage Vermutung, wie sich so einige künftigen Wochenenden gestalten werden…







