Natürlich sind wir eine Elite

Ich gestehe zu meiner Schande, dass mir die Diskussionen zur Elite der Fotografie bislang entgangen sind. Schade. Dann muss ich halt nachtreten und an dieser Stelle klar machen: selbstverständlich gehört der Analogfotograf einer Elite an.

In der ganz banalen Begriffsdefinition steht die Elite der Masse bzw. dem Durchschnitt gegenüber und es dürfte kein Geheimnis sein, dass die Fotografie der Masse heute digital erfolgt.

Verwirrend mag sein, dass der Begriff der Elite im Sprachgebrauch weitergehende Bedeutungen erfährt. Er wird vielfach gleichgesetzt mit Oberschicht, Spitzenposition oder Leistungselite und die Begrifflichkeit elitär versteht im Regelfall eine Abgrenzung nach “unten”. Spätestens hier funktioniert meine bewußt provokante Eingangsbehauptung dann nicht mehr. Denn wo ist in der Fotografie die Abgrenzung nach oben oder unten? Man müsste unterscheiden zwischen dem Einsatzzweck der Fotografie, ob gewerblich, privat oder gar künstlerisch und spätestens dann wird´s ja bekanntlich schwierig.

Ein weiteres Merkmal für elitär wäre vielleicht noch die Kenntnis besonderer Fähigkeiten. Ja, für den Gesamtprozess der klassischen Fotografie benötigt man besondere Fähigkeiten, wenn man über die eigene Entwicklung der Negative und Ausarbeitung der Positive spricht. Ob die nun beonders schwierig zu lernen sind steht auf einem anderen Blatt. Auch die digitalen Fotografen benötigen schließlich in der Ausarbeitung ihrer Bilder besondere Fähigkeiten in Kenntnis und Einsatz von Software etc. Hier gibt´s dann wohl ein Unentschieden.

Bleibt das liebe Geld, denn Filmfotografie ist ja so wahnsinnig teuer und somit einer begüterten Elite vorbehalten. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung ob jemand schon mal eine seriöse Vollkostenbetachtung in der Gegenüberstellung von analoger und digitaler Fotografie gemacht hat. Der Geräteeinstieg in die analoge Fotografie kann sehr billig sein, und wenn ich sehe was so manche(r) aus einer 5,- € Boxkamera zaubert, ggf. noch mit Caffenol und Vitamin C entwickelt, weiß ich nicht ob das mit einer 50,- € Digiknipse genauso gut wäre. Wobei gut ja eine Aussage über meinen Geschmack und Anspruch an die Fotografie ist und für die Allgemeinheit irrelevant. Auch hier greift wieder die oben genannte Aussage nach Einsatzzweck etc. und somit kann der Kostenvergleich aus meiner Sichtweise nur ungenügend erfolgen.

Die Fotografen, die ich kenne, zeichnen sich allesamt durch eine offene Geisteshaltung aus, blicken gerne über den Tellerrand und mögen es zu lehren und zu lernen. Allesamt lieben die Fotografie und haben dabei ihr bevorzugtes Werkzeug, dass sie aber auch mal zur Seite legen, um die vermeintlich andere Seite zu erforschen. Da schnappe ich mir den neuesten Digitalboliden und der Herr Kollege meine Twinflex. Vermutlich gehören wir damit einer geistigen Elite an und ein paar von uns halt auch noch der analogen ;)