Festtage, das sind genau die Tage, wo alle Welt sich für ein paar Stunden an die Familie erinnert, die Entscheidung nach den ersten gemeinsamen Momenten zugleich wieder bitterlich bereut, um sie ein knappes Jahr später, beratungsresistent zu wiederholen.
Die Essenz von Weihnachten: sich schlagen und vertragen, Jahr für Jahr, weil zuviel ungewohnte Nähe so plötzlich nicht gut tut. Unterjährig via Mail, Twitter, Facebook und Skype in vorgegaukeltem Kontakt, birgt das Kohlenstoffleben im Regelfall so einige Tücken. Das Gegenüber lässt sich nicht einfach wegklicken, blocken oder als Spam markieren. Verdammt… Gut, dass der Tisch reicht gedeckt ist und man Konversation durch ungehemmte und reichliche Nahrungsaufnahme auf das Minimum reduzieren kann. Als gut erzogener Mensch spricht man schließlich nicht mit vollem Mund.
Neben das feierliche Bekenntnis, dass man von der buckeligen Verwandschaft für mindestens ein Jahr die Nase gestrichen voll hat, gesellt sich das Klagelied der festtäglichen Gewichtszunahme. Da hilft nur eine Diät!
Um allen Mißverständnissen vorzubeugen: das beschriebene Szenario hat nichts mit meiner Feiertagsgestaltung oder gar meinem Familienleben zu tun. Weit gefehlt. Aber auch ich bin geneigt, mich einer dringend notwendigen Diät zu unterziehen.
Ich kann und will auf das Internet in seiner Funktionalität hinsichtlich Informationsquelle, Einkaufsplattform und Kommunikationmittel nicht verzichten. Die Mail ist nunmal aus rein praktischen Gründen der Brieftaube vorzuziehen. Aber bei aller Ablenkung und Kurzweil, die gezwiterschte Belanglosikkeiten so bieten. Sie nutzen sich schnell ab. Sehr schnell. Und so niedlich diverse Befindlichkeitsmeldungen gelangweilter Bürohamster, Informationsanfragen google-ignorierender Faulpelze, Balzversuche verzweifelt einsamer Grossstadthirsche etc. auch sind. Ihnen gemeinsam ist, sie sind Zeitfresser. Und über das Fehlen von Zeit beklage ich mich nicht alleine.
Es ist wird Zeit den Gürtel etwas enger zu schnallen und in Zeiten der Besinnung, sich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren. Was dem einen sein Amazonasdelta sind mir meine verschneiten Voralpen. Hinter den Bergen, bei den 7 Zwergen. Wie hat Herr Kerkeling so treffend getitelt? Ich bin dann mal weg. Digitale Diät, oder treffender: digitale Trennkost.
Hei Zwerge, hei Zwerge, hei Zwerge hoh…


