Ich bin ja froh, dass ich den jüngsten politischen Budenzauber aus der Ferne betrachten darf. Das “große politische Talent” hat hingeschmissen. Was gleich die erste Frage aufwirft, was unter politischem Talent zu verstehen ist. Folgt man der wohlbekannten Formulierung, dass Politik das größte Drecksgeschäft unter Gottes Sonne ist, dann passt der Herr von Guttenberg doch ganz gut in die berliner Mischpoke. Man sollte sich halt nicht erwischen lassen.
Niedlich find ich ja die beleidigte Leberwurstnummer von wegen Hetzjagd durch die Medien. Fakt ist nunmal, dass man heute ohne Medien keine Politik mehr machen kann und möglichst langes Rückenstärken durch die Springer Presse ist ja auch sehr willkommen. Genauso wie publikumswirksame Selbstinszenierungen auf dem Time Square zu Zeiten als Wirtschaftsminister und nicht zu vergessen das soziale Engagement der Frau Gemahlin, für die lieben Kinder, gegen böse Pornos und das alles möglichst in einem Atemzug und herrlich populistisch.
Mal jenseits von parteipolitischen Vorlieben und Richtungen: gibt es wirklich noch jemanden, der sich der Illusion des aufrechten und ehrlichen Politikers hingibt? Kann wirklich jemand einen politischen Leistungsträger auf irgendeiner Seite benennen, der die letzen Jahre etwas sinnvolles und zukunftsträchtiges geschaffen hat? In der Politik gilt doch schon ewig das Prinzip des Aussitzens, Vermeidens und der Salamitaktik. Re(a)gieren wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Notwendige Schnitte und unpopuläre Massnahmen führen doch vermutlich nicht zur Wiederwahl, deshalb nur in homöopathischen Dosen und möglichst so kompliziert, dass man es nicht gleich durchschaut. Das rechtfertigt die ewig tagenden, teuren Arbeitsgruppen auch gleich viel besser. Und sollten die regierenden Parteien bei der nächsten Bundestagswahl mal wieder wechseln, erstaunt man sich – oh Wunder – an den plötzlichen Sinneswandeln und 180Grad-Wendungen der vorherigen Opposition und vice versa. Das große Planspiel Deutschland. Kollateralschaden durch Dilettantismus und Ignoranz nicht ausgeschlossen.
Wählen ist Bürgerpflicht, davon bin ich überzeugt. Wählen ist in der heutigen politischen Landschaft allerdings auch die Wahl zwischen Pest und Cholera – das geringere Übel. Unabhängig von der Frage, ob ich mit den diversen Gutti-Fan-Seiten auf Facebook und Co übereinstimme: wenn sie dazu dienen politisches Interesse neu zu wecken und die Leute an die Urnen treiben, finde ich sie gut.


