Scanbattle

Jenseits der müßigen Diskussion pro und contra analoger bzw. digitaler Fotografie – ein Mosaiksteinchen der Filmfotografie mit heute üblicher hybrider Verarbeitung ist der Scan. Lästig. Ehrlich gesagt kenne ich persönlich keinen Fotografen, der dem Prozessschritt so besonders viel abgewinnen kann. Klar, digitale Dunkelkammer – weiß ich alles, und auch daß Herr Adams seine Werke erst in der Ausarbeitung der Abzüge geschaffen hat. Blablabla – mich nervt die Scannerei trotzdem. Also mal schauen, ob die vorliegende Software das Maß aller Dinge ist oder es nicht auch noch andere vielleicht bessere Möglichkeiten gibt.

Mein Canon 8800f brachte die Canon eigene Software MP Navigator sowie eine Silverfast SE Edition mit. Anfangs noch mit dem Navigator unterwegs, schlicht und ergreifend aufgrund der sehr simplen Bedienung und trotzdem braubaren Ergebnissen, brachte mich der Kollege Herr Baron irgendwann mal dazu Silverfast zu probieren. Ein wesentlich mächtigeres Werkzeug. Gefühlt zwar extrem unübersichtlich und schlecht dokumentiert (decken wir den Mantel des Schweigens über die Tatsache wann ich die Serienscan-Funktion entdeckt habe), aber mit einigen netten Features versehen. Unterschiedliche Filmprofile, automatische Helligkeitsanpassung, Staub- und Kratzerentfernung, diverse Farbanpassungsfunktionen, usw.

Braucht es die ganze Funktionsvielfalt überhaupt? Für meinen Workflow kann ich das mit einem klaren nein beantworten. Ich habe ab und an eines der Filmprofile benutzt und zu Beginn auch mal die Helligkeitsanpassung, das war’s dann auch schon. Bei Farbfilmen kommt wie jüngst berichtet noch die Staub- und Kratzerentfernung hinzu, die ich schätzen gelernt habe. Warum nutze ich die anderen Funktionen nicht? Weil ich im Regelfall die Bilder in Photoshop nacharbeiten muss. Da ich primär SW arbeite heißt das schon mal Fusselentfernung (bei SW-Filmen funktionieren die Automatismen mittels Infrarotscan nicht), hinzu kommt dann meist eine Anpassung der Gradationskurve und anschließend die Webverkleinerung. Vermutlich kann man einiges davon auch schon mittels Silverfast erledigen. Ich kenne mich in PS jedoch besser aus, muss es für die Entfusselung sowieso starten und kann außerdem komfortabler damit arbeiten. Ob PS hier qualitativ im Vergleich zu Silverfast vorne liegt kann ich nicht beurteilen.

Gestern bin ich nun bei diverser Blogleserei über Vuescan gestolpert. Eine Testversion lässt sich runter laden, also kurzerhand mal installiert und ausprobiert. Die Funktionen sind aus meiner Sichtweise hier selbsterklärender als bei Silverfast. Letztlich gibt es eine ähnlich Menge an Möglichkeiten, die für mich ebenso wenig in Frage kommen. Beim direkten Vergleich zwischen beiden Programmen punktet Vuescan bei mir durch den schnelleren Scan (bei eingeschalteter Fusselentfernung) und ein gefühlt leicht schärferes Scanergebnis. Es sind zwei Funktionen die das Programm darüber hinaus aus meiner Sichtweise interessant machen: die integrierte Exportfunktion, die parallel als TIFF, JPEG und DNG!!! speichern kann.

DNG, da war doch mal was. Ein RAW-Datenformat, dass sich mit den üblichen Editoren extrem komfortabel bearbeiten lässt (außer mit Bibble, deshalb hatte ich zu digitalen Zeiten auch aufgehört als DNG zu speichern, aber das ist wieder eine andere Geschichte…). Der Bildbetrachter lässt sich in Vuescan dann noch voreinstellen, d.h. Scan ist fertig, Fenster mit PS, oder Lightroom, oder Phase One, oder… geht auf, DNG wird bearbeitet während weitere Scans laufen. Cool. Wer perfekt fotografiert oder per Prinzip nur unbearbeitetes Material verwendet kann die DNG Variante einfach abwählen und gleich als jpg, für die Webgalerie exportieren lassen. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass Vuescan doch um so einiges günstiger als Silverfast zu bekommen ist. In der Pro Variante sogar mit Lifetime-Upgrade und Scannerunabhängig (solange der Scanner halt unterstützt wird). Die Speicherfunktion für den Serienscan finde ich in Silverfast wieder besser gelöst.

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Probescan mit Vuescan, als DNG, Bearbeitungszeit kleiner 1 Minute

Fazit: Beide Programme sind mächtig und bringen vergleichbar gute Ergebnisse. Vuescan erscheint die Ecke komfortabler, ist beim Kauf wesentlich günstiger und gerade der DNG-Export ist ein starkes Argument. Ob man es tatsächlich braucht wenn beim Scannerkauf eine Silverfast SE mitgegeben wird, sei dahin gestellt, mir gefällt es sehr gut.