Väter und Söhne

Nennt es Lückenfüller oder nicht, ist mir egal. Ich habe diesen entzückenden, kleinen Bildband (Obacht – Amazon-Affiliatelink) gestern Abend wieder in den Händen gehabt. Er gehört zu meinen Lieblings-Fotobildbänden, zu denen, die ich immer wieder mit grosser Freude ansehe.

Es ist ein Buch für Männer. Nicht, daß Frauen nicht auch Spaß an den gezeigten Fotografien haben können, aber sie werden das Spezielle der Beziehung Vater/Sohn nie richtig verstehen. Und genau darum geht es. Vater und Sohn im Bild. Daß dabei große Namen der Fotografie im Spiel sind tut nichts zur Sache, denn jede der gezeigten Aufnahmen ist ein kleines Meisterwerk, und fast jede davon berührt mich. Sei als Vater, sei es als Sohn.

Contact Sheets

Ob heute noch mit Berechtigung oder nicht: der Kontaktabzug, den ich gerade erst neu für mich entdeckt habe, war unverzichtbares Instrument für die Fotografie vergangener Dekaden.

Wenn Magnum einmal mehr sein Archiv öffnet und uns einen Blick über die Schulter der Grossen gewährt, erlaubt uns das bekannte und populäre Bilder eines Capa, eines Erwitt oder einer Eve Arnold nochmals aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten. Wir erhalten einen intimen Einblick in das Rohmaterial der Fotografen und begleiten sie Jahre später bei der Fragestellung nach Auswahl der Bilder oder der Bildausschnitte erneut. Absolut faszinierend!

Die Entstehung bekannter Fotografien wird nachvollziehbar und Geschichte von 1930 bis heute wieder lebendig. Die Wucht manch dramatischer Aufnahme wird durch den Blick auf die Serie nochmals verstärkt.


Auf über 500 Seiten und knappen 4,5 Kilo Buch lässt sich stundenlang stöbern und entdecken. Zugegeben, kein ganz billiges Vergnügen, aber jeden Cent wert. Dieser Bildband (Affiliate Link) hat zur Zeit definitiv jeden anderen von meinem Nachttisch verdrängt. Eine unbedingte Empfehlung!

Vermächtnis

Es ist ja durchaus angezeigt, sich bereits einige Gedanken über ein passende Weihnachtsgeschenke zu machen. Jaja, alles nur Kommerz und eigentlich lehnt der moderne, aufgeklärte Mitteleuropäer sowas ja ab. Es ist trotzdem schön zu Schenken und beschenkt zu werden. So!

Und bei aller Berechtigung von ebooks… sie können halt nicht alles. Wer etwas mit Kunst, Fotografie, Schauspiel und Verrücktheit anfangen kann und wem der Name Kinski noch was sagt, dem sei “Kinski – Vermächtnis” an´s Herz gelegt, mit dem ich mich gerade selbst beschenkt habe (Nein, ich verlose es nicht und zu allem Überfluß ist der Link noch so ein Amazon-Partner Gedöns).

Ein phantastisches Buch mit großartigem Layout. Nichts für´s schnelle Durchblättern, man muss sich schon ein wenig damit beschäftigen, aber der Einblick, den das Werk in das Genie und den Wahnsinn eines Kinski gibt ist einfach nur beeindruckend. Ich kann mich stundenlang damit beschäftigen, darin stöbern. Die Briefe von Kinski, seine visionären Pioniertaten in PR-Arbeit, der unglaubliche Narzissmus… Nochmals, das kann kein ebook und das ist ganz grosses Kino. Dicke Empfehlung zu einem, wie ich finde, sehr fairen Preis!

Orpheus & Co

Jetzt bin ich also durch, durch die Tintenwelt. Ja, sie hat sich von Roman zu Roman gesteigert, war streckenweise kurzweilig und spannend und doch will sich kein Gefühl der totalen Begeisterung einstellen.

Im Gegensatz zu Tanja ist mein Urteil im Vergleich zur Stadt der träumenden Bücher ganz eindeutig: chancenlos! Ich habe mich selbst gefragt, warum die Geschichte bei mir nicht zu 100% gezündet hat und eine endgültige und befriedigende Antwort habe ich nicht gefunden. Möglicherweise liegt es an der Verknüpfung von realer und Phantasie-Welt, die ich insbesondere bei Tintenherz teilweise unglücklich fand.

Abgesehen von der Tatsache, dass ich Orpheus wirklich gehasst habe und mir natürlich gegen den Strich geht, dass das Hintertürchen einer Fortsetzung mit seiner Flucht offen gelassen wurde, finde ich zwei Dinge nicht schlüssig:

Die Kombination von Schreiber und Vorleser muss unheilig sein, und nachdem sich Orpheus schon zu Beginn als bösartig herausstellt grenzt es an Idiotie ihn in die Tintenwelt zu lesen. Und selbst wenn er der einzige Ausweg erscheint, dann hole ich ihn halt als stumm in die Welt, um eine Verhandlungsposition zu haben. Ja, ich weiss es ist ein Kinderbuch und muss keiner Logik folgen, trotzdem.

Außerdem finde ich es nicht schlüssig, warum Meggie ihre Versuche zu schreiben nicht weitergeführt hat und auch sonst niemand der “Guten” jemals auf die Idee gekommen ist jemand anderen als Fenoglio schreiben zu lassen, aber auch das sind wahrscheinlich viel zu analytische Gedanken eines Erwachsenen, die angesichts eines Kinderbuches nicht angebracht sind.

So oder so bleiben die Tintenwelt Romane eine nette Lesekost, ich brauch allerdings jetzt etwas Handfestes aus der Ecke Krimi oder Science Fiction.

Der Hochzeitsfotograf

Wenn mich etwas nicht interessiert, ist es wohl Hochzeitsfotografie. Dachte ich zumindest bislang. Bis ich Steffens Böttchers Buch “Der Hochzeitsfotograf” gelesen hatte. Aber der Reihe nach.

Vorab keine Sorge, ich habe nicht die Wandlung vom Saulus zum Paulus vollzogen und bin unter die glühenden Verfechter der Hochzeitsfotografie gegangen. Ehrlich gesagt habe ich mir mangels Interesse bislang überhaupt keine Gedanken um diese Sparte der Fotografie gemacht. Aber wie es der Zufall so will, bin ich seitens der lieben Verwandtschaft gefragt worden, ob ich nicht demnächst,… bei einer Hochzeit,… weil ich fotografiere ja…

Nunja, die Geschichte via Twitter erzählt, der Stilpirat hat’s gelesen, sich wohl seinen Teil gedacht und mir kurzerhand heute ein Exemplar seines Buches zukommen lassen. “Komm Junge, les’ das mal, dann lernste was!”

Und lernen kann man tatsächlich was. Kaum war das pdf runtergeladen (vertrieben wird das gute Stück als ebook), dachte ich mir: “Na komm, lies mal kurz rein für einen ersten Eindruck und den Rest gönnst Du Dir dann später”. Später war dann nicht, ich habe das Ding in einem Rutsch durchgelesen. Es liest sich wirklich leicht. Und so sympathisch wie Steffen bei seinen Podcasts via Stimme rüber kommt, so sympathisch wirkt sein Schreibstil. Locker, unaufgeregt, gespickt mit netten Anekdoten und handfesten Tipps ohne krampfhaft und permanent den Ratgeber geben zu wollen. Dabei hat er eine Menge mit auf den Weg zu geben. Nach der Lektüre des Buches hat man eine Idee, welche Verantwortung es sein muss, das Glück eines einmaligen Tages für jemanden konservieren zu dürfen. Aber auch welcher Spaß. Auf alle Fälle kein leichter Job.

Von Akquise und Erstkontakt, Ausrüstung und Assistenten, Location-Scouting und Probeshooting bis irgendwann zum Hochzeitsereignis, der Nachbearbeitung und Präsentation wird kaum ein Thema ausgelassen. Dabei konzentriert sich Steffen auf die aus seiner Sichtweise und Erfahrung relevanten Themen und bläst sie dankenswerter Weise nicht unnötig auf. Auf 74 Seiten und einem untadeligen Layout (was sollte man von einem ehemaligen Grafikdesigner auch anderes erwarten) gibt es die Essenz eines erfolgreichen Hochzeitsfotografen. Bei Reiseführern heißt das dann gerne mal Insider-Tipps und es ist hier nicht übertrieben. Steffen teilt das Geheimnis seines Erfolges und reist einen mit seiner Begeisterung mit. Auch wenn man mit dem Thema eigentlich Nichts am Hut hat merkt man, der Mann brennt für seinen Beruf, er ist im wahrsten Wortsinne Berufung und von dieser Flamme der Begeisterung wird man unweigerlich angesteckt.

Bei aller Offenheit von Steffen sollte man keine Details zur Bildbearbeitung oder gar Links zu Lightroom Presets erwarten. Das kann und soll nicht Ziel sein, denn sein Markenzeichen als Hochzeitsfotograf muß man sich schon selbst erarbeiten. Aber mit “Der Hochzeitsfotograf – Ein Guide für den schönsten Job der Welt” ist es vermutlich ein ganzes Stückchen einfacher geworden. Der Stilpirat nimmt seine Kadetten bei der Hand, lotst sie sicher durch die ersten Untiefen und Klippen des Business und zeigt dem interessierten Leicht- und Vollmatrosen, wie die Segel zu setzen sind, um erfolgreich in den Hafen der “Ehefotografie” zu steuern und irgendwann die Kapitänswürde zu erlangen.

Glückwunsch Steffen – ich habe Dein Buch mit Genuß gelesen und denke Dir ist da ein ganz großer Wurf gelungen!